Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Ausge(g)lost

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Michi hatte eine Karte gezogen aus dem großen Kasten, warf einen kurzen Blick drauf und begann sofort, zu nölen: "Och nö, kann ich nicht was anderes haben. Das ist doch alt."

Tante Angie schaute ihn streng an: "Michi, nu' quengle nicht rum. Jeder ist mal dran. So viele neue Sachen gibt es doch nicht. Du weißt, unsere Möglichkeiten sind begrenzt."

Michi schaute zu den anderen am Tisch. Die feixten. "Du bist dran, du bist dran" stichelte Wolfgang. "Halt die Klappe, du Blödmann. " fauchte Michi zurück. "Du kannst froh sein, dass ich dich nicht hauen darf." Wolfgang rollte vor Schadenfreude aufgeregt hin und her. "Ich darf aufpassen, ich darf aufpassen, " trällerte er vergnügt  ".. und du niiiieecht."

"Wolfgang, lass gut sein. Hör auf damit, dich als was Besonderes aufzuspielen." sagte Tante Angie im strengen Ton. "Und du Michi, mach dich an die Arbeit. Mal sehen, was du zustande bringst. Du kriegst auch ein Pünktchen auf deine Fleisskarte. Vielleicht."

Michi rutschte vom Sessel und machte sich auf den Weg in seine Arbeitsecke. Er hockte sich auf seinen Stuhl, der viel zu klein für ihn war, nahm einen Bleistift, kaute an dessen Ende herum und grübelte nach.

Derweil hörte er mit halbem Ohr, wie die anderen am Tisch weitermachten. "Horst, was hast du gezogen?" "Vogelgrippe." antwortete der.

"Schön, und du Ulla?" "Ich hätte aber lieber Gammelfleisch gehabt" plärrte Horst dazwischen. "Ab in die stille Ecke." Angela pfiff ihn an. "Ich habe schon gesagt, es gibt keine Extrawürste." Horst trollte sich. "So, wo waren wir stehen geblieben. Ulla?"

"Nix. Ich daf aussetzen." schnaufte diese durch die Nase." "Nein, du nicht. Ich weiß, du hast erstmal frei. Weil du so eine schöne Reform gebastelt hast. Aber sag mal, kannst du dir in der Zwischenzeit vielleicht mal die Polypen rausnehmen lassen? " Ullas schaute entsetzt auf."Da muss ich aber zuzahlen" nuschelte sie.

"Na denn nicht. Ich meinte dich ja auch eigentlich gar nicht  sondern die andere Ulla" erwiderte Angela und deutet zum  Ende des Tisches. Dort saß die zierliche Kleine,  warf ihr langes Haar zurück und den Kopf in Nacken. "Also, Tante Angela, mein Papi hat immer gesagt, ich soll darauf aufmerksam machen, dass ich Ursula heiße. Und nicht Ulla." sagte sie schnippisch.

Angela verdrehte die Augen. "Gut, Ursula, was hast gezogen?" In diesem Moment mischte sich Wolfgang wieder ein. "Tante Angie, ich hab das genau gesehen, die Ursula hat geschummelt, die hat vorher auf die Karten geguckt. Jetzt hat sie wieder das über Kinder gezogen. Die schummelt immer. " "Und du hörst sofort auf zu petzen, Wolfgang" fuhr ihm  Angela wütend in die Parade. "Du bist doch fein raus, nur weil du im Rollstuhl sitzt, darfst du immer dieselbe Karte nehmen."

Beleidigt rollte Wolfgang vom Tisch weg. "Ich werd's dir schon zeigen" grummelte er in sich hinein. " Wart es nur ab. Glaub nur nicht, ich beobachte dich nicht." Er war etwas schwierig geworden, seit er nicht mehr laufen konnte. Alles wollte er Kontrolle haben, eine regelrechte Manie hatte sich bei ihm  entwickelt.

"Hat jemand noch nicht gezogen?" Michi hörte nicht mehr zu. Eifrig hatte er begonnen zu schreiben. Zusammengekauert saß er am Tisch, die Zunge zwischen den Lippen, angestrengt malte er Buchstaben für Buchstaben. Sein Blatt füllte sich nach und nach mit dem Text:

"Arbeitslose müssen arbeiten für alle und dürfen nicht rumschmarotzen…."

Tante Angela war hinter ihn getreten, warf einen Blick auf's Heft,  strich ihm liebevoll über die Haare und sagte: "Fein, Michi. Das ist doch mal ganz was Neues.

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