Obwohl ich schon wieder einige Tage in Hannover bin, bekam ich bisher noch nicht die Kurve, einen Blogeintrag zustande zu bringen. Die im Augenblick herrschenden Temperaturen lassen jeglichen Antrieb bei mir brach liegen.
Seit 15 Jahren bin ich das erste Mal im Sommer in der Stadt. Meine Seebeine habe ich gegen Landbeine ausgetauscht, und meine Nase nimmt völlig neue Gerüche wahr. Statt Seeluft und Tanggeruch den Duft von blühenden Blumen und Blüten. Statt aufgewühlter See das Grün der Bäume und Wiesen. Meine Gehör, auf Möwengeschrei und das Geheul des Windes eingestellt, lauscht verzückt den singenden Vögeln. Vor allem der Amsel, die morgens um 3.50 Uhr im Baum vor unserem Schlafzimmerfenster ihren zauberhaften Gesang anstimmt, und die ich in dem Augenblick am liebsten drosseln möchte. Obwohl, wenn ich es recht überlege, die Möwen und Wasserhühner waren um die Uhrzeit im Hafen auch nicht zimperlich. Das war besonders lustig, wenn ich wusste, dass um 6.30 wegen des Seewetterberichtes die Nacht zuende war.
Der Abschied von der Segelei ist mir nicht so schwer gefallen, wie ich zunächst befürchtet hatte. Das ist mir erst richtig während der einen Woche an der dänischen Küste an einem Ort, der uns vom segeln her bekannt war, klar geworden. Ohne Wehmut sah ich den am Horizont vorbeiziehenden Segelschiffen nach. Ein immer noch schöner Anblick. Doch wenn ich mich fragte: würdest du jetzt gerne an deren Stelle sein, konnte ich mir die Frage mit einem klaren “Nein” beantworten.
Stattdessen Wanderungen an herrlich unverdorbenem, durch keinen Strandkorb verunzierten Strand. Muscheln suchen, fotografieren.
Möwen und Seeschwalben dabei beobachten, wie sie in steilem Flug in die Wellen schiessen, um sich ihre Nahrung herauszuzuholen. Auch wenn hin und wieder ein kleiner Dwarslöper dabei auf der Strecke blieb *snief*
Ebenso faziniert hat mich aber auch der Besuch eines Eulentieres, dass drei Abende lang, immer zur selben Zeit, über die gleich an unserem kleinen, hyggeligen Ferienhäuschen angrenzende Wiesenfläche flog, immer nach ein einer leckeren Abendmahlzeit Ausschau haltend. Um sich dann auf einem Holzbalken direkt vor unserem Fenster niederzulassen, stets weiterspähend nach allem, was da fleucht und kreucht.
Als ich am vierten Abend vergeblich auf sie wartete, sauste plötzlich ein leibhaftiger Hase, ich schwör, es war ein richtiger Hase und kein Karnickel und dazu noch der erste meines Lebens, den ich gesehen habe, über den hauseigenen Rasen, liess sich dann malerisch nieder, um fotografiert zu werden. Danach flitze er, ebenso schnell, wieder in Richtung Wiese und ward nicht mehr gesehen.
Am nächsten Abend schickte er zwei kleinere Exemplare in Vertretung, die sich Albrecht- Dürer- like ebenfalls in Fotopose niederliessen. Wahrscheinlich hatte er ihnen eingeredet, es ging um eine Casting-Show.
Nur ein ziemlich überdrehtes Rebhuhn, das ebenfalls fast jeden Abend am Wiesenrain entlang rannte, konnte ich nicht dazubewegen, sich ablichten zu lassen. Keine Zeit, keine Zeit, schien es mit seiner Gerenne ausdrücken zu wollen. Vielleicht hatte es aber auch einfach nur Angst, auf dem Teller zu landen. Gemeinsam mit Kroketten und Preisselbeeren.
Ich habe diese Woche wirklich genossen und die Seele baumeln lassen. Ausschlafen, kein Druck wegen des Wetters und des Windes und des Weiterkommens. So schön kann also das Landleben im Sommer sein.
Natürlich wurden auch Nachrichten gesehen, immerhin gab es einen Fernseher, auf dem wir ein Programm, ausgerechnet das ZDF *würg*, empfangen konnten. Und natürlich habe ich mich aufgeregt, als diese dämliche Nachrichtentante in der Mitteilung über den Austritt von Tauss aus der SPD dazu Sätze so oder ähnlich formulierte:
Tauss begründete seinen Austritt mit der Zustimmung seiner Partei zum Gesetz gegen die Kinderpronographie. Der Politiker selbst steht unter dem Verdacht, im Besitz von Kinderpronographie gewesen zu sein.
Mein verbaler Ausbruch daraufhin hätte jedem alten Seemann zur Ehre gereicht und wird hier nicht wiederholt.
Im großen und ganzen gelang es mir aber, einfach mal abzuschalten. Mich an dem zu erfreuen, was ich um mich herum sah und erlebte. Einschließlich des St. Hans Festes mit Entenrennen, Dorfmusik und dem “berühmten” St. Hans Feuer. Davon später mehr.
Es mir gelungen, eine wenig dieser Ruhe, die ich dort empfunden habe, hierher mitzubringen und zu behalten.
Noch. Was nicht ganz einfach sein wird. Es sei denn, ich höre auf, Nachrichten zu hören, Zeitung zu lesen und mich aus dem Internet zu verabschieden.
Um nur noch auf dem Balkon Tomaten zu züchten
Aber so ruhig will ich es dann auch wieder nicht haben.
.






1, 7, 2009 um 19:46 Uhr
Hi Dauni,
wunderschön geschrieben.
Lässt mich richtig neidisch werden, und weckt die Lust auch mal Urlaub zu machen, was dank meiner Zicken nicht so ganz einfach ist.
Naja, vielleicht nächstes Jahr.
1, 7, 2009 um 22:03 Uhr
Danke
Es tat auch richtig gut, mal wieder über etwas anderes zu schreiben, als immer über die vertrackte Politik. Ich wünsche dir, dass du dir deinen Traum von einem Urlaub erfüllen kannst. Und wenn es auch nur mal für eine Woche ist. Hauptsache mal raus. Und vielleicht findet sich eine zickenfreundliche Seele, die deine beiden solange lieb betreut.
1, 7, 2009 um 23:05 Uhr
Ja, ja, ich kenne das, mein Blog sollte ursprünglich auch nicht so politiklastig sein. Aber ich habe da noch einige Projekte in Arbeit. Und die haben absolut nix mit Politik zu tun.
Pingback: Das bloggende Hannover » Blog Archiv » Rückblick Juli 2009