Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Schweinerei in Hannover

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In unserem kleinen Kaff unserer beschaulichen Provinzhauptstadt ist seit einiger Zeit die Sau los.

Nee, nicht etwa wegen der Infektionen mit der Schweinegrippe, bei der unsere Region nach Zeitungsberichten einsame Spitze war. Wochenlang beherrschten die Viren die Schlagzeilen der HAZ. Merkwürdig. Plötzlich ist der Spuk vorbei. Hm.

Naja, das ist jetzt auch egal. Wir haben nämlich neue Probleme in dieser Stadt. Radikale Tierschützer erfrechten sich, ein Gelände zu besetzen, dass sich die Firma als Standort für ein “Europäisches Forschungszentrum für Tierimpfstoffe ” auserkoren hat. Im Volksmund auch “Schweine-Labor” genannt.

Zunächst protestierten dagegen nur die Anwohner des feinen Stadtteils. Nicht nur die Angst vor Gestank und Lärmbelästigung war ausschlaggebend für den Widerstand, nein, auch die Sorge davor, dass solche Viren, mit denen geforscht wird, irgendwann ausbüxen und das dann wirklich zu einer großen Sauerei führt.

Laut Boehringer ist solch ein Virenaustritt aber gar nicht möglich. “Die Anlagen werden mit Filtern abgeriegelt”, sagt Projektleiter Friedolin Nöker. Boehringer wolle im Forschungszentrum zwar mit genveränderten Krankheitserregern experimentieren, doch diese Versuche konzentrierten sich auf die “Gefahrenklasse 2″, sagt Nöker. Also auf Mikroorganismen, von denen keine Gefahr für Menschen ausgehe.

Quelle

Nö, ist klar. Die Asse ist ja auch sicher.

Und als wenn die Firma und die Stadt Hannover nicht schon genug mit den alten Säcken im Ruhestand zu tun haben, die ihnen auf die Nerven gehen mit ihrem Genöle, gesellten sich im Juli diese “millitanten, radikalen” 33 Tierschützer und Veganer dazu.

Machten es sich auf auf dem ehemaligen Kleingartengelände gemütlich und zeigten der Firma Boehringer den Stinkefinger. Am 12. August griff die Staatsmacht in Form von zunächst angenommenen 500, tatsächlich aber 1000 Polizisten durch und räumte das Gelände. Nur damit niemand meint, ich hätte mich verschrieben hier noch einmal in Worten: eintausend Polizisten. In der üblichen Ausstattung. Kampfanzug, Helme, Schlagstöcken usw. So, wie man halt gefährlichen Gewaltverbrechern begegnet. Begründung für den Aufmarsch: Der friedliche Charakter der Besetzung sei nicht gegeben, da Fallgruben und Steindepots angelegt worden seien. Da muss schon mal ein Rollkommando angefordert werden. Die Ausrede der , sie wollten nur einen Backofen bauen war aber auch zu dämlich. Backofen bauen, wer glaubt das denn?

Die Grünen in Hannover ließen zu dem Vorgehen ein scharfes Statement vom Stapel:

…die Grünen haben sich nach der Räumung am Mittwoch erfreut gezeigt, dass der Polizeieinsatz “relativ glimpflich gelaufen sei. Ratsherr Michael Dette sprach von einer gewissen Sympathie für die Besetzer, die sich engagiert für ihre politischen Ziele eingesetzt hätten.

Im Rat hatten sich die Grünen nach parteiinternen Debatten für die Ansiedlung des umstrittenen Forschungszentrums eingesetzt.

Zitat HAZ vom 13.08.2009

Da sind die zuständigen Leute auf den Behörden aber vor Schreck vielleicht zusammengezuckt. Mein lieber Schwan. Böswillige Zungen behaupten allerdings, die Beamten würden noch heute vor Lachen auf dem Boden liegen. Tja, die Grünen. Auch so ein Kapitel für sich.

Wer aber nun glaubt, die Geschichte sei damit zu Ende, irrt gewaltig. Nach knapp zwei Wochen haben sich in der Nacht zum letzten Sonnabend diese unverbesserlichen Weltverbesserer doch glattweg wieder Zugang zu dem umstrittenen Gelände verschafft und es besetzt. Diesmal kamen allerdings zur Räumung am Sonnabendvormittag nur 80 Beamte. Vom SEK. Bekanntlicherweise werden die ja immer angefordert, wenn es um schwierige Situationen geht. Wie Geiselnahmen und Entführungen. Oder eben solche agressiven Müslifresser. Wer kein Schwein vertilgt, ist in diesem Land ohnehin verdächtig. Das nächste Mal kommt dann hoffentlich endlich die Bundeswehr und räumt mit diesem Sauhaufen auf.

Mittlerweile schwindet wohl auch das Wohlwollen der ebenfalls protestierenden Anwohner gegenüber den Besetzern. Sie fürchten um ihre Interessen, die nicht die der jungen Leute sind.

Nun geht meine Phantasie gerade wieder mit mir durch. Ohne jemandem etwas unterstellen zu wollen. Wie wahrscheinlich ist es denn, dass sie vielleicht auch um etwaige Gelder fürchten, die ihnen die Firma Boehringer für ein Entgegenkommen ihrerseits, irgendwann auf den Protest zu verzichten, zu zahlen bereit wäre. Immerhin stinkt Geld im Gegensatz zu einem Schweinstall , von dem überhaupt keine Gefahr ausgeht, überhaupt nicht.

Nur mal so in den Raum gefragt. Schließlich hat man schon diese berühmten Pferde kotzen sehen….
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