Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Tagebucheintragung eines alten Freibeuters

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Nach heftigem Sturm, der das Schiff schwer angeschlagen hat, heute ruhige See und eine ebensolche Mannschaft. Erstaunlich, nach dem schweren Wetter. Nicht einmal ein Vogelgezwitscher dringt an unser Ohr. Es scheint, als hätte es allen die Sprache verschlagen.

Nur am fernen Horizont ertönt noch das eine oder andere Grollen, und lässt darauf schliessen, dass die Schwerwetterfront sich noch nicht gänzlich verzogen hat und jederzeit wieder Kurs auf das Schiff nehmen kann. Allerdings scheinen mir der Kapitän und seine Offiziere, milde ausgedrückt, an dem Dilemma, in das der Kahn geraten ist, nicht ganz unschuldig gewesen und etwas überfordert mit der Situation gewesen zu sein.

Dabei lautet eine alte Seemannsweisheit: Wachen und Schauen. Stets den Himmer beobachten und bei drohenden Anzeichen für Schlechtwetter die nötigen Maßnahmen ergreifen, um Gefahren von Schiff und Mannschaft abzuwehren. Das ist hier wohl gründlich in die Hose gegangen. Segel zerfetzt, Mast gebrochen. Schuss vor den Bug (bildlich gesprochen).

Mich wundert, dass die Mannschaft so gelassen geblieben ist. Nur einige wenige, darunter auch ich, überlegen oder haben sich bereits dazu entschlossen , im nächsten Hafen von Bord zu gehen. Die meisten der Crew scheinen den Ernst der Lage nicht begriffen zu haben. Viele sind der Meinung: ” ”Naja, kann ja mal vorkommen sowas. Ist doch nicht so schlimm. Passiert anderen ja auch. Ist ja ein neues Schiff, das hält das aus. Und ausserdem sind die Leute oben auf der Brücke alles noch Grünschnäbel. Die lernen das noch, uns beim nächsten Schietwetter ins ruhigere Gewässer zu bringen.”

Nee, meine Lieben. So geht das nicht. Andere sind für mich kein Maßstab. Und Unerfahrenheit ist keine Entschuldigung für dusslige Entscheidungen. Deswegen habe ich ja auf diesem Schiff angeheuert, weil mir die übrige Flotte, die da herumschippert, zu desolat ist und die Käptens und die höheren Ränge zu unfähig und nicht mehr vertrauenswürdig sind. Die sollte man nur noch Kiel holen, so verkommen ist das Pack. Bei denen möchte man als alter Seemann nun überhaupt keinen Fuss mehr auf die Planken setzen.

Tja, nun steh ich hier ratlos an Deck, sehe auf den Horizont und frage mich: wohin geht der Kurs? Gebe ich dem Kahn und dem Käptn samt seinen Offizieren eine letzte Chance? Immerhin könnten wir, wenn die Führungskräfte auf der Brücke Cojones haben, die richtigen Entscheidungen träfen und ihre Ziele neu auf den Karten absteckten, eine tolle Crew werden.

Und ich müsste nicht von Bord gehen. Heiliger Klaubautermann, lass Hirn vom Himmel regnen.
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6 Kommentare

  1. Ach du liebe Sch….. Was denn noch alles?

  2. Natürlich kann man einem unverbesserlichen Wirrkopf die bezahlte Passage gestatten. Anheuern darf man ihn doch aber nicht. Auch nicht als Leichtmatrose, der nur das Deck schrubben soll. Das muß dem Kapitän so klar sein, wie schon der Moses weiß, daß er gelbe Beine bekommt, wenn er nach Luv pullert.

    Weil auf der Brücke vor allem Landratten das Kommando haben, saß offenbar ein Blinder oder ein Stummer im Krähennest, falls es überhaupt besetzt war. Nun steht die Havarie bevor und auf der Brücke wird noch überlegt, ob man das Kielschwein mit Zwieback oder besser mit Labskaus füttern soll, statt den Irren im nächsten Hafen von Bord zu schicken.

    Man kann durchaus auch ohne festen Kurs in See stechen, um neue Kontinente zu entdecken. Dafür muß man sich aber schon darauf verlassen können, daß Leute auf der Brücke die Seemanschaft und nicht nur den Manöverschluck intus haben. Sonst wird das Flaggschiff schnell zum Seelenverkäufer.

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