Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Neulich in Italien letzter Teil

| 3 Kommentare

 

venedigansicht.jpg

Was bisher geschah: Dwarslöper und sein Skipper klappern mit dem gemieteten Hausboot die Lagune von Venedig ab. Murano, Burona wurden schon besucht, die Lagunenwelt gründlich inspiziert und ergründet. Ihr Standort mit den Boot ist Le Vignole, die gemütlich Gemüseinsel. Auch Venedig wurden bereits ein Besuch abgestattet. Ein letzter sollen jetzt folgen.

+++

Mittwoch, 2.Mai. Wir sind früh aufgestanden, weil wir schon zeitig los wollen. Vielleicht, so war meine Überlegung, vielleicht können wir uns die Markuskirche doch noch ansehen, wenn wir früh genug dort sind. Nach dem Frühstück ziehen wir los. Um kurz nach acht fährt unser Wasserbus. Die Sonne ist leicht bedeckt, die Wolkenbildung rings herum verspricht eine Wetteränderung.

Du bist eine alte Unke, spricht der Skipper. Also verzichten wir auf die Mitnahme von Regenjacken. Ich lasse mich ja gerne durch starke Argumente überzeugen.

Unsere Ameise wandern wieder. Ich nicke der Kolonne zu, bevor wir das Schiff verlassen.

Nach erreichen Venedigs und des Markusplatz stellen wir fest, dass wir nicht die einzigen sind, die diese tolle Idee vom frühen Aufstehen hatten. Wieder steht eine Schlange von Menschen und ringelt sich. Zwar nicht so lang wie am Vortage. Wir wechseln die Blicke. Anstellen? Nein Danke. Man muss nicht alles im Leben gesehen haben.

Stattdessen entschließen wir uns spontan, dass Peggy Guggenheim Museum zu besuchen. Also ab in das nächste Vaporetto und über den Canale Grande gefahren. Nach dem Aussteigen laufen wir wieder durch enge Gassen, bis wir endlich dort ankommen, wo wir hinwollen.

Die Ausstellung ist nicht groß und schnell angesehen. Moderne Malerei und Skulpturen. Nicht alles trifft meinen Geschmack. Muss es aber auch nicht. Allerdings bin ich auch weit davon entfernt, vor Ehrfurcht vor dem Namen eines Malers in die Knie zu sinken. Ich weigere ich mich etwas toll zu finden, nur weil es mit einem berühmten Namen verbunden ist. Basta.

Im Außenbereich gibt es eine Skulptur eines Mannes auf einem Pferd. Der Penis des Mannes ragt steil gen Himmel. Der Künstler hat dieses Teil so konstruiert, dass es abgeschraubt werden kann, wenn ein kirchlicher Würdenträger das Museum beehrt oder auch nur draußen auf dem Kanal vorbeifährt.

penisonair.jpg

Wobei bei mir gleich die Frage auftaucht, wie pinkeln solche Leute eigentlich? Mit geschlossenen Augen? Sachen gibt’s.

Der Himmel hat sich verdunkelt. Erste, einzelne Regentropfen fallen. Trotzdem setzen wir unseren Streifzug fort, sind wiederum in einer Gegend ohne viel Touristen. Finden einen Marktplatz, auf dem nur Einheimische ihren Geschäften nachgehen. Entdecken auf einigen Häusern Terrassen, die nachträglich dort auf den Dächern aufgesetzt wurden. Ich überlege, was dazu die deutsche Baubehörde sagen würde. Hier ist das unmögliche möglich. Und das ist auch gut so.

Gondoliere reinigen liebevoll ihre Schiffe auf Hochglanz. Wir schlendern an einem Gemüseschiff vorbei, das hinter den Gondeln der beiden liegt und seine Waren zum Verkauf anbiete. Fischläden zeigen ihre frische Ware hübsch und appetitlich dekoriert. Schon fast ein Stilleben.

fische.jpg

 

In einem Laden für Sanitärartikel werden mit venezianischen Masken kunstvoll bemalte Klodeckel angeboten. Für den Gebraucht fast zur schade. Langsam kommen wir wieder in belebtere Gegenden. Als wir an den Fischhallen sind, die wir uns eigentlich ansehen wollen, wegen des leckeren Fisches und in der Hoffnung, uns eine Abendmahlzeit damit zu sichern, setzt ein heftiger Regen ein. Es schüttet wie aus Eimern.

Wir wollen in eine Trattoria oder ähnlichem flüchten, aber alles ist überfüllt. So stehen wir draußen unter einem Vordach nd sehen dem Schauspiel zu. In der Markise eines gegenüberliegenden Restaurants sammelt sich das Wasser, und eine Bedienung wird abkommandiert, den sich füllenden Stoff von unten von selbigem in kurzen Abständen wieder zu befreien. Platsch. Ich beobachte gerne das Geschehen.

Nach ca. 15 Minuten hört der Starkregen auf und geht in anhaltenden Nieselregen über. Warum, frage ich mich, warum laufen vor allen Dingen die Einheimische alle mit Regenschirmen und Regenjacken herum. Die müssen wohl den Wetterbericht gehört haben. Ich denke an meinen Blick zum Himmel am frühen morgen. Von wegen Unke.

Wir nähern uns dem Gebiet, in dem die Rialto-Brücke liegt. Die Menschenmengen nehmen zu, und mich befällt wieder meine „Menschen-Massen-Phobie“. In solchen Moment reagiere ich leicht gereizt, und sehe zu, dass ich dort wegkomme. So schön kann gar keine Brücke sein, als dass ich mit dort länger aufhalte in solche Situationen als unbedingt nötig. Also, rauf uff die Brück, auf der sich ohnehin nur Souvenirläden befinden, und nübber. Dabei entwickele ich ein erstaunliches Tempo. Nicht immer zum Vergnügen meines Skippers. I am what I am.

