Auch Reinhold hat seinen Urlaub in Norwegen, wo er unverhofft aufgetaucht war, beendet und ist heimgekehrt. Inzwischen hat er sich allerdings vom Batzlog etwas abgenabelt und geht auch anderweitig auf Suche nach dem benötigten Lebenselixier. Und wenn er nicht fündig wird, fällt er einfach beim Dwarslöper ein:
Die letzten 10 Suchwörter:
Rasiert Sonya Kraus, was ist für mich herbst, geschützte Tierarten, Robert Long Liederbuch, geräusche die ein wütend machen, scheiß Demokratie, Schrowange nackt, Federbetten wie früher, Schäubles Traum, wir werden jetzt daran gemessen was wir im wahlkampf gesagt haben. Das ist unfair.
Neuen Lesern empfehle ich, wie immer an dieser Stelle, auch die Folgen 1-12.
Nach dem Abendmahl waren Reinhold und Mei auf ihr Zimmer gegangen. Zögernd, denn sie wussten, was sie erwartete. Ein Doppelbett.
Bei diesem Gedanken pulsierte es heftig in Reinholds Leistengegend. Eine Nacht mit Mei, in einem Bett. Er schluckte trocken.
Knarrend öffnete sich die Zimmertür. Der Raum roch muffig und war kalt, sehr kalt. Auf dem Bett ein Gebirge von Decken und Kissen. "Ja, mei, Mei" stieß Reinhold hervor. " "schau, doch. Federbetten wie früher. Wie bei meiner Oma." Mei schaute ihn verwirrt an. "Fedelbetten. Was heisst das, Leinhold? " Wieder sprach sie, wie immer, wenn sie aufgeregt oder durcheinander war, das R als L. Das war nichts Neues mehr für ihn.
"Ach, Gschopperl, " antwortete Reinhold sanft." Federbetten enthalten Hühner- oder Gänsefedern, weißt. Und die sind ganz kuschelig warm." Mei entfuhr ein spitzer Schrei. "Oh, Hühnelfedel. Das ist doch gefählich. Wegen Vogelglippe." Reinhold lächelte mild. "Du kleines Schäfchen, du. Die Decken sind doch schon so alt, da gab es noch keine Vogelgrippe. Die sind doch bestimmt noch von den Großeltern vom Almöli. Und der ist auch nicht mehr der Jüngste. So alt sind die. Du musst du keine Angst haben." Mei erschauderte bei der Vorstellung, dass in diesen Betten bereits Generationen von bayerischen Almbauern geschlafen, Kinder gezeugt hatten und gestorben waren.
Reinhold räusperte sich. „Ähm, Mei. Am besten, ich mach jetzt das Licht aus. Wir ziehen uns dann aus und legen uns hin. Ich rück auch ganz an die Bettkante. Musst dich nicht fürchten." Ein Schauer lief ihm über den Rücken. Wieder zuckte es in seiner Leistengegend, wie damals, bei Robert Rankel.
Beide krochen ins Bett. Reinhold hörte alsbald Meis regelmäßige Atemzüge, die darauf hin deuteten, dass sie eingeschlafen war. Er schloss die Augen, fiel in einen unruhigen Schlaf. Im Traum quälten ihn wieder seine Phantasien: er sah die Schrowange nackt, ohne den Tanga wie damals in der Orangensaftwerbung. Nur dass sie diesmal niemanden auspeitschte, sondern ständig rief: „Wer rasiert Sonya Kraus? Wer hat mein Robert Long Liederbuch?" Sie hatte ein Gewehr im Anschlag und zielte auf einen Yeti. Reinhold versuchte auf sie zuzurennen, um ihr die Waffe zu entreißen. " Nein, schrie er, „nein, der gehört zu die geschützte Tierarten"."Den geschützten Tierarten, Reinhold, den. Du bist schließlich kein Holländer." korrigierte ihn die Schrowange kalt lächelnd. Wie oft in Träumen klangen die Worte, als ließe man eine Schallplatte mit einer zu langsamen Geschwindigkeit abspielen. Lang gezogen.Seine Bewegungen wie in Trance, schwerfällig, zeitlupenartig. Er kam nicht an die Schrowange ran. Dem Yeti rannen aus Angst Tränen über das behaarte Gesicht, das dem seinen so ähnlich war, er schluchzte erbärmlich.
