Stellung suchen Tag für Tag,
aber keine kriegen.
Wer kein Obdach hat, der mag
auf der Straße liegen.
Sauf doch Wasser für den Durst!
Spuck aufs Brot – dann hast du Wurst!
Und der Wind pfeift durch die Hose –
Arbeitslose. Arbeitslose.
Schaffen wollen – und nur sehn,
wie Betriebe schließen.
Zähneknirschend müßig gehn …
Bleib du nicht am Reichstag stehn –!
Geßler läßt was schießen.
Zahl den Fürsten Müßiggang;
Friere nachts auf deiner Bank.
Polizeiarzt. Diagnose:
Arbeitslose. Arbeitslose
Wart nur ab.
Es kommt die Zeit
darfst dich wieder quälen.
Laß dir von Gerissenheit
nur nichts vorerzählen:
Klagen hilft nicht,
plagen hilft nicht,
winden nicht und schinden nicht.
Dies, Prolet, ist deine Pflicht:
Hau sie, dass die Lappen fliegen!
Hau sie bis zum Unterliegen!
Bleib dir treu. Die Klasse hält
einig gegen eine Welt.Auf dem Schiff der neuen Zeit,
auf dem Schiff der Zukunft seid
ihr Soldaten! Ihr Matrosen!
Ihr – die grauen Arbeitslosen!Theobald Tiger
Die Weltbühne, 09.03.1926
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22, 8, 2008 um 20:19 Uhr
Kurt Tucholsky ist und bleibt einer der besten , öhm, Schreiber, die je auf dieser unserer Erde wandelten. Ich freue mich immer wieder darüber, wie aktuell die Dinge sind, die er gesagt/geschrieben/getan hat…
23, 8, 2008 um 21:45 Uhr
Ich verstehe was du meinst. Mich erschreckt allerdings die Aktualität seiner Texte immer wieder.