Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

„De omnibus dubitandum“ (lat.: An allem ist zu zweifeln)

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Ich glaubte zunächst, nicht meinen Ohren zu trauen, als ich heute morgen die frohe Botschaft vernahm:

Der heilige Josef, Lichtgestalt der Bankenwelt,

verzichtet in diesem Jahr auf einen Großteil seines Gehaltes; auf den Teil, der vom Erfolg der Bank abhängt. Die Bank werde außerdem kein Geld aus dem Rettungsfonds des Staates in Anspruch nehmen, sagte nach Informationen von Spiegel Online auf einer Führungskräftetagung. „Ich habe dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank mitgeteilt, dass ich in diesem schwierigen Jahr auf meinen Bonus verzichte – zugunsten verdienter Mitarbeiter, die das Geld nötiger haben als ich“, sagte der Zeitung Bild am Sonntag.

Die übrigen drei Vorstandsmitglieder der Bank hätten sich dem Schritt angeschlossen. Auch die Mitglieder des Aufsichtsrats verzichteten auf den variablen Vergütungsanteil, hieß es am Donnerstag aus der Deutschen Bank. Auf wie viel Geld Ackermann verzichtet, lässt sich nicht sagen, da das Geschäftsjahr noch nicht zu Ende ist und damit der Gewinn der Bank noch nicht feststeht. Im vergangenen Jahr hatte der Vorstand der Deutschen Bank insgesamt 33,2 Millionen Euro erhalten. Lediglich 4,3 Millionen Euro davon waren erfolgsunabhängig. Allerdings macht die Deutsche Bank in diesem Jahr voraussichtlich weniger Gewinn.
Quelle

Mir drängt sich doch gleich das Gleichnis vom barmherzigen Samariter auf:

Ein Mann auf dem Weg von Jerusalem hinab nach Jericho geriet unter die Räuber, die ihn ausplünderten und schwerverletzt liegen ließen. Ein vorüberkommender Priester sah ihn und ging weiter, ebenso ignorierte ihn ein Levit. Schließlich sah ihn ein Samaritaner, erbarmte sich, versorgte seine Wunden und transportierte ihn auf seinem Reittier zur Herberge, wo er den Wirt am folgenden Morgen bezahlte und mit der weiteren Pflege beauftragte, verbunden mit der Zusage seiner Wiederkehr und der Erstattung weiterer Kosten.

Ist das nicht ergreifend? Da macht es auch nichts, dass in unserem Stück der Räuber identisch mit dem Samariter ist. Allein der gute Wille zählt.

Hoffentlich weiß Frau Ackermann schon von den gravierenden Entscheidungen ihres Mannes. Schließlich muss die Arme mit dem knappen Haushaltsgeld sparsam wirtschaften. Tja, da wird in diesem Jahr zu Weihnachten wohl der Kaviar gestrichen werden. Macht nix, bei gibt es preiswerte Angebot. Da bleibt das Geld wenigstens in der Familie der Superreichen. Ackermanns haben es dann zwar nicht mehr, sondern die - Brüder. Aber das kennt der Josef aus seinem täglichen Geschäft.

Schön auch, dass er endlich erkennt, dass es vielleicht noch Mitarbeiter in seiner Bank gibt, die das Geld verdient haben könnten. Einsicht ist der erste Weg zur Besserung. Oder sind es einfach Schweigegelder? Vielleicht kommt sonst noch die eine oder andere Sauerei ans Tageslicht. Oh , oh, böse Gedanken, böse Gedanken.

Was soll ich machen? Mein zweiter Vorname ist Skepsis.

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3 Kommentare

  1. “zugunsten verdienter Mitarbeiter”

    Damit sind dann wohl die Mitarbeiter gemeint, die der IKB rechtzeitig die Schrottpapiere der Deutschen Bank angedreht haben, was dann der Steuerzahler mit lockeren 10 Mrd. bezahlen durfte.

    Lieber Herr Ackermann, Ihr Bonus sollte nicht an Ihre Mitarbeiter gehen, sondern an die Staatskasse!

    Aber das ist wohl zuviel verlangt.

  2. Beim tanzen auf der Schneide der Rasierklinge ist er ein Meister.

  3. @Ralf: Ein solches setzt doch Charakter und Anstand voraus. Und beides geht Menschen wie diesen Bankern ab.
    @Stockfisch: Manchmal versuche ich mich damit zu trösten, dass es solche Typen auch mal erwischt. Siehe Zumwinkel….

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