Vielleicht bin ich zu verbissen, habe keinen Humor oder erkenne Satire nicht. Mag sein. Aber vielleicht ist das, was in der Wochenendausgabe meines Provinzkäseblättchens HAZ unter der Rubrik: Medien – Wochenschau – geschrieben stand, auch wirklich nur hirnloser Mist.
Da will ein eifriger Schreiberling dem geneigten Leser klarmachen, dass “das Internet” zu allem fähig ist.
Ich zitiere:
Ein bisschen subversiv war das Internet ja schon immer – gerade wenn es um die Politik geht. Da wurde Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen wegen eines umstrittenen Gesetzes kurzerhand in “Zensursula” umbenannt, eine Partei mit einer Totenkopfflagge schaffte es mit der simplen Formel “Freiheit im Internet” auf die Wahlzettel, und auch der schwarze Präsident in den USA wäre wohl ohne das Internet nicht im Weißen Haus.
Nun, drei Wochen vor der Bundestagswahl greift das Internet wieder ganz tief in die Trickkiste. Das Ziel: Jungwähler motivieren. Das Mittel: Eine Soap.
Nun kann man wahrlich darüber geteilter Meinung sein, ob diese Soap das geeignete Mittel ist, um junge Leuten auf den Geschmack zu bringen, sich für Politik zu interessieren. Und natürlich kann man darüber ablästern, und einen Artikel mit dem Satz “So simpel kann Politik sein” beenden.
Noch viel simpler ist es allerdings, in der Einleitung zum fraglichen Beitrag unqualifizierte Meinungsäußerungen von sich zu geben und das Internet als ein eigenständig handelndes Subjekt darzustellen. Da haben wir es wieder, das böse Internet, vor dem unsere Politiker immer warnen. Das ist der Eindruck, der dem unbedarften, internetfernen Zeitungsleser vermittelt wird. Wenn die Formulierung nicht simpel und platt ist, dann weiß ich nicht, was sonst.
Vielleicht sollte der Verfasser dieser Zeilen sich über das von ihm so simpel als “umstritten” bezeichnete Gesetz und die Gefahren, die es beinhaltet, erst einmal informieren, bevor er sich, wenn auch mehr unterschwellig, darüber mokiert, dass die geliebte Familienministerin vom bösen, bösen Internet so einen “hässlichen” Namen bekommt. Vielleicht sollte er sich ebenfalls mit den Diffamierungen und Verleumdungen der Frau von der Leyen und ihrer Demagogie beschäftigen.
Und vielleicht sollte er das Wahlprogramm der Piraten lesen, bevor er simple Behauptungen aufstellt. Ebenso so simpel und einfältig ist seine Äußerung zu Obama. Wäre ich ein Korinthenkacker, würde ich die Bezeichnung “schwarzer” Präsident als rassistisch angehaucht betrachten.
Aber was tut ein Provinzjournalist nicht alles, um beim braven Bürger, der vom Internet soviel versteht wie die Kuh vom Eierlegen, den Eindruck zu vermitteln, das Internet sei Teufelswerk. Da stimmt man doch gerne ein in den Chor der Internetausdrucker.
Soviel, Herr Dirk Schmaller von der HAZ, zum dem Thema: Simpel. Und nicht vergessen, in Zukunft das Gehirn einzuschalten.
Mit den besten Grüßen eines ganz “simplen” Bloggers.
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