Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Dumpfbacke

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Auch ich habe heute meinen Wutanfall schon hinter mich gebracht. Dazu bedarf es nur eines Kommentars in der HAZ aus der gestrigen Samstagsausgabe.

Zunächst zitiert der Schreiberling, Matthias Koch, den Satiriker F.W. Bernstein. Ich lasse mal dahingestellt, ob dieser sich darüber freut,  ausgerechnet von Leuten wie Herrn Koch zitiert zu werden.

"Erwin aus der Unterschicht/liebt die Oberklasse nicht./Doch vom Chef die Tochter/sah er gern und mocht'er."

Dann allerdings legt Koch los:

"Als der Satiriker F.W. Bernstein dies  schrieb, war in Deutschland die Welt noch in Ordnung. Es gab zwar auch in den siebziger Jahren oben und unten. Aber zugleich ging es auch rund, vieles war in Bewegung. Wer wenig hatte, ließ den Kopf nicht hängen. früher oder später lag doch noch ein gesellschaftlicher Aufstieg drin – vielleicht mit Hilfe der Tochter des Chefs.

Die gute alte Unterschicht war in Deutschland kein ernsthaftes Problem. Denn sie hatte noch immer klar zu erkennen gegeben, was Kurt Beck bei der heutigen Unterschicht vermisst: den "Aufstiegswillen".

Die weiteren geistigen Ergüsse dieses Herrn wiederhole ich nicht an  dieser Stelle. Meine Halsschlagadern  sind ohnehin schon stark angeschwollen.

Wo lebt dieser Mann, in welcher Republik hat er in den letzten Jahrzehnten gelebt, um solche Behauptungen aufstellen zu können? Gesellschaftlicher Aufstieg? Das ich nicht lache. Wenn du aus Duisburg-Hochfeld kommst, weisst du genau, wie das ist mit dem gesellschaftlichen Aufstieg. Selbst wenn du es einigermassen geschafft haben solltest, wenn du aus der Sozialhilfe raus bist, als alleinerziehende,geschiedene Frau auch Arbeit gefunden hast, trotz Kind, wenn du für dein kleines Gehalt schuften musst, Überstunden kloppen und das alles in einem Gewerkschaftsuntnehmen (Bildungswerk der DAG), wenn du dir eine Position erkämpft hast, es nützt dir alles nichts.

Wenn du heute von diese Dingen erzählst,  zucken die Leute immer noch zusammen. Wenn du dich aufgrund einer nicht vermeidbaren  Einladung  plötzlich in einer "gehobenerer" Gesellschaft wiederfindest und auf die Frage: "Ach, Sie kommen auch aus Duisburg. Woher denn da?" antwortetest "Aus Hochfeld, direkt an der Kupferhütte" bist du unten durch. Du siehst diese Gesichter, blasiert, wendest dich ab und denkst "Leckt mich am Arsch". Ende der Konversation. 

Aber das nur am Rande. Ich lese zur Zeit gerade ein Buch . Titel: "Armut in Deutschland. Untersuchungen und Reportagen zur Krise des Sozialstaates"

Ich lese von Sozialhilfeempfänger, von Langzeitarbeitslosen, von Jugendarbeitslosigkeit, Bildungsmisere, zunehmender Jugenkriminalität, Massenentlassungen, von Behördenwillkür, der Arroganz der Poltiker, denen nichts anderes einfällt, als Sozialleistungen zu kürzen, um die "Unterschicht" gefügig zu machen. Lese von den Vermögenszuwächsen von Unternehmern, von Missmanagement.

Herausgabe des Buches: 1979 

Und dieser Herr Koch, seines Zeichens stellvertretender Chefredakteur, schwadroniert über die gute alte Zeit. Manchmal weiss ich wirklich nicht mehr wohin mit meiner Wut über solche Leute. Über diese Überheblichkeit aus ihren Chefetagen heraus. 

Wohin mit meinen Zorn auf die Unfähigkeit der Politiker, die es im Laufe der letzten dreißig Jahre nicht geschafft haben, ein besser finanziertes Sozialsystem zu schaffen. Diese feigen Schweine, die nur von einer Wahl zu nächsten schauen und darauf, wie sie ihre Pöstchen sichern können, anstatt ihre Arbeit zu machen.  Aber ich wiederhole mich.

Immer und immer wiederhole ich mich.

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2 Kommentare

  1. Ich habe gerade diesen Blogeintrag mit Interesse gelesen und möchte wegen der Namensgleichheit nur feststellen: Ich heiße zwar auch so, aber das ist Zufall. Der Zeitungsartikel stammt nicht von mir. :-)

  2. *g* Glück gehabt.

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