Von einem gewissen Alter an soll sich das Hauptgespräch der Senioren ja um Krankheiten handeln. Nun, da ich wieder ein Jahr älter geworden bin, möchte ich von diesem Recht auch einmal Gebrauch machen.
Seit Monaten plagt mich ein hartnäckiger Husten, der in den letzten Tagen zur Höchstform aufgelaufen ist. Da ich mich auch sonst abgeschlagen und kaputt fühle, kam es mir in den Sinn, einen Arzt aufzusuchen. Und weil ich es leid bin, ständig nur mit Antibiotika vollgestopft zu werden, ohne dass den Ursachen auf den Grund gegangen wird, beschloss ich also, einen Arzt für chinesische Ganzheitsmedizin anzurufen, in der Hoffnung, er würde mich mal als Einheit sehen und nicht nur als das gerade zu behandelnde Organ.
Gesagt, getan. Wunder, oh, Wunder. Als ich die Dame am Hörer nach einem kurzfristigen Termin fragte, wurde mir sofort der Herr Doktor gereicht, der sich nach meinem Wohlbefinden erkundigte. Nach kurzer Erläuterung erhielt ich die Auskunft: “Sie können morgen um 9.45 Uhr kommen”. Oooops, damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet. Ich sagte hocherfreut zu.
Heute, 9.45 Uhr. Bahnhofstraße . Pünktlich erscheine ich an der Praxistür. Auf mein klingeln hin öffnet ein männliches Wesen. Der Arzt höchst persönlich. Ich gucke etwas verdutzt, denke aber so für mich hin: na ja, wohl gerade in der Nähe gewesen. Wir schüttelten uns brav die Hände, tauschen noch einmal unsere Namen aus, und er bittet mich, noch eine Weile Platz zu nehmen. Außer mir ist weit und breit niemand zu entdecken. Er verschwindet in einen Nebenraum. Ich setze mich auf einen der bereitstehenden Rattan-Sessel.
Kurze Zeit später erscheint eine etwas moppelige Frau, in normalen Arztpraxen würde man wohl von einer Arzthelferin sprechen. Sie begrüßt mich kopfnickend, woraufhin ich in meine Tasche greife um meine Krankenkasse zu zücken, nicht ohne ihr dies mitzuteilen. “Ach ja, sie brauchen ja noch meine Karte”.
Ein Blick mit Fragezeichen trifft mich. “Karte? Hat ihnen Herr W. am Telefon nicht gesagt, dass wir nur Privatpatienten behandeln?”
Ich merke, wie ich leicht gereizt reagiere. “Privat?. Das hat er nicht gesagt. Und das kann ich mir auch nicht leisten.” Tasche zu, aufstehen.
Moppelchen schaut mich irritiert an, als wollte sie sagen: Kassenpatienten? Gibt es sowas noch? Stattdessen hörte ich aber: “Ein Moment. Der Arzt kommt sofort.”
Was er auch tut. Behutsam nimmt er in einem mir gegenüberstehenden Sessel Platz, rückte seine Brille zurecht.
“Ja, wir arbeiten nur Privat. Hat Frau Moppel ihnen das nicht am Telefon gesagt?”
Mein ohnehin schon übersäuerten Magen reagiert heftig mit einer Attacke. “Nein, hat sie nicht. Und sie haben es am Telefon auch nicht erwähnt. Was würde eine solche Behandlung denn kosten?”
Sehe ich da ein kurzes Flackern in seiner Pupille?
“Ein Gespräch und meine Veranlassung, was sie tun müssen, kostet 120,00 Euro. Und dann müssen wir abwarten, ob das anschlägt. Das kann etwas länger dauern als normal. Und es kommt darauf, wie sie damit umgehen. Sie können es sich ja noch mal überlegen.”
Ach ja. Wie ich damit umgehe? Stinksauer. Nicht einmal so sehr über den Preis. Wozu hat man stille Reserven. Mich ärgert einfach die Vorgehensweise, in der versucht wird, Menschen abzuzocken. Frei nach dem Motto: erst mal kommen lassen, dann klappt es auch mit der Kohle. Und zu sowas soll ich Vertrauen haben? Ich strebe dem Ausgang zu.
Nee, Herr W. Ich fürchte, mein Ying und ihr Yang passen nun überhaupt nicht mehr zusammen. Sie haben ein ganz miserables Karma. Ich wünsche ihnen, sie werden als Eintagsfliege wiedergeboren. Und ich werde ihnen jetzt was husten, was mir überhaupt nicht schwer fällt.
Beim Verlassen des Gebäudes werfe ich noch einen Blick auf sein Schild. Nirgendwo ein Hinweis darauf, dass er nur Privatpatienten nimmt. Schweinebuckel.
Wie sagt Konfuzius: Dich soll der Blitz beim sch*****n treffen.
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27, 11, 2007 um 12:52 Uhr
Öhm, ich wäre anstelle von Fr. Moppel auch etwas verwundert gewesen, wenn da jemand die Versicherungskarte zückte. Ich hätte tatsächlich vorausgesetzt, daß Interessenten wissen, daß sowas “esoterisches” nicht von den Krankenkassen übernommen wird.
27, 11, 2007 um 13:31 Uhr
Tja, man lernt nie aus. Vielleicht bricht den Herrschaften aber doch kein Zacken aus der Krone, wenn sie bei einem Telefonat darauf noch einmal hinweisen. Für ganz doofe als Service. Sie hätten dann evtl. etwas verdienen können.
30, 11, 2007 um 3:02 Uhr
Liebe Dauni, Kassen bezahlen nur das allernotwendigste. Ich kenne das von meiner Tinnitusbehandlung. Bis zu einem gewissen Grad nach dem Standardvervahren wird bezahlt und was darüber hinausgeht ist dann, ähm, eigenes Vergnügen.
Wahr ziemlich teuer die Geschichte.
30, 11, 2007 um 16:34 Uhr
War mein eigene Dusseligkeit. Ich hatte mich nicht ausreichend informiert. Und trotzdem bleibe ich dabei: eine kurze Mitteilung, dass er nur Privat behandelt am Telefon wäre nett gewesen.