Schweißgebadet wachte Reinhold auf. Aus dem Nebenzimmer hörte er lautes Weinen.Verdammt nochmal. Das sind Geräusche die ein wütend machen, so mitten in der Nacht, dachte er. Dieses Jammern ist ja nicht zum aushalten.
Die Stimme kam ihm merkwürdig bekannt vor. Nur wusste er nicht sofort, sie zuzuordnen. „Wir werden jetzt daran gemessen, war wir Wahlkampf gesagt. Das ist unfair." „Scheiß Demokratie." stieß sie zwischen zwei heftigen Schluchzern hervor. Es folgt ein lang anhaltendes Heulen. „Pst, Franz, sei nicht so laut. „ ertönte eine zweite Stimme, du weißt nicht, ob wir abgehört werden." Wieder ertönte ein heftiges Geheul. „Jaaaa, das ist Schäubles Traum. Videokameras und Abhöranlagen überall, selbst auf einsamen Berghütten. Nur damit ihm nichts entgeht."
Die Stimme wurde langsam wütend. „Könnte ja ein Terrorist unterwegs sein, der sich als harmloser Bergwanderer ausgibt und in Wirklichkeit Sprengstoff in seinem Rucksack hat und die Zugspitze sprengen will. Aber vielleicht hat er ja Recht. Da war doch so ein ganz bärtiger Typ zum Schluss rein gekommen mit einer Asiatin, erinnerst dich. Der sah schon recht merkwürdig aus…." Das Weinen war verstummt, Franz hatte plötzlich die Stimme gesenkt, Reinhold hörte nur noch ein Flüstern.
„Mei, das ist ja der Münte." entfuhr es Reinhold halblaut. Mei schrak hoch, blinzelte verschlafen und schaute ihn verständnislos an. „Oh, entschuldige, ich wollte dich nicht wecken. „Aber du hast doch „Mei" gesagt, Reinhold."
„Ach Madel, das sagt man in Bayern halt so. Mei." Die junge Frau wirkte verstört. Wie sollte sie nun wissen, ob Reinhold sie meinte oder einfach nur bayrisch sprach. Das Leben war nicht einfach in Deutschland. Erst die bösen Erfahrungen in Erfurt. Jetzt dieses Abenteuer mit Reinhold, den sie kaum kannte, der sie gerettet hatte, vor einigen Tagen, die ihr wie Monate erschienen. Dieses Abenteuer, von dem sie nicht wusste, wann es enden würde.
Ihr fiel ein Spruch von Konfuse ein: „Was bedeutet mir Sommer? Was ist für mich Herbst? Die Antworten des Lebens findest du nur bei dir, wenn die Zeit gekommen."
Reinhold riss sie aus ihren Gedanken. „Komm, Mei, rasch. Zieh dich an. Wir müssen hier weg. Die halten uns für Terroristen." Die Chinesin schaute ihn aus ihren Mandelaugen fragend an. „Ja, Mei. Ich mein schon dich. Komm. Ich erklär dir später alles. Komm, schnell."
Sie rafften ihre Sachen zusammen, schlichen sich vorsichtig aus dem Zimmer, die Treppe hinab, die leise knarrte, Alles knarrte in diesem Haus. Vorsichtig öffnete Reinhold die Tür nach draußen. Kalte, klare Luft schlug ihnen entgegen, sie traten hinaus. Bevor sich die die Tür ins Schloss fiel, hörten sie den Almöli rufen: „Ist da wer?"
Fahles Mondlicht wies ihnen den Weg in das Dunkel der Nacht. Ein lang gezogenes Heulen erklang. „Das ist nur der Franz" erklärte Reinhold, als er merkte, wie Mei erschrak.„Hier gibt es keine Wölfe".
Irgendwie hatte er sich die Nacht mit Mei im Doppelzimmer anders vorgestellt.
Im nächsten Teil: Wie kommt Münte auf die Berghütte? Wer ist die zweite Stimme? Werden sich Mei und Reinhold retten können? Das alles hängt ab von den nächsten Suchwörtern....Wo auch immer sie gefunden werden
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