Es war einmal, und das ist noch gar nicht solange her, ein Bundespräsidenten-Azubi namens Wulff. Der war immer ganz bescheiden und nett, und viele, viele Schwiegermütter wünschten sich, dass ihre Töchter auch einmal einen solchen netten Schwiegersohn mit in die heimische Stube brächten. Der BP-Azubi kam aus ganz bescheidenen Verhältnissen, war in eine Partei eingetreten und hatte sich dort hochgeschleimt. Und weil er immer so nett und unaufgeregt war, durfte er irgendwann sogar eine Lehre als Ministerpräsident absolvieren.
Während seiner Lehrzeit begegneten ihm viele, viele Leute, die es gut mit ihm meinten und beteuerten, sie seien alle seine Freunde und hülfen ihm, natürlich völlig uneigennützig, wenn es ihm einmal nicht gut gehen sollte. Weil er eben so nett sei. Da freute sich der BP-AZUBI ganz doll und war stolz wie Hulle, dass er soviele Freunde hatte.
Jetzt konnten er und seine Frau schöne Urlaube verbringen und musste keinen Cent dazu bezahlen. Und als er eines Tages in der Kreditklemme saß, weil er für sich und seine Prinzessin ein neues Häusle bauen wollte, sprang ihm geschwind einer seiner tollen Freunde zur Seite. Nicht persönlich, sondern in Form seiner Ehefrau, die nicht wusste, wohin sie mit ihrer Knete sollte,weil sie den Banken gerade nicht über den Weg traute.
Nun begab es sich, dass eines Tages der alte Bundespräsidenten-Inhaber abtreten musste, weil er eine Äußerung getan hatte, die zwar inhaltlich richtig war, die aber zu dieser Zeit keiner im Volke hören wollte. Nun war guter Rat teuer. Wer sollte neuer BP werden?
Da kam der großen weisen Frau Kanzlerin der kleine Wulff in den Sinn. Der schien ihr auf Dauer als Nebenbuhler zu gefährlich und geeignet, ihr aufgrund seiner Beliebtheit irgendwann an den Karren pinkeln zu wollen. Deswegen empfahl sie ihren Gefolgsleuten: nehmt den Wulff als AZUBI,der kann das und ich bin den los.
Und mir nichts, dir nichts, konnte dieser seinen Posten als Ministerpräsidenten dieses unbedeutenden, kleinen Bundeslandes an den Nagel hängen und durfte seinen Ausbildungsvertrag in Berlin nach dreimaligem Anlauf unterschreiben.
Von Stund’ an mühte sich der brave Bursche ab und gab den Bundespräsidenten-Darsteller. Winkte hier und winkte da, war wie immer freundlich, aber ganz besonders freundlich zu den Leuten des Springer-Clans. Die gehörten ja mit zu seinen Freunden. Dachte er. Und freute sich, dass das Glück ihm so hold war.
Eines Tage jedoch verfinsterte sich der Himmel. Graue Wolken zogen auf, und die lüsternden Medien, angestachelt von den fiesen Schreiberlingen der BILD Zeitung, die er bislang auf seiner Seite wähnte, liessen einen Schauer von Vorwürfen auf ihn herniederprasseln. Und alles nur, weil er wegen des kleinen Kredites und der paar anderen Freundlichkeiten, die seine Gönner ihm gewährten, haarscharf an der Wahrheit vorbeigeschwindelt hatte. So sehr er sich auch wand und versuchte, diese Angelegenheit schön zu reden: die Meute wollte Blut sehen, und ließ ihn nicht mehr aus ihren Fängen.
Solange, bis es dem kleinen Wulff zu bunt wurde, und er dem Hauptakteur, Kai dem Grausamen, den Marsch blies. Leider war der gerade nicht zu Hause, und so entlied sich des kleinen Wulffs ganze Wut mit nicht ganz präsidialen Worten auf die arme Mail-Box, die nun wirklich nichts dafür konnte. Der grausame Kai aber freute sich, als er seine Mail-Box abhörte. Jetzt hatte er die Gelegenheit, dem kleinen Wulff einmal zu zeigen, wo der Hammer hängt.
Fortan wird der kleine Bundespräsidenten-Azubi von ihm am Nasenring wie ein Tanzbär durch die Arena geführt und denkt dabei immer noch, er sei der Bärenführer.
Dabei schlägt er unbeholfen mit den Tatzen und leckt sich zwischendurch die blutende Nase. Die hat sicher der arme Kerl geholt, weil er versuchte, die Hand, die ihm sonst den Honig ums Maul schmierte, zu beissen, als sie ihm auf einmal den Honig verweigerte. Inzwischen wird die Leine, die an seinem Nasenring befestigt ist, immer kürzer gehalten und am Nasenring gedreht. Schmerzvoll muss er nun erkennen, das hier nur einer den Takt vorgibt. Der Zirkusdirektor als Dompteur.
Dieser feixt inzwischen ins Publikum und macht mit seiner Bärenshow auch den übrigen Akteuren im Politzirkus klar, dass sie zu spuren haben. Sonst werden sie nicht nur am Nasenring durch die Manege geführt, sondern ihnen wird gleich auch noch das Fell über die Ohren gezogen, um beim Herrn Direktor und seiner Frau als Bettvorleger zu landen.
Das Publikum klatscht derweil, bejubelt den Bärenführer für seine Tapferkeit und den Mut, sich diesem gefährlichen Bären entgegengestellt zu haben und ruft unentweg. “Bravo. Bravo. What a Man.”
Und der arme Bär begreift, dass er nichts weiter ist als eine arme Sau, die gerade geschlachtet wird. Vom Zirkusdirektor.
Warum? Weil der das kann.
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6, 1, 2012 um 17:06 Uhr
Saugeil.
6, 1, 2012 um 17:06 Uhr
Pah, Überschriftenklauer.
6, 1, 2012 um 17:11 Uhr
Tja, das kommt schon mal vor, dass zwei Leute dasselbe denken
6, 1, 2012 um 21:31 Uhr
Tja, Piercing (Nasenring) hat auch seine Nachteile, zu blöd, das man das erst hinterher merkt – falls man das merkt.
6, 1, 2012 um 21:56 Uhr
Schöner Text. Gefällt mir sehr gut.
9, 1, 2012 um 21:14 Uhr
Ich glaube, dass das alles nur inszeniert wird um die Leute von den wahren Problemen (Zerfall des Euros, Krieg mit Syrien und Iran e.t.c) die auf uns zukommen werden, abzulenken.
10, 1, 2012 um 9:38 Uhr
@Ralf: der Wulff merkt doch ohnehin nichts mehr. Fürchte nur, dass der uns erhalten bleibt bis zum bitteren Ende.
@Baseface + @Dieter Petereit: Danke. Hin und wieder gelingt noch mal was
@Bernd: Das halte ich auch nicht für ausgeschlossen. Deswegen sollte man abseits dieser “Affäre” weiterhin die Augen offen halten und sich nicht BLÖD quatschen lassen.