Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Karla im Koma Teil 7

Ich darf mich glücklich schätzen, mit zum Autoren-Team der ersten Blog-Soap in Klein-Bloggersdorf, vom BATZ initiiert , zu gehören. Viele Stunden Lindenstraße- und Tote-Hosen- Rote Rosen-Gucken haben auch bei mir tiefe Spuren hinterlassen.

Was bisher geschah lest bitte hier:

 

Hier also jetzt:

Karla im Koma – Folge 7- Noch mehr Verwirrung

Entsetzt fährt Patrick herum. In seiner Aufregung lässt er Janine, die noch völlig benommen ist von ihrem Sturz, für einen kurzen Augenblick aus seinen Armen gleiten. Mit einem neuerlichen dumpfen Poltern schlägt sie hart auf dem Boden auf.

Wieder ertönt diese krächzende Stimme: “ Janine…ich habe alles…..“ Weiter kommt Karla allerdings nicht. Patrick ist mit einem Satz bei ihr, greift die auf dem Bett der Nachbarin stehende Pralinenschachtel und holt zum Schlag aus.

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Schwester Uta ist, wie immer um diese Zeit, auf ihrem Routinerundgang über die Station. Sie muss nur noch nach Karla Bock sehen, dann hat sie Feierabend. Sie ist mit Alois verabredet, den sie erst seit kurzem kennt.

Er hatte ihr eine Lebensversicherung verkauft. Zunächst war ihr Zweifel daran gekommen, ob es ratsam sei, in ihrem Alter, immerhin ist sie weit über 50, noch eine solche Versicherung abzuschließen. Zumal sie keine Verwandten ihr Eigen nennt. Wem sollte das Geld also zugute kommen, im Falle ihres Ablebens? Alois gelang es, mit einer Handbewegung und einem charmanten Lächeln, bei dem ihr ein Schauer der Lust über den Rücken gelaufen war, ihre Bedenken wegzuwischen.

Sie nähert sich Karlas Zimmer. Ihr Blick fällt auf den davor stehenden Leichenwagen, mit dem der in der Nacht an seiner Zahnprothese erstickte Opa Knuse in den Kühlraum im Keller gebracht worden war.

„Merkwürdig“ murmelt sie. “ Wenn Opa Knuse tiefgekühlt wird, warum zeichnet sich unter dem Laken dann ein menschlicher Körper ab? Wie ist das möglich? Sollte die polnische Aushilfsschwester wieder geschlampt haben?“

Uta stürzt an den Wagen und hebt das Laken hoch. Ein spitzer Schrei entfährt ihr. Im gleichen Augenblick wird die die Doppeltür, die in die Station führte, aufgerissen. „Alois, du hier?“ stößt sie aus. Hinter seinem Rücken taucht Joachim Bock auf. „Alois? “ fragt er verwirrt. “ Alfons, wieso nennt die Frau dich Alois?“ „Nicht jetzt“ faucht Töler ihn gereizt an.

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Niemandem ist bisher aufgefallen, dass Pascal verschwunden ist. Kurz nach dem Verlassen des Cafes war er Hals über Kopf davongelaufen. Hatte Zuflucht gesucht im Salon seiner Tante, die ihm den Schlüssel überließ, damit er in ihrer Abwesenheit hin und wieder nach dem Rechten sieht, Blumen gießen inbegriffen.

Im Schneidersitz hockt er in einem ihrer Behandlungsstühle. „Verdammter Mist“ schreit er immer wieder. „Verdammter Mist.“ Seine Hände zittern. „Dieser verdammte Nagellack passt überhaupt nicht zu meinen Lippenstift.“ Wütend wischt er den aufgetragenen Lack von seinen Fußnägeln.“ Seine Tante, die für ihr Alter zwar nicht mehr gut aussieht , sich dafür aber umso auffälliger kleidet, hatte ihn, ohne dass seine Mutter davon etwas wusste, in die Geheimnisse des perfekten Schminkens eingeweiht.

Das Treffen mit seinem Vater fällt ihm wieder ein. „Ach Papi“ bricht es plötzlich aus ihm heraus. „Papi, wärst du doch bei uns geblieben. Mein Leben würde anders verlaufen.“ Der Rotz läuft ihm aus der Nase, rinnt über den Lippenstift und läuft mit diesem gemeinsam über die Mundwinkel.

