Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Murphys Gesetze

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Filzo hatte neulich in einem Kommentar zum Abenteuer der geschrieben, er wolle vor dem nächsten Urlaub checken, ob ein gewisser Murphy mitreise. Ich glaube, er muss keine Angst haben. Herr Murphy hat sein Herz im Augenblick wohl an uns verloren.

Er sitzt mittlerweile nicht mehr auf der Mona Lisa, sondern hat sich auf unserer “” breit gemacht. Als wir das Schiff am Mittwoch betraten und den Niedergang hinuntergingen, gluckste es geheimnisvoll. Es war ein Glucksen der Art: hallo, hier schwappt gleich was über.

An und für sich ist nicht ungewöhnlich, Wasser schwappen zu hören, wenn man im selbigen mit einem Kahn liegt. Doch irgendetwas machte uns argwöhnisch. “Hast du das gehört?” fragten wir einander fast gleichzeitig.

Dann gluckste es wieder. Der Skipper betrat das Vorschiff, in dem sich unter unserer Koje das der Geber des Sumlogs, so eine Art Kilometerzähler, befindet, dass gerade neu eingebaut worden war. Das alte hatte seinen Geist aufgegeben. Konnte ja möglich sein, dass die Monteure was nicht richtig gemacht hatten und eine Undichtigkeit vorhanden war. Kurzer Kontrollgriff. Nee, alles trocken, alles dicht.

“He, hier steht Wasser. Wenig zwar, aber es ist Wasser.” teilte ich im nächsten Moment dem Skipper mit. Ich stand im Sanitärbereich, der vor der Koje liegt und aus einem kleinem Raum mit Toilette und Waschbecken besteht und den übrigen Lebensraum vom Schlafbereich trennt. Mein Blick hatte durch das dort am Boden liegende Holzrost eine Wasserlache entdeckt.

In den “Wohnbereich” gehen und die Bodenplatten, die die Bilge abdecken, hochnehmen, war eins Und dann sahen wir die Bescherung: die Bilge war proppenvoll. Wären wir eine Woche später gekommen, wie ursprünglich geplant, hätten wir bereits ein kleines Fußbad nehmen können, wenn nicht noch mehr. Klappe und Action: Als erstes wurde gelenzt, das heißt, das Wasser mittels einer Pumpe nach draußen befördert.

Dann kontrolliert, ob immer noch Wasser nachläuft. Was es tat. Nächste Maßnahme: Ursache finden und beseitigen. Wir gingen auf die Suche, klapperten die Seeventile ab. Beim zweiten, dem unter dem Waschbecken in einem Schrank im Sanitärbereich, wurden wir fündig. Ein stetiges Rinnsal floss an der Seitenwand entlang, um sich seinen Wege durch die Abläufe unter den Bodenplatten in die Bilge zu suchen.

Kurzentschlossen drehte der Skipper den Hahn des Seeventils zu, um dem Einhalt zu gebieten. Ein kurzer Dreh, und schon schoss ein dicker Wasserstrahl mittenmang in den Schrank, blubberte fröhlich drauflos, als hätte er darauf gewartet, sich endlich richtig entfalten zu können. In der Hand des Skippers lag der Teil des Ventils, der eigentlich dafür sorgen sollte, dass so etwas nicht passiert. Abgebrochen. Schiete hoch drei.

“Schnell. Zustopfen. Wie auch immer”. erscholl des Skippers Stimme, der vergebens versuchte, mit seiner Hand das Eindringen des Wasserschwalls zu verhindern. Ich griff zur Küchenpapierrolle, riss einen nicht unerheblichen Teil davon ab, und stopfte den Haushaltshelfer in das offene Rohr. Wasser aus. Besser gesagt: fast aus. Es dröppelte nur noch ein wenig.

“So ein Mist.” fluchte ich. “Erst sitzen wir auf einer Sandbank und nun läuft uns Wasser ins Schiff. Langsam habe ich die Schnauze aber voll von Wasser und allem, was damit zusammenhängt.”

Alles ärgern nützte nichts. Taten mussten folgen. Will sagen: das Schiff wieder an Land gehievt werden. Der Skipper informierte die Werft, wir tuckerten mit langsamer Fahrt zum Travellift, und dann lag sie wieder hoch und trocken auf dem Bock, die alte Hexe.

Das war Mittwoch. Donnerstag morgen wechselte ein Monteur innerhalb einer Stunde das defekte Ventil aus. Die Werftleute hatten sich breitschlagen lassen und uns als Notfall betrachtet. Eigentlich wollten sie die Reparatur erst in der kommenden Woche ausführen. Mangels Personal. Das Mastsetzen hätten wir vergessen und unverrichteter Dinge wieder nach Hause düsen können.

Gegen halb zwei am Donnerstag schwamm die Hexe wieder im Teich. Mensch, murmelte ich. Da haste uns ja einen schönen Schrecken eingejagt, Mädel. So beleidigt wegen unseres Ausfluges auf der Mona Lisa musste ja nun auch nicht reagieren. Sauer, ja. Aber gleich Wasser lassen. Nöööö.

Gleichzeitig schickte ich wieder eine Stoßgebet an Rasmus, verbunden mit dem Dank, dass uns dieses Malheur nicht auf See erwischt hat. Den Gedanken mag ich gar nicht zu Ende bringen. Erst im letzten Jahr ist vor Kühlungsborn ein Segelschiff bei ruhigem Wetter abgesoffen. Die beiden Männer an Bord konnten sich gerade noch in die Rettungsinsel in Sicherheit bringen, und dann war der Kahn weg. Ursache: ein defektes Seeventil.

Da fragt man sich: wie kann das passieren. Materialermüdung? Meine Antwort: eigene Schuld. Vernachlässigung der Kontrolle der Seeventile. Das Wasser sickerte sicherlich nicht erst seit letzter Woche ins Schiff. Mit der Zeit schleichen sich eben schlechte Gewohnheiten. Gefährliche Gewohnheiten und Nachlässigkeiten. Obwohl wir es besser wissen sollten.

Der Mast ist nun gesetzt. Natürlich musste ich nach oben, wie kann es auch anders sein. Nicht ganz bis zum Masttop, nur bis unter die Saling. Es fehlte ein Tampen für den Spibaum, der angebracht werden wollte. Aber wenn weiter nichts ist, bin ich ja schon dankbar.

Die nächsten 3 Wochen will ich auf jeden Fall von allem, was mit Wasser zu tun hat nichts hören und nichts sehen. Außer wenn ich es für den Tee oder zum Duschen benötige.

Und dann werden wir weitersehen. Vielleicht hat Herr Murphy ja ein Einsehen mit uns und begibt sich in den wohl verdienten Sommerurlaub. So richtig entspannt werde ich wohl in diesem Jahr beim nicht sein.
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3 Kommentare

  1. umso schöner wird es dann letzten endes hoffentlich!

    ich wünsche direuch das zumindest…nag nag

  2. Aus solchen wenn auch sehr unerfreulichen aber meist glimpflich abgelaufenen Pannen geht man dann meist mit etwas mehr Vorsicht/Sorgfalt heraus, so dass die ganze Sache auch was Gutes hat.
    Vielleicht solltest du mal zum Exorzisten, damit der dich von Murphy befreien kann ;)
    Ich wünsche euch natürlich auch, dass in Zukunft alles glatt geht.

  3. @pulmoll: Ich hoffe, auch das dieser Sommer besser wird und die Pannenserie ein Ende hat. Danke für deine Wünsche :-)
    @filzo: Vielleicht braucht man hin und wieder mal einen Nasenstüber. Murphy wird mit Rum abgefüllt und dann auf einer einsamen Insel ausgesetzt. Offtopic: ich hoffe, wir sehen uns am Sonntag :-D

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