Langsam treten wir den Rückmarsch an. Noch einmal fahrenn mit dem Vaporetto zum Markus-Platz. Von dort aus wollen wir zu der Station de Linie 13, unserer Linie nach Vignole. Langsam fühlen wir uns fast schon wie zu hause.

Als wir den Platz überqueren, fällt uns auf, das es keine Menschenschlange vor der Kirche gibt. Nur einige wenige Leute stehen dort an. Ein kurzes Ansehen, ein kurzes Nicken. Und schon stehen wir dort auch. So kommen wir doch noch dazu, uns diesen denkwürdigen Bau anzusehen, dessen Innenausstattung aus Mosaikzyklen auf einen durchgehenden Goldgrund, ebenfalls Mosaik, besteht. Beeindruckend. Wie ich später lese, der größten Mosaikfläche der Welt. Der Stil ist byzantinisch geprägt. Sicherlich eine Sehenswürdigkeit. Um das ganze Ausmaß zu begreifen, braucht es allerdings mehr als einen solchen Rundgang.

Trotz der Rundbogenfenster wirkt die Kirche düster. Hier, so denke ich, könnte ich meinen Gott nicht finden, wäre ich gläubig.

Nach dem Verlassen des Gebäudes setzen wir unseren Weg Richtung Vaporettostation fort. Unterweg begegnen wir auf einer Brücke vor einem malerischen Hintergrund einer Katze, die sich bereit erklärt, für mich als Modell zu fungieren und die ihr geschenkte Aufmerksamkeit sichtlich genießt.

Die Abfahrtstation ist erreicht. Es hat wieder begonnen zu regnen. Heftig zu regnen. Bis das Vaporetto kommt, setzten wir uns in eine Snack-Bar, in der man preiswerte belegte Brote und ein Gläschen Wein bekommen kann. Hier verkehren überweigend r Einheimische. Vaporettofahrer nach Beendigung ihres Dienstes, Menschen, die in der Nähe wohnen und sich kennen.

Der Wasserbus kommt nach einer Weile. Wir rennen durch den pladdernden Regen und kriechen unter Deck. Zwischen den heimkehrenden Inselnbewohnern fallen wir kaum auf. Als wir Vignole erreichen, beginnt es zu gewittern und mir wachsen plötzlich förmlich Flügel beim Verlassen des Fahrzeuges. Wenn es um Gewitter geht, bin ich ein Hasenfuß.

Donnerstag 3.Mai. Tag der Abfahrt nach Chioggia. Morgen müssen wir das Schiff übergeben. Um alles in Ruhe packen zu können, wollen wir schon heute wieder zurück. Und auch, um die Lagune, noch einmal genießen zu können. Zum Abschied werden wir dicht an Venedig vorbeifahren. Der Himmel ist grau und verhangen.

 

venedig.jpg

Und dann war da noch folgendes:

Beim Betreten des Küchenbereiches an diesem Morgen fallen mir kleine Punkte auf, die geschäftig auf der Spüle hin und herwuseln. Eine Ameise? Nein. Eine ganze Sippe marschiert dort auf und ab. Als ich mich ihnen nähere, und die Hand nach dem Wasserhahn ausstrecke, rennen sie in einem Affentempo, dass ich diesen kleinen Viechern überhaupt nicht zugetraut hätte, aber gesittet hintereinander in Richtung Wand, kriechen dort hoch und verschwinden in einem kaum sichtbaren Loch von Wand zum Deckenanschluss.

So ist das also. Das war keine verirrte, einzelne Seele, die ich morgens beobachtete. Das war ein Vorauskommando, wahrscheinlich um zu prüfen, ob es etwas Genießbares im Küchenbereich gibt. Schlau, das. Plötzlich taucht eine Ameise wieder auf.

Jetzt will ich die Angelegenheit testen und lege ein kleines Stückchen Apfel auf die Spüle. Eifrig kommt das Meischen angelaufen, prüft, prüft noch mal und macht sich davon. In Richtung Loch. Ruck, zuck kommt kru darauf die Horde anmarschiert und macht sich über den Apfel her.

ameisen1.jpg

Geschäftig rennen sie zwischendurch immer wieder zu ihrem Bau, der werweisswo in diesem Schiff liegen mag. Mir ist alles klar. Die haben wirklich das Schiff geentert

++++

Bleibt noch zu berichten, dass wir Chioggia zwar noch im trockenen erreichten, sich das Wetter aber weiter eintrübte. Am nächsten morgen, am 4.5., regnet es ununterbrochen. Wir werden beim Beladen des Autos nass und müssen uns im Wagen trockenlegen.

Den Regen haben wir mit nach Norden gebracht. Er blieb uns treu bis kurz vor der Landesgrenze nach Hessen.

Mittlerweile ist er allerdings in ganz Deutschland angekommen. Buon Giorno.

Bilder: Dwarslöper

Verwandte Artikel

3 Kommentare

  1. Mann, ich bin ja froh, dass es den Ameisen gut geht :)

    Hm, wenn die Kirche zu düster ist, um dort Gott zu finden, braucht man vielleicht eine Taschenlampe?

    Ich glaub, jetzt hab ich wieder Reisefieber :-(

  2. Ne Skulptur mit ´nem abschraubbaren Penis … ist ja lustig :lol: Wer den Job wohl macht und wie oft?

    Ich glaub, ich hole mir heute ne Pizza.

  3. @manniac: ich glaube, Gott sitzt lieber draussen in der Sonne bei diesem kleinen Männchen

    @sv: Vielleicht legt der heilige Vater selbst Hand an *g*

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*


Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: