Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Lass’ dich überraschen

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An und für sich bin ich ein kritischer Mensch. Bevor ich Dinge kaufe, überlege ich zehnmal, ob sie tatsächlich nützlich sind, ob das Preis-Leistungsverhältnis stimmt und ob ich sie wirklich benötige. Sicherlich entspreche ich damit nicht dem Bild des gemeinen Konsumenten, der sich von der Werbung alles und jedes andrehen lässt.

Hin und wieder werde allerdings ich schwach. Meist sind das Tage, an denen ich schlecht drauf bin, morgens schon mit mieser Laune aufwache, mich im Spiegel selbst nicht sehen kann und für meine Umwelt schwer zu ertragen bin. An solchen Tagen geschieht es, dass ich Gegenstände erwerbe, die ich mit klarem Kopf sonst nicht einmal mit den Hintern anschauen würde. Wie Nasenhaarschneider zum Beispiel.

Heute bin ich nicht nur auf die Werbung, sondern auch auf gute Ratschläge hereingefallen. Seit einiger Zeit bin chronisch verschnupft. Dem Arzt fällt nichts besseres ein, als mich mit Antibiotika vollzudröhnen, anstatt der Ursache des Übels auf den Grund zu gehen.

Und wie das so ist, im Falle ungeklärter Symptome, hat ein jeder aus dem Freundeskreis einen Rat parat. Das neueste, was mir wärmstens empfohlen wurde, ist eine .

He, dachte ich zu Anfang, was soll das denn. Ich stehe jeden morgen mit meiner Nase unter der Dusche. Und was hilft es. Nischt. Alleine schon die Erklärung, wie dieses Teil benutzt wird, und was dann aus dem Gesichtserker hinausläuft, war für mich Anlass genug, auf eine Anschaffung zu verzichten. Danke, so genau wollte ich das alles gar nicht wissen.

Heute ist es allerdings passiert. Nachdem ich seit Wochen die Nase, im wahrsten Sinne des Wortes, voll hatte, und weder Meerwasserspray noch Tropfen halfen, habe ich sie gekauft. Diese Nasendusche. Mit in der Packung waren vier kleine Beutelchen eines besonderen Salzes.

Wer nicht weiß, wie dieses Patent funktioniert: hier eine kurze Erklärung.

Man nehme das Gerät, fülle es mit warmen Wasser, löse ein Beutelchen des Salzes darin auf. Nee, nicht das Beutelchen, das Salz natürlich. Schüttele alles gut, füge eine Prise Pfeffer, etwas Öl, etwas Zitrone dazu, rühre Crème fraîche darunter und gebe das ganze über……. Huch. Jetzt bin ich aber völlig vom Thema abgeschweift.

Nochmal. Schüttele die Flasche solange, bis sich das Salz auflöst, halte die speziell geformte Flasche an das Nasenloch, beuge sich mit geöffnetem Mund nach vorne, vorzugsweise über das Waschbecken, der Tisch ist dazu weniger geeignet, und nun läuft die Flüssigkeit in die Nase, umspielt die Nasenscheidewand (O-Ton der Gebrauchsanleitung), und entrinnt über das andere Nasenloch in die Freiheit.

So die Theorie. Ich stand nach Anleitung vorn übergeneigt, mit weit aufgerissenem Mund, an der Nase dieses Gerät, vor dem Waschbecken, die Flasche entleerte sich ein wenig, aber nichts passierte. Das Zeug kam nicht wieder raus. Irritiert setzte ich ab, schüttelte, immer noch vorgebeugt, den Kopf mal nach links, dann nach rechts, in der Hoffnung, das Wasser würde abfließen.

Was soll’s, sagte ich mir. Und da ich es überhaupt nicht mag, wenn Dinge, die funktionieren sollen, es nicht tun, wiederholte ich die Prozedur. Mit demselben Erfolg.

Nichts tat sich. Angesäuert richtete ich mich auf, schüttelte wiederum meinen Kopf, so als wartete ich darauf, es in meinem Gehirn plätschern zu hören. Aber auch dort rührte sich nichts. Kein gluckern, kein schwappen, nichts.

Nun stehe ich da und frage mich, wo das Zeug hin verschwunden ist. Ein skeptischer Blick in den Spiegel sagt mir: noch habe ich keinen Wasserkopf. Unter den Augen gibt es keine Tränensäcke, und weinen muss ich auch nicht. Vielleicht gibt es in meinem Körper geheime Kanäle, von denen ich noch nichts weiß. Eine direkte Verbindung von der Nasennebenhöhlen zu den Nieren. Das würde erklären, warum ich drei davon mein eigen nennen darf.

Andererseits stelle ich mir gerade vor, dass sich die Flüssigkeit ihren Weg bahnt und vielleicht, wie ein sprudelnder Quell, plötzlich aus meinen Ohren schießt. Aus jedem Ohr eine Fontäne. Sozusagen ein menschlicher Zimmerspringbrunnen.

Das wäre ja richtig klasse. Ich könnte mich wochenweise vermieten, als Luftbefeuchter in den Monaten, in denen geheizt wird. Mal überlegen. Was nehme ich denn als Stundenlohn? Muss ich dafür ein Gewerbe anmelden? Wie lege ich die Gewinne an? In Aktien von Firmen, die Nasenduschen produzieren?

Ich bin dann mal weg. Noch ein wenig auftanken.

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5 Kommentare

  1. Ich habe ganz nasse Augen vor Lachen. Sehr cool :D

  2. Diese Spülung macht auf jeden Fall den Kopf frei, um auch einmal wieder über andere Dinge zu schreiben als über Schäuble und Co.

  3. Also irnswie sind unsere Blogs nicht miteinander kompatibel. Oder du hast die ping-/ und Trackback-Funktion abgestellt.

    Aber es gibt kein Entkommen! *piiiiing*

    ;-)

  4. @sv: Hm, merkswürdig. Ist alles richtig eingestellt. Aber hier zickt sowieso das eine odere andere in meinem Blog. :-(

  5. Worpdpress & WordPress müssten sich aber doch untereinander vertragen. Aber bei diesbezügliches Technik-Zeug hab ich sonst keine Ahnung. Ich bediene die Software und alles andere hab ich nix mit zu tun. Puh ;-)

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