Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Neulich im Krankenhaus

Ui, Hessen will mehr für die im tun. Es soll jetzt eine Hygieneverordnung geben. Eigentlich habe ich ja in meinem schlichten Sinn immer gedacht, Hygiene stünde ganz oben auf der Agenda im Krankenhaus und Händewaschen und -desinfizieren und Sauberkeit  sei eine Selbstverständlichkeit.

Eigentlich sollte jeder, der in diesem Bereich tätig ist, schon einmal was vom ollen Robert Koch gehört haben, der als erster erkannt hat, wie wichtig Hygiene im Krankenhaus ist. Im Geiste höre ich jetzt viele Pflegekräfte und Ärzte fragen: “Robert wer?” und sehe unendlich Fragezeichen in den Augen.

Anders kann ich mir die Verhältnisse in den Krankenhäusern, in denen es früher einmal so antiseptisch roch, dass es einem den Atem verschlug, nicht erklären.  Heute sieht es dort aus wie Sau.

Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, vor einer gut einer Woche hier im Oststadtkrankenhaus liegen zu müssen. Was mir, und nicht nur mir, dort an Unsauberkeit auffiel, ist für mich immer noch nicht zu fassen.

Am sogenannten Nachttisch, der gleichzeitig auch als Esstisch dient, klebten am äußeren Rand noch Essensreste von Vorpatienten. Und zwar so fest, dass die Putzfrau Mühe hatte, diese zu entfernen, als ich sie darauf aufmerksam machte. Am inneren Rand der Tischplatte, dort wo sich die Metallumrandung befindet, strotzte es von Knies, wie wir  im Ruhrpott zu sagen pflegen.

Im Sanitärbereich sah es nicht besser aus. An den Fliesen befindliche braune Flecken beim Lokus strahlten mich schon bei meinem ersten Besuch an und waren auch nach einer Woche noch nicht entfernt. Ebenso der Dreck, einschließlich brauner Fingerabdrücke, auf den neben dem Becken angebrachten Hilfsgriffen für Behinderte.

Die außen an den Türen an einer Kette angebrachten Schilder, die zur Kenntlichmachung von “Besetzt/Frei” dienen, und jeweils bei der Benutzung umgedreht werden sollen, sind so von Dreck überseht, dass das ursprüngliche Weiß nur zu erahnen ist und ich auf diese Maßnahme verzichtete. Mir noch was einfangen wollte ich dann doch nicht. Die Wasserhähne waren ebenfalls versifft genauso wie die Lichtschalter.


Da ich zum Wochenende eingeliefert worden war, hatte ich zunächst die Hoffnung, dass es sich um ein vorübergehendes Problem handele und die Putzfrau am Montag zumindest im Sanitärbereich loslegen würde. Irrtum. Der Mist blieb wo er war.

Ich mag mir überhaupt nicht vorstellen, wie es an anderen Bereichen in dem Krankenhaus aussieht.

Die Reinigungskraft machte mir im übrigen keinen äußerst überarbeiteten Eindruck und hatte immer noch Zeit für ein Schwätzchen mit dem Pflegepersonal. Was ihr gegönnt sei. Wenn sie dafür dann auch den Dreck wegmacht.

Was fehlt, ist die Kontrolle. Niemand kann mir erzählen, dass nicht auch dem Pflegepersonal, das die Patienten begleitet, die nicht alleine zu Klo können ,  die an den Fliesen klebenden Kackespritzer auffallen. So blind kann niemand sein.

Es wird darüber hinweggesehen. Schlicht und ergreifend. Anscheinend fehlt für solche Zustände  das Empfinden.

Und nein, ich lasse keine Entschuldigung gelten wie “zuwenig Personal” und zuwenig Geld.  Manche Dinge lassen sich ganz einfach  erledigen. Man muss sie nur machen und zwar regelmäßig. Dann sifft so ein Laden auch nicht so ein.

Für die Erkenntnis bedarf es nicht einmal einer Hygienfachkraft.  Das wusste unser Omma schon.

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5 Kommentare

  1. Ich hatte mein “Krankenhaus-Schlüsselerlebnis” so vor 3 Jahren.

    Starke Magenschmerzen -> selbst ins KH

    Ich war so froh als die Schmerzen weg waren (Dolantin ausm Giftschrank sei Dank) dass ich mich über das 6 Bett-Zimmer gar nicht aufgeregt hab.
    Dabei war das Zimmer so klein, dass ich, wollte ich zu meinem Bett immer an den Behälter des künstlichen Wasauchimmer-Ausganges meines Nachbarn gestossen bin.

    Dann kam meine Frau mit der Zusatzversicherungskarte – rückblickend mal wieder meine Retterin.

    Karte gezückt schon ging es ins Krankenparadies.

    Unglaublich! Dieses Gefälle hatte mich wirklich schockiert. Eben noch mit 5 Halbtoten in einem abgewrackten Zimmer, nun ein freundliches, duftendes Einzelzimmer, asiatische Krankenschwester und war eben noch das gute Opiat (Dolantin) nur nach betteln zu bekommen, gab nun so viel ich wollte, sogar nachts wurde ich geweckt um mir ne neue Buddel anzuklemmen.

    Das war kurz vor Weihnachten, nur meiner Bitte nach 2 extra Flaschen so für die Silvesterparty wollte man trotz Zusatzversicherung nicht nachkommen. Aber das hätte nicht mal bei Privatversicherten geklappt, nur bei Selbstzahlern wie man mir versicherte ;-)

  2. Meine Mutter, Ende 2009 hatte sie ne Hüftoperation. Irgendwas fand sie da immer komisch, stellt sich heraus: bei der OP hat sie sich wohl Keime eingefangen (angeblich gibt es ein Risiko von 1%, lt. Arzt) Keine lebensgefährliche Sache – man hört ja von diesen MRSA-Virus – aber trotzdem eine extrem ätzende Angelegenheit. Sie ist jetzt fast 3 Monate im Krankenhaus und hat noch eine zweite OP vor sich … ich wäre schon längst durchgedreht %(

  3. Mich stört es nicht mal, in einem Mehrbettzimmer zu liegen. Das Pflegepersonal war unheimlich freundlich, daran gibt es nichts auszusetzen. Nur bei solch einem Siff, der die Gesundheit der Patienten zusätzlich gefährdet, geht mir einfach der Hut hoch. Die Klinikleitung kriegt dazu auch noch einen Text.

  4. @63mg: Risiko 1%? Da glaubt doch nur einer, der sich die Hose mit der Kneifzange anzieht. Ich schätze mal, alleine in dem Krankenhaus, in dem ich war, ist die Quote höher. Bei dem Dreck und dem nachlässigen Gebrauch der Desinfektionsmittel. Ich wünsche Deiner Mutter und Dir, dass sie das alles gut übersteht.

  5. Pingback: Das bloggende Hannover » Blog Archiv » Monatsrückblick Februar 2011

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