Es gab Zeiten, da glaubte niemand daran, dass ein Zugschaffner nur die leiseste Ahnung davon haben müsste, wie er mit Kunden umzugehen hat. Der Beamte steckte in einer Uniform, war quasi Kleidungsstück also schon eine Respektsperson, die den lästigen Reisenden mit muffliger Miene aufforderte, seine Fahrkarte vorzuzeigen, um diese, immer noch missmutig, zu entwerten. Innerlich legten die meisten Fahrgäste brav die Hacken zusammen ob dieses Gehabes und waren froh, wenn sich die Abteiltür ohne größere Unfreundlichkeiten seitens des Uniformierten wieder schloss. Schließlich fuhren die Züge pünktlich, jedenfalls die meiste Zeit. Mehr erwartete man nicht.
Gottseidank ist heute alles anders. Aus der verstaubten Bundesbahn wurde das freundliche Unternehmen Deutsche Bahn, repräsentiert von seinem allseits beliebten Sympathieträger, Hartmut Mehdorn. Aus Zugschaffner wurden Zugbegleiter, und aus den Uniformen legere, hässliche einheitliche Berufsbekleidung. Züge kommen, wann immer es ihnen beliebt. Dafür sind die Zugbegleiter auf Kundenservice geschult. Ich warte bein einer Reise nach Berlin immer gerne auf den Augenblick, in dem es heißt: “Guten Tag, mein Name ist Heinz Kleinhückelskotten. Wo darf ich bei Ihnen entwerten?”
Und wenn dann doch hin und wieder mal ein kleines Missgeschick passiert, und ein pflichtbewusster Regionalzugschaffner eine Fahrgästin, die versehentlich ihre Karte nicht auf dem Bahnsteig abgestempelt hat, weil der o.g. Sevice nur für Züge der gehobenen Klasse zu gelten scheint, aus dem Zug komplimentiert, damit sie selbiges nachholt, sie aber keine Automaten findet, der funktioniert, und der Zug inzwischen mit den Gören einfach weiterfährt, tja, dann hat sich der Herr Kontrolleur doch sehr kulant gezeigt.
Schließlich hätte er die Frau auch als potentielle Schwarzfahrerin einstufen und ihr 40,00 Euro Bußgeld abknöpfen können.
Nun sag noch mal einer, die Bahn sei nicht kundenfreundlich.
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