Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten. Diesen Spruch von Dieter Nuhr sollte nicht nur Frau Merkel öfter einmal beherzigen, die ich heute ausnahmsweise aber nicht damit meine, sondern auch die Kundenberater meines Providers. Allerdings werde ich seinen Namen hier nicht nennen. Wahrscheinlich droht mir dann gleich eine Abmahnung. Da braucht man ja nur eins und eins zusammenzählen, und zack, hat man so ein Ding im Kasten.
Vorweg erst einmal ein Lob für die Firma. Das soll ja taktisch klug sein, wenn man negative Kritik anbringen will. Der Schmerz ist dann nicht mehr so groß. Will sagen:erst einmal das Positive herausstellen und dann die Keule hervorholen. Sowas lernt man im Fach “Werbepsychologie”. Jesses, ist das lange her.
Wo war ich stehengeblieben? Ach so, ich wollte die Firma loben. Also, wenn’s läuft, dann läuft’s. Daran gibt es nichts zu meckern. Und wenn es mal nicht läuft, findet man immer freundliches Personal, dass gerne bereit ist, einem zu helfen. Telefonisch natürlich. Die sind meist sowas von freundlich. Nur Ahnung haben sie nicht, und erzählen einen Haufen dummes Zeug. So auch heute.
Nachdem ich genervt vormittags feststellte, dass ich mit dem PC weder über Kabel noch mit WLan ins Internet komme und auch das Unterfangen, es mit dem Lap-Top zu versuchen, was aber auch nicht funktionierte, kläglich scheiteterte, kam ich, unter Ausschluss aller möglichen Fehlerquellen vor Ort, zu der Erkenntnis: dat jeht nisch. Kein Netzzugang. Warum auch immer.
Leicht angesäuert wählte ich die Nummer des Kundenservice. Nachdem ich mich etwa gefühlte 10 Minuten mit einem Automaten unterhielt, der mir freundlich mitteilte, ich müsse dieses oder jenes in den Hörer sprechen, bevor ich ein menschliches Wesen an selbigen bekäme, meldet sich ein Herr Sowieso.
Allerdings hatte der gute Mann eine dermaßen undeutliche Aussprache, dass ich schon bei seiner Namensnennung nachfragen musste, wie er denn hieße. Etwas gereizt wiederholte er seinen Namen. Und dann entwickelte sich folgendes Gespräch:
“Tach, Herr Sowieso. Meine Name ist Dwarslöper. Ich habe ein Problem, ich komme nicht ins Internet. Nicht über WLan und auch nicht über Kabel. Und bevor sie mich jetzt fragen, ob ich hier die Technik und alle Verbindungen gecheckt habe: Ja.
Diese Erklärung halte ich in solchen Fällen für wichtig, da männliche Berater meist davon ausgehen, dass Frauen, die etwas beanstanden, keine Ahnung haben.
Herr Sowieso reagierte sichtlich pikiert. Wahrscheinlich hatte er sich, nachdem er eine weibliche Stimme hörte, bereits darauf eingestellt, mich zu fragen, ob ich denn den PC schon angemacht hätte. Da, unten, mit diesem kleinen Knopf. Schiete, war ja nu nix.
Herr S.: “Tja, und was ist nun ihr Problem? Sie kommen nicht ins Internet?
Ich spürte, wie meine Halsschlagadern zu pochen begannen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass Größeres bevor steht. “Das sagte ich bereits. Nicht mit WLan und nicht mit dem Kabel.” presste ich mühsam höflich zwischen meinen Zähnen hervor.
“Versuchen Sie es doch einmal über WLan.”
Ich: “Hä? Hatten wir das nicht schon. Es geeeehhht nicht. Ich komme nicht reihhheeeiiin. Weder noch.”
Herr S. : “Achso. ”
Und dann ging es los. Jetzt konnte er mir zeigen, wo der Hammer hängt.
“Geben sie mal das und dies ein unter “START- Ausführen.” Allerdings sprach er noch immer sehr undeutlich, sodaß ich gezwungen war, ihn seine Anweisungen wiederholen zu lassen.
Festgestellt wurde auf die Art und Weise, dass alles mit der Leitung in Ordnung sei. Es müsse an meinem PC liegen.
“Ach ja. Das würde ich ja gerne einsehen. Aber dann erklären sie mir doch bitte, warum das Problem beim LAP-TOP ebenfalls auftaucht. Hat sich das Gerät vielleicht solidarisch mit meinen altem TARGA erklärt und ist mit ihm in den Generalstreik getreten?” schnaubte ich in den Hörer.
Herr Sowieso hatte zwischenzeitlich einen Geistesblitz. Ich vernahm förmlich ein entsprechendes Geräusch, aber vielleicht hatte er auch nur seinen Kopf bewegt und die Erbse war weitergerollt.
“Haben sie vielleicht eine Firewall ausser der von Windows laufen?.”
Ich stöhnte auf. “Natürlich. Die von Windows habe ich ausgeschaltet”
“Tja, dann haben wir’s ja. ” juchzte Herr S. “Daran liegt es doch. Dann deinstallieren sie mal ganz schnell das Programm und schalten Windows Firewall ein und dann geht es auch wieder. ”
Mein Versuch, ihm klarzumachen, dass ich noch gestern abend eine einwandfreie Verbindung trotz meiner Firewall hatte, stieß bei ihm auf taube Ohren.
“Sie müssen das Programm deinstallieren, und dann läuft wieder alles. ”
Bei mir war der Siedepunkt erreicht. “Das werde ich sicherlich nicht tun.” Wütend würgte ich das Gespräch ab und beendete es mit einem Knopfdruck.
Minuten später. Betrübt sitze ich vor meinem PC und seinem kleinen Bruder. Grübelnd. Verdammt, woran kann es liegen? Habe ich irgendetwas an de Einstellungen geändert? Wenn, müsste das gestern gewesen sein. Ich kann mich an nichts dergleichen erinnern.
Plötzlich fällt mein Blick auf Symbol der Firewall in der Taskleiste. Aufgeregt signalisiert mir der kleine blaue Ball, dass gerade ein Update heruntergeladen wird. Er ist mindestens so hibbelig wie ich.
“Es geht wieder, es geht wieder.” jubeln wir einstimmig. Wir sind wieder drin.
auch ohne Deinstallation. Wahlweise mit WLan oder Kabel, sowohl mit dem großen Hobel als auch mit dem Lap-Top.
Danke, lieber Kundendienst. Du hast mir wirklich sehr geholfen. So lange Deutschland solche Fachleute hat, kann es nicht untergehen.
Bekam gerade eben eine E-Mail der Firma, in der sie anfragt, wie ich denn mit dem Support zufrieden gewesen sei.
Das wollt ihr nicht wirklich wissen. Glaubt es mir.
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