Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Kindesmissbrauch ist doch garnicht so schlimm

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Jedenfalls nicht so schlimm wie Abtreibung. Meint Kardinal Cañizares, der neue Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung und ehemalige Primas der katholischen Kirche in Spanien in einem Interview mit einem  spanischen Nachrichtensender.

“Was in einigen (irischen) Schulen geschehen sein mag, ist nicht zu vergleichen mit den Millionen von Leben, die durch gezielte Schwangerschaftsabbrüche zerstört wurden”,

Quellen:

Seiner Ansicht nach reicht es aus, wenn man den Kindermißbrauch verurteilt und sich dafür entschuldigt. Ach, so einfach ist das.

Hat dieser Mann eigentlich eine Ahnung, wovon er da spricht. Wie ein Kind sich fühlt, dass missbraucht wurde? Das unter den Folgen des Missbrauchs bis ins Erwachsenenalter leidet, unter psychischen Störungen, unter Minderwertigkeits- und Schuldgefühlen.

Wie es an dem “Geheimnis” fast kaputt geht, weil es sich schämt, diese Dinge “zugelassen” zu haben, obwohl es nie eine andere Wahl hatte. Sich mit Selbstmordgedanken trägt, früher oder später. Unter Depressionen leidet, Selbstvorwürfen, daran dass es sich niemandem anvertrauen kann. Und wenn es sich anvertraut, erfahren muss, dass ihm nicht geglaubt wird. Das man ihm sagt: “Ach, das kann doch gar nicht stimmen. Das bildest du dir doch nur ein.”
Das es irgendwann einmal anfängt, an seinem Verstand, an seinen eigenen Wahrnehmungen zu zweifeln, weil ja nicht sein kann, was nicht sein darf. Ein seelischer Krüppel sein lebenlang, wenn nicht ein Wunder geschieht.

Wenn dieses Subjekt von einem Kardinal nur eine geringste Ahnung hätte, würde er vielleicht sein Schandmaul halten. Aber ich fürchte mal, auch nur vielleicht.

Denn das ungeborene Leben war immer schon wichtiger als das des geborenen.

Die Leibesfrucht spricht

Für mich sorgen sie alle: Kirche, Staat, Ärzte und Richter.

Ich soll wachsen und gedeihen; ich soll neun Monate schlummern; ich soll es mir gut sein lassen – sie wünschen mir alles Gute. Sie behüten mich. Sie wachen über mich. Gnade Gott, wenn meine Eltern mir etwas antun; dann sind sie alle da. Wer mich anrührt, wird bestraft; meine Mutter fliegt ins Gefängnis, mein Vater hintennach; der Arzt, der es getan hat, muß aufhören, Arzt zu sein; die Hebamme, die geholfen hat, wird eingesperrt – ich bin eine kostbare Sache.

Für mich sorgen sie alle: Kirche, Staat, Ärzte und Richter.

Neun Monate lang.

Wenn aber diese neun Monate vorbei sind, dann muß ich sehn, wie ich weiterkomme.

Die Tuberkulose? Kein Arzt hilft mir. Nichts zu essen? keine Milch? – kein Staat hilft mir. Qual und Seelennot? Die Kirche tröstet mich, aber davon werde ich nicht satt. Und ich habe nichts zu brechen und zu beißen, und stehle ich: gleich ist ein Richter da und setzt mich fest.

Fünfzig Lebensjahre wird sich niemand um mich kümmern, niemand. Da muß ich mir selbst helfen.

Neun Monate lang bringen sie sich um, wenn mich einer umbringen will.

Sagt selbst:

Ist das nicht eine merkwürdige Fürsorge –?

Kurt Tucholsky

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2 Kommentare

  1. Ein Glück, das ich nicht katholisch bin
    Meine wertmasstäbe liegen da etwas anders, aber das ist ja nur meine Meinung

  2. Pingback: » Und für alle, die gerade ihr Brechmitte … Nachtwächter-Blah

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