Wombat-Day
posted in Privatleben, Seemannsgarn |Manniac, der zur Zeit in Tasmanien unterwegs ist, hat wieder einen lesenswerten Reisebericht geschrieben. Unter anderem erzählt er von seinen Begegnungen mit kleinen und großen Kängurus sowie Wombats.
Der einzige WomBatz, den ich je zu Gesicht bekommen habe, wohnt in Berlin und hat heute ebenfalls einen Beitrag über diese lustigen Gesellen in sein Blog gestellt.
Da kann ich leider nicht mithalten. Bei mir hat sich noch keines dieser Tiere sehen lassen. Allerdings hatte ich vor einigen Tagen ein Treffen besonderer Art. Aber das ist eine etwas längere Geschichte.
Sie beginnt damit, dass mein Skipper vor fast einem Jahr den Wunsch nach einem Vogelhäuschen äußerte. Nachdem sich meine Begeisterung dafür in Grenzen gehalten hatte, wurde darüber nicht mehr gesprochen.
Bis vor drei Monaten. Was soll ich lange herumreden: wir nennen nun so einen Holzkasten unser eigen. Und wer füttert die Viecher? Dreimal dürft ihr raten. Dabei wollte ich doch immer lieber zum Taubenvergiften in den Park gehen.
Mittlerweile tummelt sich die halbe Vogelwelt Hannovers auf unserem Balkon. Meisen, Amseln und hin und wieder auch ein Ringeltauben-Pärchen. Diesem mache ich allerdings unmissverständlich klar, was ich vom ihrem Besuch halte. Beleidigt machen die beiden sich dann stets auf und davon. Besser is.
Vor drei Tagen nun huschte, als ich morgens zur Raubtierfütterung auf den Balkon trat, etwas über den Steinfußboden. Erst glaubte ich, ein Windstoß habe ein altes Blatt herumgewirbelt. Aber dann bemerkte ich zwei Knopfaugen, einen langen Schwanz und vier flinke Beine an dem Blatt. Es flitze in eine Ecke, setzte sich auf die Hinterbeine und blickte mich an.
Verdutzt rieb ich mir über die Augen. Das Blatt hatte sich derweil in eine andere Position gebracht und begann, an einem aus dem Vogelhaus gefallenen Sonnenblumenkern zu knabbern.
Mir entfuhr ein ” Was soll das denn? Was willst du denn hier? ” Das Blatt schaute mich mit seinen schwarzen Augen kritisch an. “Wonach sieht es aus? ” antwortete es. “Ich frühstücke.”
Ich war perplex. “He, du bist eine Maus. Das Futter ist für die Vögel, verstanden.” Unbeeindruckt mampfte das Mäuseblatt weiter. Zwischen zwei Bissen mupftelte es: “Na und? Stell dir vor, ich sei eine Fledermaus und könnte fliegen. Dann passt es doch wieder. Flügel, fliegen… Vogelhaus. Capito? Außerdem heißen Mäuschen doch auf holländisch Meisjes. Und du willst doch Meisen füttern, oder? ” Ihre Antwort schien ihr zu gefallen, sie gluckste vor Vergnügen.
Ärgerlich stampfte ich mit dem Fuß auf. Ich weiß, wie schnell sich diese Tiere vermehren, und vor meinem geistigen Auge sah ich neben voll gefressenen Vögeln nun auch noch Horden von Mäusen auf dem Balkon hocken. Wahrscheinlich würden sie irgendwann nach Gartenstühlen, Drinks und Sonnencreme schreien.
Ich stampfte noch ein mal auf. Durch die Erschütterung erschreckt, kam ein zweites Exemplar unter dem hölzernen Blumenkasten her vorgeschossen. “Was’n hierlos?” fragte es respektlos. “Ach, komm, lass uns abhauen.” antwortete Maus Nr. 1. “Das Mensch macht Stress. Und das alles wegen ein paar heruntergefallenen Körnern.” Die beiden schlüpften durch die Brüstung und verschwanden unter den Dachziegeln.
“Wartet, wir müssen darüber sprechen.” rief ich ihnen hinterher. Niemand antwortete.
Keine Ahnung, wie die Geschichte enden wird. Vielleicht erwische ich sie eines Tages in der Küche, weil sie in einem unbeobachteten Augenblick durch die offene Balkontür geschlüpft sind. Vielleicht haben sie aber auch einfach die Nase von mir voll, und machen sich zum Nachbarn auf.
Vielleicht stehen eines Tages aber auch rosa Elefanten auf dem Balkon, die mich um eine Tüte Diamanten anbetteln.
Wer weiß, weiß…
.











