Nein, ich bin nicht ausgewandert und auch nicht abgetaucht. Ich war in Berlin. Batz besuchen.
Natürlich haben wir es uns nicht nehmen lassen, am Freitag um 9.00 Uhr an der am Reichtstagsufer stattfindenden Sympathiekundgebung für Mutter Ursula teilzunehmen. Dabei wurde von mir natürlich ein Foto für’s Familienalbum geschossen.
Wurden wir zunächst nur von zwei ältlichen. dickbäuchigen Polizisten, die immer noch die nicht mehr verwendeten Uniformen aus anderen Bundesländern auftragen müssen, und Heerscharen von aus Bussen quellenden Rentnern, misstrauisch und verständnislos beäugt, gesellten sich später muntere Gesellen in Springerstiefeln Knobelbechern, feschen grünen Anzügen und keck auf dem Kopf sitzenden Baretts dazu.
Besonders fiel mir ein nassforscher junger Mann auf, der permanent hinter uns, die wir in der letzten Reihe der Aufstellung standen, hin und herging, um wohl zu kontrollieren, ob wir nicht die uns von seinen beiden vorgenannten Kollegen gezeigte Trennungslinie überschritten. Albereien unsererseits darüber, ob wohl jeder, der brav vor der Linie stand, nur als potentieller Gefährder, jeder der es wagte, diese zu überschreiten, aber bereits ein Gefährder sei, führten allerdings nur bei uns zu Heiterkeit.
Natürlich waren auch die diversen Medienvertreter mit zahlreichen Mikrofonen und Kameres anwesend, um den in ihren Augen sicherlich skurillen Kreis der Nerds abzulichten und Interviews zu führen, um dann zu Mutter Ulla zu eilen, die hinter dicken Türen klugen Sprüche absonderte. Bei uns gab es ohnehin nichts zu holen, keiner wollte Randale machen, also nix, was sich quotentechnisch ausschlachten ließ.
Nach Beendigung der Mahnwache machten sich einige auf, darunter auch der Batz und ich, zum Hintereingang des Presse und Besucherzentrums zu schlendern, in der Hoffnung, uns Ulla doch noch mit unserem Anblick anekeln zu können.
Dort hatte sich bereits die “Schutzstaffel UvL”, scheinbar unter der Leitung des besagten jungen, dynamischen Beamten, postiert, die zunächst dazu aufforderte, die Straße zu räumen, damit die Autos nicht behindert wurden, wofür alle auch Verständnis aufbrachten. Kaum das wir uns auf dem Bürgersteig gegenüber begeben hatte, rückte die grüne Front nach. Wir hätten nun auch den Bürgersteig zu verlassen.
Was einige, darunter auch ich und der Batz, dahingehend interpretierten, dass wir uns auf den hinter dem Bürgersteig liegenden Parkplatz verzogen. Schließlich wollten wir noch Ulla sehen.
Der außerordentlich charmante Anführer der Schutzstaffel machte uns daraufhin unmissverständlich klar, dass natürlich auch der Parkplatz zu verlassen sei, indem er einen Platzverweis aussprach. Auf die Frage eines jungen Mannes, wie weit der denn gelte, hieß es: “1 km im Umkreis”.
“Aber dann sind wir ja schon am Bahnhof.” stellte einer der Umstehenden fest. Lakonische Antwort des Baretträgers: “Eben”. Ich merkte, wie in mir die Wut hochschoss. Da stand dieser Arsch von einem Bullen, breitbeinig, die Arme martialisch in die Seite gestemmt, sich all seiner Macht bewusst und scheuchte uns weg. Wie lästige Scheisshausfliegen. Es fehlte nur noch die lässige Handbewegung: hinweg, Volk, auf dass die Bonzen nicht mit euren Anblick belästigt werden.
Ich wandte mich ab, der Batz war bereits ein Stück voraus, auch die übrigen, verbliebenen Teilnehmer traten den geordneten Rückzug an.
Was geblieben ist bei mir, ist die Wut im Bauch und ein noch größeres Verständnis für Demonstranten, die sich von dem Auftreten der Staatsmacht, das hier ja nur im Ansatz gezeigt wurde, provoziert fühlen und entsprechend reagieren.
Ich hatte auch das Bedürfnis, diesem Typen was aufs Maul hauen zu müssen. Dabei gehöre ich nicht einmal zum schwarzen Block.
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21, 4, 2009 um 0:09 Uhr
hihi, dann standen wir wohl nur 2-3 meter auseinander…
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21, 4, 2009 um 1:17 Uhr
Sie hatten tatsächlich die Frechheit, Politiker mit dem Anblick hergelaufendes Volk zu belästigen? Das kann man doch nicht machen, Politiker müssen doch vorher gebrieft werden, wie der Plebs zu behandeln ist, obwohl, bei Frau von der Leyden würde auch das nix mehr nützen würde.
21, 4, 2009 um 9:29 Uhr
Tja, das Recht auf Demonstrationen gilt solange bis es jemand ernsthaft einfordert.
23, 4, 2009 um 18:00 Uhr
@ben gunn: ich stelle noch einige Bilder bei Flickr ein. Vielleicht habe ich dich ja fotografiert
Ui, alles Beweismittel…..
@Ralf: Was müssen die werden, gebrieft? Ich wüßte einiges, was ich gerne mit Politikern machen würde. Briefen gehört definitiv nicht dazu.
@Besitzstandswahrer: So ähnlich habe ich das am Freitag dem smarten Bullen auch gesagt. Der hat nicht mal gerafft, wie ich das gemeint habe und fühlte sich mit seiner Ansicht über den Platzverweis auch noch bestätigt.
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