Hin und wieder geht mit mir ja die Phantasie durch. Dann fallen mir, auch zu Themen, über die man sich eigentlich nicht lustig macht, wie die Vorratsdatenspeicherung, die absurdesten Szenarien für ein kurzes Drehbuch zu einer Doku-Soap ein. Aber manchmal muss es einfach sein.
Morgens halb zehn in Deutschland. Frau E., verheiratet mit dem Politiker S. E., hat liebevoll den Frühstückstisch gedeckt. Der Kaffeduft zieht durch die Wohnung und erreicht die Nase des geliebten Gatten, der im Badezimmer in den letzten Zügen liegt. Soll heißen: er wischt den Rasierschaum (???) aus dem Gesicht, tätschelt sich After Shave (frisch für den ganzen Tag) auf die Wangen und kämmt sich sein Haupthaar. Nun noch das Hemd anziehen, Krawatte gerade rücken.
Zuletzt ein prüfender Blick in den Spiegel. Fertig. Es ist vollbracht. Leichten Schrittes begibt er sich an den Esstisch. Die Brötchen und sein Frau, beide knusprig, lächeln ihn an. E. lächelt zurück. Die güldene Sonne, die durchs Fenster fällt, streicht sanft über die Butter. E. seufzt glückselig. Es verspricht ein schöner Tag zu werden.
Während er sein Brötchen aufschneidet, klingelt es an der Tür. E lässt sein Messer sinken und will aufstehen, um zu öffnen. Seine Frau hält ihn mit den Worten: “Lass nur, Schatz. Ich gehe schon” zurück. Flugs ist sie aufgesprungen und eilt an die Wohnungstür.
Nach kurzer Zeit betritt sie, mit einem Paket in der Hand, das Wohnzimmer, in dem ihr Mann zeitunglesend genussvoll in seine Mehrkornbrötchenhälfte (wegen der Gesundheit) beißt.
Er blickt kurz auf : “Nun, Liebling. Wer war das?” Seine Frau scheint verstört. “Nun, was ist los? Bis du einem Geist begegnet?”
Im nächsten Moment bricht es aus ihr hervor. “Hier, dieses Paket. An dich. Vom diesem Flensburger Erotik-Versandhaus. Hast du da was bestellt?” Ihre Verstörtheit ist mittlerweile einer gehörigen Portion Mißtrauen gewichen. “Und wenn ja, was?”
.E. läuft rot an. Mit einer Mischung aus gespielter Empörung und Verlegenheit stottert er sich um Kopf und Kragen. ” Aber Schatz. Was denkst du von mir? Ich habe sowas doch nicht nötig. Ich würde doch nie im Leben da was bestellen.”
Doch seine Beteuerungen kommen zu spät. Mit dem Ausruf “Ich lasse mich von dir doch nicht verarschen” hat seine Frau, ehe er noch eingreifen kann, das Paket aufgerissen und erstarrt. “Du Schwein” stößt sie hysterisch hervor, knallt den Inhalt des Paketes zwischen die Wurstplatte und dem Käse auf den Frühtstückstisch.
E. ist wie versteinert. Eine künstlich Vagina scheint ihn hämisch anzugrinsen und sagen zu wollen “Ertappt, gell?”.
Diese Iditoten vom Versandhandel, schiesst es ihm durch denn Kopf. Ich habe denen doch ausdrücklich als Lieferadresse mein Büro angegeben. Ausdrücklich. Und nun schicken die das an meine Privatwohnung. Blödes Pack, das. So ein Mist, wie komme ich aus der Nummer denn wieder raus?
E. wäre keine Politiker, wenn ihm nicht auch dazu eine Erklärung einfiele, die selbst für seine Frau logisch erscheint:
Schnitt. Ende des ersten Teils.
Wird sich seine Frau mit dieser Erklärung zufrieden geben? Wird der häusliche Frieden wieder hergestellt?
Der zweite Teil des Drehbuches wird in Kürze veröffentlich. Ich bitte um etwas Geduld.
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