Heute war ich bei der Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung. Bis ich die Früchte meines Arbeitslebens ernten darf ist zwar noch eine paar Jährchen hin, aber in der mir vor einiger Zeit zugeschickten Aufstellung über den Versicherungsverlauf war mir ein Punkt nicht ganz klar. Deshalb hatte ich mir einen Termin geben lassen.
Nachdem ich erkennungsdienstlich behandelt meinen Personalausweis vorgezeigt und meine Versicherungsnummer genannt hatte, durfte ich noch im Wartebereich Platz nehmen. Interessiert verfolgte ich das Geschehen. Hörte, wie ein älterer Mann, ein Spätaussiedler, wie ich aus seiner Art zu sprechen schloss, ermahnt wurde, das nächste Mal müsse seine Frau persönlich erscheinen. Seine Frau sei krank, murmelte er kaum verständlich.
Außerdem hätten er und seine Frau an der falschen Stelle unterschrieben, nämlich dort, wo die Sachbearbeiterin zu unterschreiben habe. Er schaute verstört die Dame am Empfang an.
Sag jetzt nicht, er muss den Antrag nochmal ausfüllen und die Bewilligung oder Zahlung verzögert sich deswegen, dachte ich in ihre Richtung und verdrehte meine Augen himmelwärts. Doch die Dame war gnädig gestimmt, ermahnte ihn nochmal wegen der Unterschrift und bedeute ihm, dass er gehen könne.
Wie so oft schossen mir auf einmal wieder merkwürdige Dinge durch den Kopf. Angesichts der vielen Alten, die der jungen Generation ohnehin nur auf der Tasche liegen bzw. liegen werden, wie es durch die Politiker im Einklang mit den Medien mehr oder weniger krass verbreitet wird, sollte man doch über ein sozialverträgliches Ableben nachdenken.
Jedem Normalverdiener, der aus Altergründen aus dem Beruf ausscheidet, wird sein Abgang aus dem Leben versüßt. Wer sich bereit erklärt, vorzeitig zur Entlastung der Rentenkasse abzudanken, kann es sich zu einem von ihm zu bestimmenden Zeitpunkt, der nicht nach dem 67. Lebensjahr liegen darf, für zwei Monate auf Staatskosten an einem vom ihm auszuwählenden Ort innerhalb Europas mit allem Schnick und Schnack gut gehen lassen.
Am letzten Abend des Aufenthaltes wird eine große Abschiedsparty veranstaltet, zu der Spezialcocktails gereicht werden. Für die Heimreise im praktischen Zinksarg steht, bei großer Nachfrage des “Angebotes”, eine Bundeswehr-Transportmaschine bereit. Sollte sich dies als zu kostspielig herausstellen, könnte auf eine Billigfluglinie ausgewichen werden. Allerdings wird der Pilot auf das vertraute Beifallklatschen nach der Landung verzichten müssen.
Sollten die Senioren sich als uneinsichtig erweisen und nicht bereit sein, ihren Beitrag für die Zukunft zugunsten der Jungen zu leisten, muss über eine zwangsweise Unterbringung in einem deutschen Altenheim nachgedacht werden. Die dafür vorgesehene Aufenthaltsdauer wäre dann auf drei Monate nach Ausscheiden aus dem Berufsleben begrenzt. Statt eines Abschiedscoktails wird nach Ablauf dieser Frist vom Personal Pfefferminztee ausgeschenkt, der mittels einer Schnabeltasse der jeweiligen Person eingeflößt…..
Je wurde ich aus meinen Gedanken gerissen: Frau Dwarslöper bitte, Frau Dwarslöper. Eine pummelige, blonde Dame, winkte mich heran und eilte schnellen Schrittes voraus, in Richtung ihres Zimmers.
“Was kann ich für sie tun?” fragte sie und rang sich ein Lächeln ab. “Ich wollte mal was wissen – wegen des Pfefferminztees……
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