Pingu im Weltall
posted in Seemannsgarn |Wer kennt nicht die Redensart: jemandem ein Ei ins Nest legen. Mir hat der Batz nicht nur ein Ei ins Nest gelegt, sondern gleich einen Riesenpinguin dazu.
Ursprünglich ausgebrütet wurde er vom Kiwispotter, der sich, wie einst Dr. Frankenstein, zu einem Experiment hinreißen ließ. Er glaubte der Werbung, die ihm versprach, aus diesem hässlichen kleinen Pingu einen hässlichen großen Pingu zu machen, wenn er ihn nur oft genug ins Wasser stellt. Um bis zu 600 % sollte er wachsen. Das Experiment gelang nicht nur, sondern das Wachstumssoll wurde sogar übererfüllt, was zu großen Problemen führte, weil sich Schurken aus Militär und Wirtschaft, was so ziemlich die selbe Wichse ist, plötzlich für Pingu interessierten. Sie schreckten nicht vor den übelsten Mitteln zurück, um seiner Herr zu werden, und nur durch einen Wink des Himmels konnte Pingu seiner Gefangennahme entrinnen. Und landete im Ozean.
Gerade der richtige Ort für einen Pinguin, der wächst, wenn er mit Wasser in Berührung kommt, dachte er. Er blinzelte auf das Runde zu seinen Füßen. Es war überwiegend blau, mit merkwürdiger Maserung. Hm, grübelte Pingu, irgendwie kommt das Teil mir merkwürdig bekannt vor, wusste aber nicht, woher.
Allerdings, das muss an dieser Stelle erwähnt werden, sind Pinguine recht einfältige Gesellen. Und so glaubte Pingu schon bald, dass das, was er sah, tatsächlich ein Ei sei. Im Prinzip sind eierlegende männliche Pinguine genauso häufig sind wie eierlegende Wolfsmilchsäue. Aber soweit denkt ein Pinguin nicht, schon garnicht, wenn der Bruttrieb bereits Gewalt über ihn erlangt hat.
Ich muss das Ei wärmen, ich muss mein Ei wärmen, war der einzige Gedanke, den er noch fassen konnte. Ich muss es auf meine Füße bekommen, unter mein Gefieder….. Väterliche Gefühle hatten sich seiner bemächtigt.
Es kam, wie es kommen musste: Bei dem Versuch, den Erdball in seine Brutposition zu bringen, zog er sich selbst den Boden unter den Füßen weg. Er rutschte an Asien vorbei, konnte gerade noch einen letzten Blick auf Neuseeland werfen, dachte in einem Bruchteil von Sekunden an Thomas und Katja, um dann in die Erdumlaufbahn einzutauchen.
Zunächst schlug er vor Schreck wild mit seinen Stummelflügeln, merkte aber sehr bald, dass er schwerelos dahin glitt. Wie ein Raumschiff begann er, seine Bahnen zu ziehen. Vorbei an der ISS, deren Besatzung sich vor Staunen die Nasen an den Fenstern platt drückte, und nicht glauben wollten, was sie dort sahen: einen riesigen Pinguin. Vorbei an einer Werkzeugtasche, die die einsam und stumm druddeln ihre Runden zog und seinen Gruß nicht erwiderte..
Wie schön mein Ei doch aussieht, dachte Pingu, als er einen Blick auf die Erde riskierte. Schade, dass ich es nicht ausbrüten kann. Es wäre sicherlich ein wunderschönes Pingubaby herausgekommen. Er seufzte. Tränen füllten sein Augen, rannen am Schnabelansatz entlang bis zum Ende des Schnabels, fielen in das dunkle Weit des Weltalls, um darin zu verschwinden.
Ganz langsam entfernte sich auch Pingu immer weiter von der Erde. Vorbei an den Planeten, die zu unserer Erde gehören, führte sein Weg in das Dunkel der Unendlichkeit. Und wenn man an sternklaren Abenden nach oben zum Firmament blickt, kann man ein neues Sternbild am Himmel erkennen: das des großen Pinguins.
In Neuseeland, so geht die Legende, wird dieses Sternenbild bereits als Gottheit verehrt. Seitdem soll der Handel mit Pinguinen, die bei Berührung mit Wasser um mehr als 600 % wachsen, sprunghaft angestiegen sein.
Schon merkwürdig, auf welche Idee Menschen kommen.
So, und nun hoffe ich, dass der Freischwimmer unseren Gott Pingu ebenso anbeten wird und überanworte ihm seine Seele zur weiteren Bearbeitung.
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