Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Tanz um’s Goldene Kalb

| 2 Kommentare

. Das ist doch das, wovon mir meine Eltern immer in anschaulichen Bildern erzählt haben. Das, worüber ich irgendwann als junger Mensch nichts mehr hören wollte. Immer diese alte Leier. .Das ist doch lange vorbei, dass ist Schnee von gestern. Doch nicht mehr bei uns – in unserer BRD.

Wie sicher haben sich alle gefühlt und gemütlich eingerichtet in diesem Land. Wohlstand, Wohlstand über alles. Konsum auf Deubel komm’ raus. Was zu Anfang, nach dem Krieg noch verständlich war, weil die Menschen wieder Grund unter den Füßen haben wollten, artete, nach Erreichen der Bedarfsdeckung in den fünfzigern, seit den sechziger Jahren völlig aus.

Jetzt kommt das Wirtschaftswunder, jetzt kommt das Wirtschaftswunder, der deutsche Bauch erholt sich auch und ist schon sehr viel runder…

Heute ist die Perversion ist vollkommen. Schon den Kleinsten wird in den Werbeinblendungen während der Kindersendungen, die ja so süß und niedlich sind, klar gemacht, dass sie nur etwas wert sind, wenn sie diese oder jene Marke essen, trinken, anziehen. Ohne Marke bist du nichts, ein niemand. Kinder wollen, noch mehr als Erwachsene, dazugehören, und genau da setzt die perfide Werbung ein. So werden unser Kleinen groß, geeicht auf Produktnamen, die bei ihnen sofort den Pawlowschen Reflex auslösen. Haben, haben, dazugehören.

Zu der Gruppe der unkritischen Konsumenten. Persönlichkeitsbildung, wie Bildung überhaupt, ist unwichtig. Hauptsache, du trägst die richtigen Klamotten. Siehst die richtigen Programme, kannst mitreden. Und so werden sie erwachsen, und können nichts anderes, als konsumieren. Nie etwas anderes gelernt. Dumm gemacht zum Wohle der Wirtschaft. Kauft, Leute kauft. Gebt euren Verstand mit dem Geld an der Kasse ab.Ein ganzes Volk abgerichtet. Wer nicht mithalten kann, fällt hinten runter, ist der Looser. Zählt nicht in dieser Gesellschaft. Heute wie damals.

Nichts anderes gelernt in all’ den Jahren. Der Rubel muss rollen. Geld regiert die Welt.

Da ist es nur gut, dass endlich ein echter Revoluzzer aufsteht und den Leuten klar macht, dass es so nicht weitergehen kann.

Bundespräsident Horst Köhler hat die Verbraucher dazu aufgefordert, angesichts der Wirtschaftskrise die eigenen Konsumgewohnheiten zu überdenken. In der ‘Passauer Neuen Presse’ sprach sich Köhler für eine ‘neue, ökologische industrielle Revolution’ aus. Ein quantitatives ‘Immer mehr’ bringe den Menschen kein dauerhaftes Glück. Was die Gesellschaft brauche, sei ein qualitatives Wachstum

Quelle: DW

Welche Worte nimmt der Mann denn in den Mund? Revolution? Nicht genug, dass Merkel und Steinbrück wichtige Zweige der Wirtschaft verstaatlichen und wir schon das Schreckgespenst eines sozialistische Staates wie in der ehemaligen SBZ an Horizont auftauchen sehen. Nein, jetzt spricht unser wichtigster Mann im Staat auch noch von Revolution in Form von Konsumverzicht. Wenn das kein Aufruf zu einem Anschlag auf die gesamte Volkswirtschaft, mehr noch, auf unseren Staat ist, will ich Horst heißen. Der sollte gut darauf achten, welche Worte er benutzt.

Andere Leute sind schon für die Verwendung eines Begriffs wie Gentrification in den Knast gekommen.

.

Verwandte Artikel

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: