Habe gerade aus der Rubrik “Vor einem Jahr” meinen Beitrag aus Bagenkop gelesen. Immerhin waren wir da schon in Bagenkop am 16.06. Auch wenn es dort Dogs und Cats geregnet hat. Immerhin hatten wir vorher einen schönen Segeltörn mit drei kleinen niedlichen Windstärken.
Davon konnten wir bei unserem Segelversuch in der letzten Woche nur träumen. Entweder es gab überhaupt keinen Wind, sodass wir motoren mussten. Abgesehen von den Dieselpreisen zur Zeit ist das sowieso ein Gräuel für jeden Segler. Das blöde ist ja meist, dass der Wind, wenn ma den Hafen verlässt, oft zum segeln ausreicht und dann plötzlich aufhört zu wehen. So, als hätte jemand den Schalter umgelegt. Licht aus. Zack.
Und dann stehste da, dümpelst vor dich hin und siehst meilenweit nix als Wasser. Der nächste Hafen etliche Seemeilen entfernt. Natürlich kann man warten. Aber länger als eine halbe Stunde hält man es kaum aus, wenn die Segel schlagen und das Schiff unangenehm schwankt. Schöner ist nur noch, den Finger in den Hals zu stecken.
Also schmeißt man notgedrungen den Jockel an und tuckert los. 34 sm. Von Travemünde nach Heiligenhafen. Von dort aus wollten wir ja nach Bagenkop. Und von dort aus in die dänische Südsee, und dann weiter in den kleinen Belt und und und….
Dafür, dass wir am fraglichen Montag überhaupt keinen Wind hatten, wurden wir dann in Heiligenhafen in den nächsten Tagen reichlich entschädigt. Bei strahlendem Sonnenschein pfiff es mit 6-7 Windstärken. Selbst wenn der Wind aus der richtigen Richtung kommt, muss ich nicht raus aus See. Es sind die Wellen, die einem dort das Leben schwer machen. Zumal, wenn man wie wir, noch keine modernen neumodischen Tüddelkram wie Rollfock und selbstholende Winschen an Bord hat. Und ich immer noch, auf dem Bauch/allen vieren rutschend/krabbelnd nach vorne muss, um die Fock und das Großsegel zu bergen. Nee, dass muss ich nicht mehr haben. Und Anlegemanöver zu zweit bei solchem Wind sind auch nicht die reine Sahne.
Heiligenhafen war aber trotzdem sehr schön. Hatte das Gefühl, ich habe wirklich Urlaub. Nur der Skipper war etwas unzufrieden. Seglermänner wollen segeln, koste was es wolle. Alles andere ist Kaffesegeln. Diese Diskussion führt hin und wieder zu kleinen Turbulenzen an Bord.
Es gibt Augenblicke, da hasse ich den Seewetterbericht. Von morgens früh um viertel vor acht bis abends um neun höre ich nichts anderes, als dass jeden Menge Tiefs, Sturmtiefs und Tröge wandern, nachfolgen oder festliegen. Und das nicht, wie noch vor einigen Jahren, mal für zwei, drei Tage, und dann war wieder mal eine Woche Ruhe.
Nee, heute ist es genau anders herum. Diese Mistviecher treiben sich eine Woche umher, und hin und wieder lassen sie mal ein Loch, in dem man weiter kommt. Und wenn man Pech hat, ist es ein Flautenloch. Oder, wie am Sonntag, als wir nach Neustadt zurückgefahren sind, ein Wechsel von starken Böen, die einem in die Segel knallten und völlig glattem Wasser ohne Wind. Total bescheuerte Wettersituation. Ich liebe Schauer- und Gewitterboen auf See, finde ich wirklich toll. Noch lieber mag ich Spinnen.
Nun denn. Jetzt kurieren wir erst einmal die lädierten Bandscheiben, die der Meinung sind, sie müssten sich bei alledem auch noch zu Wort melden, aus. Der Augenarzt hat heute auch schon ein gutes Werk getan und eine Zyste auf meinen Auge aufgestochen. Hört sich schlimmer an, als es ist. Aber schon merkwürdig, watte so alles kriegen kannst.
Jetzt muss sich der Skipper nur noch seine beginnende Gürtelrose, die sich pünktlich zum Jahrestag wieder in Erinnerung bringt, morgen bei seinem Doc vorführen und dann sehen wir weiter.
Stimme aus dem Off: hör auf zu greinen.
Recht so. Und dann war da noch die Geschichte mit der Entdeckung einer neuen Möwenart.
Dwarslöper:
Guck mal, das ist was im Wasser. Den Vogel kenne ich überhaupt nicht.
Skipper: Das ist eine Möwe.
Dwarslöper: Nee, das ist keine Möwe. Möwen sehen anders aus.
Skipper: Doch, das ist eine Möwe. Von hinten.
Dwarslöper, verlegen: Ach, dann ist das eine Schwanzkopfmöwe.
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17, 6, 2008 um 23:17 Uhr
Das tut mir für euch leid. Den Urlaub wegen schlechten Wetter abzubrechen ist hart.
Habt ihr nicht wenigstens die Fallen nicht ins Cockpit umgelengt?
20, 6, 2008 um 15:55 Uhr
Ja, die Fallen sind ins Cockpit umgelenkt. Aber das Segelbergen gestaltet sich bei Schietwetter und hohen Wellen eben doch schwierig. Und manchmal bin es einfach leid. Ich hoffe, dass gibt sich wieder.