Nach meinem letzten Wutanfall bin ich in mich gegangen und habe beschlossen, mich nicht mehr aufzuregen. Ich werde versuchen, meine Umwelt und die Politik mit mehr Abstand zu betrachten. Gelassener auf dummes Gewäsch und hohle Phrasen zu reagieren. Toleranter zu sein.
Wie das gehen soll? Ich höre mir immer und immer wieder diesen Song von Robert Long an, dann wird es schon klappen.
Text leicht gekürzt.
Morgen sind wir tolerant, tolerant, tolerant,
und finden selbst die größten Idioten interessant,
wir reichen jedem Arsch die Hand,
und was uns stört in diesem Land,
das wird ab morgen nicht mehr eine Schweinerei genannt.
Ab morgen sind wir positiv
und nicht mehr so auf dem qui-vive,
wir rücken nichts mehr gerade,
nein, wir lassen alles schief.
Na klar.
Fortan glauben wir an Lügen, weil sie in der Zeitung stehn,
greifen nichts mehr mit Kritik an,
was geht uns die Politik an.
Haben wir uns nicht schon oft genug
die Finger dran verbrannt.
Das wird anders: morgen sind wir tolerant.
Vielleicht, Freunde, ist das böse Kritisieren ein Laster,
wie Zigarettenrauchen und Schokoladenaschen.
Es ist so schwer, damit aufzuhören. Ich kann halt manchmal
nicht den Mund halten. Aber es ist ja bekannt, dass eine Entwöhnungskur
leichter durchzuhalten ist, wenn andere dabei mitmachen.
Und deshalb meine herzliche Bitte: entsagt wie ich dem Laster!
Hebt die Arme, ballt die Fäuste, holt tief Luft und singt alle mit:
Morgen sind wir tolerant, tolerant, tolerant….
Text: Robert Long.
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