Manchmal werden einem ja die merkwürdigsten Fragen gestellt. So auch mir vor einer Woche bei Bekannten.
Das Gespräch kam auf Weihnachten. Worauf auch sonst in dieser Jahreszeit. Ich bin ein ausgesprochener Weihnachtsmuffel, um nicht zu sagen Weihnachtshasser. Diese ganze Brimborium mit "Oh, du Fröhliche, oh du Selige" geht mir auf den Geist. Einen Weihnachtsbaum stelle ich mir, wenn überhaupt, nur als Symbol für die Wintersonnenwende in den Raum.
Schon als Kind habe die ganze Verlogenheit unterm Tannenbaum verabscheut. Während sich die Eltern noch am frühen Morgen gezofft hatten, wurde abends heile Welt gespielt, und die Familie versammelte sich singend unter dem Baum. Mir blieb das Singen in der Kehle stecken. Ich war unfähig, auch nur einen Ton herauszubringen. War mir doch bewusst, das es mit dem Frieden sehr schnell wieder vorbei sein würde. So etwas prägt.
Noch heute bin ich froh, wenn dieses Theater vorbei ist. Verlogenheit allenthalben. Es geht ums Kaufen, um den Konsum. Und nach den Feiertagen können die Geschenke umgetauscht werden. Schenken mit Rückgabegarantie.
Aber ich schweife ab. Mir wurde also diese merkwürdge Frage gestellt: "Wie ist denn Euer Baum in diesem Jahr?" "Wie, wie ist unser Baum? Grün natürlich." war meine etwas barsche Antwort. "Nein, dass meine ich doch nicht." und bevor ich noch nachhaken konnte wurde mir erklärt: "Unser Baum ist diesmal Champagner." Ich wurde darüber aufgeklärt, dass in jedem Jahr der Baumschmuck in einer anderen Farbe gehalten sei."
Ach ja? Champagner?
Na denn mache ich meinen mal in Kackebraun. Ist mal was anderes.
.


15, 12, 2006 um 17:36 Uhr
Oder versuche es einmal mit so einem Plastik-Blinkebaum, maximal 30 cm hoch, das ist doch gleich viel ehrlicher und passt auch besser zum Fest der verordneten Glückseeligkeit…
16, 12, 2006 um 19:19 Uhr
Das schlimmste ist dabei das alles perfekt sein muß. Es darf da keine Pannen geben.
Als wenn das dem eigenlichen Fest schaden würde.
18, 12, 2006 um 22:13 Uhr
Ich hab keinen Baum mehr, seit ich noch 10 Jahre nach dem Einzigen die Nadeln im Teppich hatte. Also mit dem Schmuckgedönse und basteln hab ich´s nicht so. Dafür hab ich liebe Freunde, die lieben es und haben ein gutes Händchen dafür oben drauf. Da bin ich immer eingeladen, ist Tradition so
Diesen irren Perfektionismus kenne ich auch, das ist zum Glück lange her. Inzwischen kann ich Weihnachten sogar wieder richtig gut finden.
19, 12, 2006 um 22:09 Uhr
@baseface: ich tanze am 21.12. den sonnenwendtanz und bete um schnee. schließlich ist weihnachten
@digga und einhandsegler: die perfektion habe ich mir abgeschminkt, seitdem früher bei besonderen anlässen die sahnetorte statt auf den tellern immer auf dem tisch landete.
baum gibt’s eh nicht, weder in champagner noch in anderen farben. Lang, lang ist’s her. Für Kinder ganz nett, aber sonst unnötig wie ein Kropf.
20, 12, 2006 um 16:29 Uhr
Hmm. Wer verordnet wem denn was? Oder sollte die Frage lieber lauten: Wer lässt sich von wem was verordnen? Und wem geht es nur ums Kaufen? Der Industrie und dem Handel, doch wohl. Aber es steht Dir doch frei, das Fest zu gestalten und mit Inhalten zu füllen, wie Du es für richtig hälst. Ich finde Weihnachten richtig schön. In der Vorweihnachtszeit habe ich “nen dicken Pulli an, Mann”, lasse den ganzen Kaufstress an mir abprallen und genieße dann Familienzeit und vor allem Ruhe. Es ist früh dunkel, Kerzen und Ofen an und die Kinder sind zappelich bis zum Gehtnichtmehr! Herrlich!
20, 12, 2006 um 21:29 Uhr
@pantoffelpunk: Es freut mich für dich, dass du es so empfindest und wünsche dir, aber auch allen anderen hier alles Gute und viel Freude.