Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Darf es ein bißchen mehr sein?

Ich verstehe ja die Aufregung um Polypenulla und ihr Sommerloch ihren Dienstwagen. Aber seien wir mal ehrlich: erwarten wir noch etwas anderes von unseren Politikern?

Wer nicht einmal mehr weiß, was ein Kilo Kartoffeln kostet, lebt doch in einer völlig anderen Welt. Ausserdem versaut die Möglichkeit, das Geld anderer Leute auf den Kopf zu hauen, zusätzlich den Charakter, sofern einer vorhanden sein sollte.

Soweit, so gut. Oder auch nicht. In all‘ dem Getöse gehen andere Meldungen völlig unter. So wie diese hier:

Die Bundestagswahl könnte in diesem Jahr besonders teuer werden. Hintergrund ist eine von der Bundesregierung geplante Erhöhung der Kostenerstattung für die Länder. Das Innenministerium schlägt in einer Verordnung vor, in Gemeinden bis 100 000 Wahlberechtigte die Erstattung von derzeit 45 Cent je Wahlberechtigten auf 48 Cent aufzustocken. In größeren Kommunen soll sie von 70 auf 74 Cent steigen. Die Gesamtkosten steigen um rund 1,8 Millionen Euro auf 64,7 Millionen Euro. Das Innenministerium begründet seine Vorschläge mit gestiegen Kosten bei Personal, Papier sowie Nutzung von Räumen und Informationstechnik. Zudem sei die Wahlkostenerstattung an die Länder seit 2001 nicht mehr angehoben worden.

Quelle: HAZ Print 29.07.09

Seit 2001 wurde Kostenerstattung nicht mehr angehoben? Das ist ja furchtbar. Also, wenn das kein Grund für eine Erhöhung ist. Jetzt kann ich mir auch erklären, warum in den letzten Jahren so ein mieser Wahlkampf geführt wurde.

Und wir uns die dummen Fratzen von Politikern auf Wahlplaketen, dämliche Spots im Fernsehen mit verlogenen Wahlversprechen und Wahlveranstaltungen auf Marktplätzen mit selbstgefälligen Dumpfbratzen, die das Volk besoffen quatschen, ansehen mussten. Das Geld hat hinten und vorne nicht gereicht. Furchtbar, wirklich furchtbar.

Da opfern wir doch gerne zusätzlich 1.8 Millionen Euro. Man gönnt sich ja sonst nichts. Ausserdem sichert der Wahlkampf auch Arbeitsplätze. In der Papierfabrik, in den Druckereien und überhaupt. Ärgern wir uns also nicht darüber, dass aus Steuergelder Mittel in die Parteienfinanzierung fließen, sondern betrachten das Ganze fröhlich als weiteres Konjunkturprogramm. Und regen uns auch nicht mehr über „die paar Euro fünfzig“ auf, die mal eben eine Dienstfahrt kostet.

Allerdings grübele ich die ganze Zeit noch darüber nach, welche Informationstechnik in dem vorletzten Satz des obigen HAZ-Artikels wohl gemeint sein könnte. Buschtrommeln?

Murhahahar. Politiker und Informationstechnik. *Gröhl*

Verwandte Artikel

Kommentare sind deaktiviert.

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: