Hin und wieder muss hier auch einmal über ganz profane Dinge berichtet werden. Heute war ich wieder im Hampelstudio. Nur widerwillig hatte ich mich aufgerafft, den kleinen Schweinehund erst gar nicht zu Worte kommen lassen, meine Tasche gepackt und war aus dem Haus gestürmt. Nicht, weil ich mich dem Wetter anpassen wollte, sondern eher um zu vermeiden, es mir anders zu überlegen.
Nun war ich also im Studio, hatte mich umgezogen und das Marter Fitnesgerät bestiegen. Eines dieser Dinger mit den großen Fußrasten, die aussehen wie die Zauberpantoffeln vom kleinen Muck. Der brauchte sich damit ja nur dreimal um die eigene Achse zu drehen und husch, erhob er sich in die Lüfte und flog von dannen.
Ich hingegen jumpte mir auf dem Crosstrainer fast ‘nen Wolf, als mein Blick auf einen Mann fiel.
Er saß in einem Gerät, mit dem die Beinmuskulatur getrimmt werden soll. Allerdings bewegte er sich nicht, sondern saß nur da, die Hände und Unterarme lässig über den Teil des Apparates gelegt, mit dem eigentlich die Oberschenkel fixiert werden, damit die Unterschenkel das Gewicht stemmen können. Sein Blick war verträumt, geradezu versonnen. Er lächelte. Und bohrte in der Nase. Ausgiebig, forschend. Der Finger verschwand immer tiefer in der Höhle des Gesichtserkers.
Bislang hatte ich nur Autofahrer, an Ampeln zwangsweise haltend, popeln sehen. Auf eine ebensolche Art, völlig weggetreten, sich völlig unbeobachtet fühlend. Seltsamerweise waren es immer Männer.
Frauen beschäftigen sich in solchen Situation mit dem Spiegel, prüfen ihre Frisur, stochern restliches Frühstück aus den makellosen Zähnen oder frischen ihr Make-Up auf, um auf dem Radarbild gut auszusehen.
Fasziniert schaute ich dem Mann zu. Er saß mir direkt gegenüber. Selbst wenn ich gewollt hätte, es war unmöglich, meine Augen vom ihm zu wenden. Er bohrte, wendete den Finger in der Nase hin und her, vor und zurück und zog ihn dann langsam zurück.
Ich senkte meinen Kopf und schlug die Lider nieder. Nein, das, was da zu Tage gefördert wurde, wollte ich nicht sehen. Angestrengt starrte ich auf die Instrumente auf dem Trainingsgerät. Toll. Ich hatte schon 37,5 Kalorien verbrannt.
Doch gleichzeitig fragte ich mich: was wird er tun? Hat er ein Taschentuch zur Hand, um diskret seinen Bohrinstrument darin zu säubern. Wird er etwa so dreist sein, das Sportgerät zu benutzen? Verstohlen lugte ich unter meinen Augendeckeln hervor und sah, was er tat: er schnippte. Und lächelte dabei, völlig verklärt. Sein Finger näherte sich wiederum seiner Nase, um darin zu verschwinden.
So wie er da saß, hatte ich den Eindruck, es handelte sich um einen erotischen Akt, seine Augen nahmen einen immer ekstatischeren Ausdruck an. Plötzlich war es vorbei, er nahm abrupt abrupt Finger heraus, schnippte noch einmal kurz in die Luft, besann sich darauf , wozu er eigentlich auf dem Gerät saß und begann, seine Beine hektisch zu bewegen.
Einen kurzen Augenblick war ich versucht, ihn zu fragen: “Na, wohl kein Auto, wa?”
.


11, 3, 2008 um 20:52 Uhr
Au weia…
Ich hatte so ein Erlebnis früher ™ einmal mit meinem Kunstlehrer. Der schnippte aber nicht, sondern er naschte. Das Bild, das ich zu dem Zeitpunkt malte, viel dementsprechend grün aus.
Frauen sehe ich immer nur singend an der roten Ampel. Im Sommer bei offenen Fenstern ist das allerdings nur halb so lustig.
11, 3, 2008 um 22:38 Uhr
sollte mukophagie etwa gar eine geschlechtskrankheit sein?
12, 3, 2008 um 15:03 Uhr
@ecki: ich bin nur froh, dass das Gerät, auf dem er saß, nicht auf meinem Traningsplan steht.
@pulmoll: musste erst einmal googlen, was das ist. Klingt nicht wirklich lecker. *würg* Aber welche Geschlechtskrankheit ist das schon?
13, 3, 2008 um 8:40 Uhr
Suchen Sie etwas Bestimmtes?
13, 3, 2008 um 13:33 Uhr
@Kurt Tucholsky: Wieso, bin ich schon drin?
14, 3, 2008 um 12:05 Uhr
Vielleicht wurde ihm von seinem Arzt eine neue Art des Zeigefingermuskulaturtrainings verordnet, und die abgeernteten Früchte seines Bemühens dienen nur zur Ausgleich des Kohlenhydrathaushalts?