Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Wahre Begebenheit

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Die Natur hatte es nicht gut gemeint mit Erwin. Er war klein, plump und hässlich, mit merkwürdig geformten Ohren und Zähnen, die an einen Hasen erinnerten. Seine Bewegungen plump und schwerfällig, sein Orientierungssinn mangelhaft ausgeprägt, um nicht zu sagen, gleich Null. So sehr er sich auch bemühte, er kam nie dort an, wo er eigentlich hinwollte.

Zu allem Überfluss kollidierte er ständig mit irgendwelchen Objekten. Ein richtiger Tollpatsch. Kein Wunder, dass sich andere über ihn lustig machten und ihn verspotteten.

Aus diesem Grund hatte er sich einen Platz im Wald gesucht, weit weg von der Gruppe, zu der eigentlich gehörte. Ganz aus dem Wege gehen konnte er ihnen allerdings nicht, spätestens am Abend, zur gemeinsamen Mahlzeit, musste er zu ihnen stoßen, dort unten am Fluss, in dessen Nähe sie lebten.

Sobald er sich sehen ließ, ertönte ihr Gelächter. „Eh, guckt doch mal, Erwin kommt. Geht in Deckung, Jungs.". Sie grölten los, und dieses Gegröle verfolgt ihn noch, wenn er sich abwandte und das Weite suchte.

Er litt. Sie waren so perfekt, So gut aussehend, erfolgreich. Nie ging ihnen etwas daneben. Jeden Abend musste er dieselbe Prozedur, dieselben dummen Sprüche über sich ergehen lassen. Wenn er zu seinem Schlafplatz zurückkehrte, war er traurig und verzweifelt.

Es war an einem dieser lauen Sommerabende im letzten Jahr, als ihm klar wurde, dass es so nicht weitergehen konnte. "Verdammt noch mal, es muss sich etwas ändern" schoss es ihm durch den Kopf. „Ich muss versuchen, mich soweit fit zu machen, dass ich neben den anderen bestehen kann.

Umgehend begann er mit seinen Training. Eisern drehte er seine Runden, wochenlang, Abend für Abend, immer darauf bedacht, dass die anderen nichts davon mitbekamen. Sie riefen nach ihm: „Erwin, du Loser. Wo bleibst du? Es ist langweilig ohne dich. Komm her, wir wollen unseren Spaß haben." Er ignorierte die Sprüche, aß nur das nötigste, nur um nicht zu ihnen zu müssen.

Zu Anfang schmerzte sein Körper, müde und erschöpft hing er am Tage ab, unfähig, auch nur ein Glied zu rühren. Allmählich stellten sich jedoch Erfolge ein, seine Bewegungen wurden geschickter, er erreichte die Ziele, die er sich vorgenommen hatte und prallte nur noch selten gegen Hindernisse.

Nach drei Monaten, es war inzwischen Herbst, fühlte er sich sicher genug, um es mit seinen Kollegen aufzunehmen. Heute, an diesem Oktoberabend, sollte es soweit sein. Die Sonne tauchte beim untergehen die Landschaft in ein goldenes Licht, der Fluss zog ruhig dahin, die dunklen Wolkenfetzen der herannahenden Dämmerung spiegelten sich im Wasser, die Bäume waren nur bald nur noch als Silhouetten zu erkennen.

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Erwin war nervös. Es musste nur noch ein bisschen dunkler werden, dann konnte es losgehen. Er rückte sich in die richtige Startposition. Sein Herz klopfte wild. „Hoffentlich lasse ich nur im richtigen Augenblick los" dachte er. Dann schoss er in die Tiefe. Zunächst taumelte er umher, zog verwinkelte Bahnen, fing sich allmählich und flog, für seine Verhältnisse, elegant in Richtung Wasser, wich Bäumen und Sträuchern aus, wollte dorthin, wo die anderen waren, um ihnen seine Flugkünste vorzuführen. Und um sich endlich auch einmal wieder den Bauch vollzuschlagen .

„Ich kann es, ich kann es" jubilierte er. Übermütig schlug er einen Haken, flog eine Kurve, dann einen Bogen, als er einen Schlag verspürte. Einen heftigen Schlag. Im nächsten Moment wurde ihm schwarz vor Augen.

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„Was war das denn" fragte die Frau, die mit ihrem Partner einen Spaziergang machte. Es war ihr letzter Abend hier am Fluss. Sie hatten ein Hausboot gemietet, mit dem sie durch Berlin und das Umland gefahren waren.

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  (Mehr Bilder gibt es hier)

Das Schiff lag sicher vertäut am Steg, sie hatten interessiert die Fledermäuse beobachtet, die sich kunstvoll durch die Lüfte schwangen auf ihrer allabendlichen Insektenjagd. 

„Was war das dann?" fragte sie nochmals. „Ich glaube, mich hat gerade eine Fledermaus angeflogen." Sie brach in schallendes Gelächter aus. „Wahrscheinlich Dracula persönlich" stieß sie unter Prusten hervor.

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Erwin erwacht in einem Busch am Rande des Weges. Der harte Schlag hatte ihn, halb betäubt, dorthin taumeln lassen. Er blinzelte irritiert, nahm die beiden Menschen war, vernahm diese Stimme. „Harharhar. Ich krieg mich nicht wieder ein. Ne' Fledermaus fliegt mich an. Das ist was für den Blog. Das glaubt mir kein Mensch."

Er wünschte sich, sich die Ohren zuhalten zu können, die noch schlapper als sonst herunter hingen, wollte es nicht hören, dieses Lachen, in das jetzt die ihm wohlbekannten Stimmen seiner Artgenossen einstimmten.

„He Jungs, habt ihr das mitgekriegt? Erwin hat 'nen Menschen angeflogen." Das Gejuchze und Gekreische nahm kein Ende.

Schwerfällig kroch er aus dem Busch hervor, huschte, in einem günstigen Augenblick, über den Weg zu seinem Schlafbaum. Ihm war nur noch schlecht. Kopfüber hängte er sich an seinen Ast. Tränen stiegen ihm in die Augen. Er schluckte, seine Flügel schmerzten, er war müde.

„Was zum Teufel, was zum Teufel ist ein Blog?" war sein letzter Gedanke, bevor ihm die Augen zufielen.

my pet!

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3 Kommentare

  1. och der Arme. Den möchte man am liebsten an die hand nehmen, knuddeln und ihn vor den bösen anderen beschützen !

  2. Schöne Geschichte und schöne Bilder die mir bekannt vorkommen.
    Im April 2005 war ich mit meinem Schiffchen 2 Wochen in Berlin unterwegs. Den Mast hatte ich zuhause gelassen. Ich bin wom Wannsee via Spree durch Berlin bis in den Schmöldesee und via Landwehrkanal wieder zurück über Potsdam und Werder zum Wannsee.
    Die schönste Reise die ich bisher gemacht habe.
    Vielleicht werde ich irgenwann, wenn ich mal Zeit habe, den Reisebericht ins Blog setzen.

  3. @jassi: der war wirkich so dusselig, mich anzufliegen, kein Gag. Und ab in die Büsche :-)
    @stockfisch: Das ungefähr war auch unsere Tour. Traumhaft schön. Ich werde bei Flickr auch noch Bilder dieser Reise einstellen.

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