Er blickt in den Spiegel, sieht die die hässliche Fratze, die ihm entgegen schaut, grinst plötzlich und fasst einen diabolischen Plan. „Ich werde es euch zeigen. Dir Papi, und auch den Jungs vom Fußballclub, die über meine lackierten Fußnägel gelacht haben. Alles zahle ich euch heim. Alles.“

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Bei Dr. Tannenbaum klingelt das Mobiltelefon. . Er ist mitten in einer OP. „Schwester Brigitte, abnehmen. Ohr halten.“ nuschelt er unter seinem Mundschutz hervor. „Hallo?

Am anderen Ende ist der Karnevalspräsident: „Ja, Werner hier.“

Tannenbaum ist gereizt: „Wie Werner? Hier ist Werner. Werner Tannenbaum. Wer ist denn da? “ Er erkennt die Stimme wegen der Operationshaube, die mal wieder viel zu eng sitzt und seine Ohren abschnürt, nicht sofort.

“ Werner, sag ich doch, Ernst Werner. Du Werner, ich muss dich dringend sprechen. Wegen der Bock.“ Tannenbaum fällt vor Schreck fast das Skalpell in den geöffneten Thorax.

„Wie oft soll ich dir noch sagen, ich will mit der Sache nichts mehr zu tun haben. Schlimm genug, dass ich das Ding mit der Krankenakte….“ Er stockt. Im OP ist es totenstill. Nicht einmal mehr die Herztöne des Patienten sind zu hören.

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Karla erkennt Patrick über sich, in seiner Hand die erhobene Pralinenschachtel. Sie will schreien, doch kein Laut entrinnt ihrer Kehle, obwohl ihr Mund weit geöffnet ist. Das Letzte, was sie sieht, bevor sie erneut ins Koma abgleitet, ist eine Praline, die herab fällt.

Just in diesem Augenblick erwacht Janine aus ihrer neuerlichen Ohnmacht. Ihr Blick bleibt gebannt an Patrick hängen. Schlagartig wird ihr wieder bewusst, was mit Zahneck geschehen ist. „Du Mörder“ schreit sie auf. „Du hast ihn getötet. Du und deine verdammte Eifersucht. Ich habe ihn geliebt. Er war mein Leben, meine Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Oder glaubst du, ich will enden wie Karla. In einer Lottobude? Du hast alles zerstört. Meine Träume. Und jetzt auch noch meine Mutter.“

„Aber, aber, ich habe doch gar nichts gemacht“ stammelt Patrick verzweifelt. „Die ist ganz von alleine wieder weggetreten.“ Janine ist mit einem Mal auf den Beine, alle Trägheit nach der Ohnmacht sind wie weggeblasen. Nur die Platzwunden an der blutverkrusteten Stirn zeugen noch von den Stürzen.

Die Pralinenschachtel fällt Patrick aus den Händen, als sie ihn mit einem wütenden Schrei anspringt. Der Inhalt der Schachtel trullert über den Fußboden, rollt unter die Betten. Beide gehen zu Boden, kämpfen miteinander. Kommen an die Beatmungsmaschine des Nachbarbettes, deren Schlauch sich in dem Getümmel löst.

„Pffft.“ macht die Frau, der die Pralinen gehörten.

Im selben Moment nimmt Patrick den Lärm draußen auf dem Flur wahr. Stimmengewirr, hastige Schritte. Eine Lautsprecherdurchsage dringt an sein Ohr:

„Dr. Tannenbaum. Dr. Tannenbaum. Dringend auf Station 7.“

Update: 

Gestern erschienen: Karla im Koma – Folge 8: Prioritäten

bei  bloggen für den Weltfrieden 

Die spannende Blog-Soap geht weiter.

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4 Kommentare

  1. ok, ich übernehme (hoffentlich habe ich jetzt alle storylines richig verstanden…;))

  2. 🙂 Viel Spaß. Bin schon gespannt, wie es weiter geht.

  3. und ich erst…..;)

  4. Pingback: Karla im Koma 6 « Vermischtes « BLOG OFF!

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