Nein, ich kann sie auch nicht mehr hören. Diese Neiddebatte um die Gehälter der deutschen Manager. Das ist wirklich furchtbar. Da werden tapfere Männer, die sich aufopfern für Deutschland, dafür sorgen, dass Menschen in Brot und Arbeit stehen, die arbeiten, bis ihnen das Blut unter den Fingernägeln spritzt, zu gierigen Bestien hochstilisiert.
Ein widerwärtiges Verhalten ist das. Doch lassen wir die Betroffenen selbst zu Wort kommen:
Genau, Herr Obermann. 90 Stunden in der Woche arbeiten zu müssen, ist eine Sauerei, es bleibt ja überhaupt keine Zeit mehr für Maybrit. Da ist das Gehalt fast eine Entschädigung für entgangenes Vergnügen. Und was müssen sie in den Stunden nicht alles regeln. Zum Beispiel mal eben die Entlassung von weiteren Mitarbeitern unter Dach und Fach bringen. Diese Raffkes kosten nur und fressen den ohnehin so schmalen Gewinn des Unternehmens auf. Das können sie gegenüber ihren Aktionären nun wirklich nicht verantworten.
Nun zum nächsten Neidopfer:
Siemens-Chef Peter Löscher meint, sein Gehalt sei angemessen weil, “ich mich im Vergleich zu anderen DAX-Unternehmen und im internationalen Wettbewerb nicht in der Spitzengruppe befinde. “
Recht hat der arme Mann. Tränen der Rührung und des Mitleids rinnen gerade aus meinen Augen, benetzen meine Wangen, um sich dann über die Tastatur zu ergießen. Wie soll dieses bedauernswerte Geschöpf denn bloß mit 4,4 Millionen Euro im Jahr über die Runden kommen. Nein, ist das entsetzlich. Ich glaube, ich werde für ihn einen Spendenaufruf starten, in diesem Jahr gab es ohnehin noch keinen in diesem Blog.
Dabei hat der Mann soviel vor, er will aus dem Unternehmen einen Börsenstar machen. Stellenstreichungen gibt es natürlich nicht. Sagte er. Gestern. Andererseits, wie sollen die Defizite durch die Schmiergeldzahlungen und die Abfindungen für Ex-Chefs denn sonst ausgeglichen werden? Frage ich. Heute.
Zur guter letzt ein Mann, der mir besonders am Herzen liegt. Vielleicht liegt es daran, dass er mich an Hanns Martin Schleyer erinnert. Rein äußerlich. Er hat ein genauso sympathisches Gesicht. Hartmut Mehdorn. Der hat auch seine Meinung kundgetan.
Bahn-Chef Mehdorn – mit einem Jahregehalt von rund 3,2 Millionen Euro – erklärte, drei Viertel seines Gehalts seien vom Erfolg abhängig. “Als die DB noch kein Geld verdient hat, waren die Bezüge des Vorstands auch deutlich geringer. Jetzt brummt das Geschäft. “
Richtig. Und deshalb wäre er ja auch schön blöd, wenn der GDL gegenüber nachgäbe. Das wirkt sich sofort auf sein schmales Gehalt aus, und dann muss er wieder Mittags in die Suppenküche gehen. Sollen die Lokführer doch sehen, wie sie klar kommen. Was brauchen die Urlaub auf Mallorca und ein Auto? Die juckeln doch ohnehin jeden Tag durch die Gegend, und das sogar für lau, und genießen dabei unsere schöne deutsche Landschaft. Warum bekommen die überhaupt noch Urlaub? Da kann unsereins richtig neidisch werden. Undankbares Pack. Deshalb rufe ich Herrn Mehdorn zu: hart bleiben.
Denn wie sagte bereits meine Oma: selber essen macht fett.
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3, 12, 2007 um 17:52 Uhr
Ach diese armen, armen Manager… (in der Zwischenzeit des Jammerns wird die Klagemauer herein gebracht, die Klageweiber stimmen ein Trauerlied an und die Tränenvase wird weitergereicht…)
3, 12, 2007 um 23:24 Uhr
“Richtig. Und deshalb wäre er ja auch schön blöd, wenn der GDL gegenüber nachgäbe. Das wirkt sich sofort auf sein schmales Gehalt aus,…”
ging mir heute mittag auch schon durch den kopf, jetz gibt das ganze langsam auch sinn!
wo kämen wir denn da hin, wenn mal ein manager zurückstecken müsste, damit 1000de von angestellten ein ordentliches gehalt bekommen?
empörte grüsse
der Verdächtige
3, 12, 2007 um 23:48 Uhr
Tja, und dann kommen noch die vielen Sorgen dazu was man mit dem ganzen Geld alles machen muss damit das Finanzamt möglichst wenig abkriegt.
Bedauernswerte Leute diese Manager.
4, 12, 2007 um 20:15 Uhr
@all: ich sehe schon, ihr seid auch solche Neidhammel…
5, 12, 2007 um 11:17 Uhr
Ich bin durchaus dafür, den Nimmersatts das Geld in Hals und Hintern gleichzeitig zu stopfen. Rupien zum Beispiel, der Kurs steht aktuell bei 1 Euro = 56,373 INR
5, 12, 2007 um 21:00 Uhr
@sv: *lol*