Heute habe ich mich nun endlich aufgerafft, mein Abo bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, von mir spöttischerweise immer öfter als mein “Lieblingskäseblatt” tituliert, zu kündigen. Und weil es mir nicht reicht, nur die Kündigung auszusprechen, habe ich parallel dazu an die Redaktion die Begründung für meinen Entschluss geliefert.
Sie sollen wengistens wissen, was ich von dieser Art Journalismus halte.
Sehr geehrter Herr….,
nachdem ich heute die Kündigung meines Abonnements der HAZ geschrieben habe, möchte ich es nicht versäumen, „höheren Ortes“ die Gründe für meinen Entschluss darzulegen. Es kann sein, dass diese Gründe Sie kaum interessieren. Schließlich mag es für Sie wichtigere Dinge geben.
Und dennoch: lesen Sie weiter. Ich habe mich sehr lange mit dem Gedanken getragen, und meine Entscheidung nicht einfach übers Knie gebrochen. Allerdings häuften sich in den letzten Monaten die Ärgernisse über die Art der Berichterstattung, gerade im politischen Bereich. Unabhängig von meiner eigenen politischen Einstellung bin ich der Meinung, dass eine neutrale Berichterstattung, ausgenommen sind nur die Kommentare, gewährleistet sein sollte.
Leider vermisste ich gerade vor und zu der Bundestagswahl diese Neutralität. An manchen Tagen hatte ich den Eindruck, ein Wahlkampfblatt der CDU vor mir zu haben. Die Mehrzahl der Artikel über Frau Merkel mutierte unkritisch zur reinen Jubelpresse.
Bestätigt wurden meine Bedenken über die Art der Berichterstattung in Ihrem Hause durch ein Interview mit Ihrem Redakteur Michael Berger in der Sendung ZAPP vom 15.11.2009, in dem es um Sigmar Gabriel ging.
Ich zitiere:
Michael Berger meint: „Man merkte auch oft, dass er sozusagen immer mit der Fanfare am Gange war. Wir haben dann irgendwann hier in der Zeitung den Schalter umgelegt und gesagt: So jetzt kritisieren wir ihn mal ordentlich. Und haben offen gelegt, dass er damals doch sehr sprunghaft agierte.“
Sollte es nicht die Aufgabe eines jeden Journalisten sein, eine Berichterstattung zu ermöglichen, die sich weder durch „Hochjubeln“ noch durch ein „Niedermachen“ um jeden Preis, weil es nun gerade opportun ist, auszeichnet?
Aber ich fürchte, ich habe zu hehre Vorstellungen von diesem Beruf.
Den letzten Anstoß zur Kündigung hat mir Ihre die tagelange, seitenweise „Anteilnahme“ zum Tode von Robert Enke gegeben. Auch wenn Sie diese anders darstellen möchten, wie es Imre Grimm versuchte, der sich über die „Sensationsgier“ anderer Medien in der gestrigen Ausgabe ereiferte. Das Niveau, auf denen sich ihre Artikel bewegten, war nur unwesentlich besser. Ein wenig mehr Zurückhaltung hätte gut getan. Eine ständige Wiederholung und Schilderung der Ereignisse, egal ob es sich um Enkes Selbstmord oder den Tod seiner Tochter handelte, dient in meinen Augen nicht der seriösen Berichterstattung. Den Vorwurf müssen Sie sich gefallen lassen.
Und es geht weiter: das Thema Enke findet kein Ende. Nun wird darüber lamentiert und ausgeschlachtet, wer denn nun alles von seinen Depressionen wusste. Frage: Ist das noch wichtig?
Bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Argument: der Leser will das. Dieses Argument entbindet Sie nicht von der Verpflichtung, darüber nachzudenken, inwieweit solche angeblichen „Wünsche“ zu respektieren sind. Wären diese Wünsche nicht mit einer reellen Chance auf Steigerung der Auflagenzahlen verbunden, würden Sie wahrscheinlich daran keinen Gedanken verschwenden.
Außerdem muss nicht jedem Bedürfnis nachgegeben werden. Sonst könnten wir den Gaffern an Unfallstellen mit ihren Fotohandys auch Logenplätze zu Verfügung stellen.
Wenn ich noch länger darüber nachdächte, was mich zu meinem Entschluss, mein Abo zu kündigen, gebracht hat, fielen mir sicherlich noch mehr Gründe ein. Aber ich denke, es reicht auch so.
Mit freundlichen Grüßen
Dauni Dwarslöper
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18, 11, 2009 um 14:24 Uhr
Sehr gut – inhaltlich, wie auch der Akt selbst – ich meine damit die Mühe, der “angestammten” Zeitung seinen Grund der Kündigung zu nennen. Man ertappt sich selbst oft genug bei dem Satz “Ach,ich kann ja eh nichts dagegen machen”. Das stimmt auch, wenn es fast jedet tut. Aber Bewegung kommt nicht immer von der Masse. So sind es stets auch Einzelne gewesen, die Veränderung hervorbrachten – nicht jedem kommt eine Idee, wenn ihm ein Apfel auf dem Kopf fällt…
So ist das zwar “nur” ein einzelner Leserbrief – er kann aber, wenn man wollte, zumindest zum Nachdenken inspirieren…
18, 11, 2009 um 15:26 Uhr
Ich habe versucht, möglichst sachlich zu bleiben. Wenn ich zum Nachdenken anrege, vor allem bei dem Redakteur, wäre das ein gewisser Erfolg.
Kleine Briefe meinerseits haben in anderen Fällen schon Sozialdezernten ins Schwitzen gebracht und den damaligen Oberbürgermeister zur Stellungnahme gezwungen. Das prägt
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