Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Arbeiterstandbild

| 5 Kommentare

Auf nix mehr ist Verlass. Nicht mal mehr auf die Proleten. Der deutsche Prolet von heute ist auch nicht mehr, was er früher einmal war.

Früher: da war er organisiert, hatte Ziele und Visionen von einer gerechten Welt, engagierte sich  in der Gewerkschaft und in der SPD. Träumte von Wohlstand und Bildung. Für sich und seine Kinder. Arbeitete hart, sehr hart für sein täglich' Brot.

Und heute: ein heruntergekommenes, dumpfgesoffenes Gesocks läuft durch die Gegend, lümmelt sich vor den deutschen Fernsehern herum, abgestumpft, scheißt auf die Bildung und die seiner Kinder. Lebt von der Stütze und zockt ab. Den Staat und die, die  noch Arbeit haben. Dabei liegt die Betonung auf noch.

Ja, so einfach geworden ist die Welt. Ihr da oben, nicht wahr Herr Gabor , und die anderen hier unten. Ganz unten. Auf die es sich vortrefflich herunterschreiben lässt vom Sitz eines Leiters des Hauptstadtbüros des Spiegels aus. Natürlich haben sie ihre Zeilen etwas vornehmer formuliert als ich. Aber im Kern ist die Aussage gleich, oder?

Da fragen wir auch garnicht danach, wie es zu solchen Dingen kommt wie mangelnde Bildung? Da zitieren wir doch lieber einfach die Amerikaner, die solchen Menschen bereits als "weißen Müll" bezeichnen. Der weggeworfen werden kann. Unwertes Leben vielleicht?

Wir stecken die Gelder, die benötigt werden für Bildung und Forschung doch dann lieber in die Aufrüstung und neue Waffensysteme. Das kurbelt die Wirtschaft an. Wer Probleme im Inland hat, muss den Blick nach außen lenken und den Feind woanders suchen. Das dumme Stimmvieh wird sich schon fügen, wenn es die Bedrohung erkennt.

Bedrohung? Die einzige Bedrohung die ich sehe, sind solche Leute wie Sie, Herr Steingart, und Leute wie die Ackermänner und wie sie alle heissen, die sich die Tasche voll stopfen. Dazu passt doch vortrefflich die Meldung, dass sich die Vorstandsvorsitzenden von Siemens ihre Gehälter mal gleich um 30% erhöhen. Schließlich mussten sie ja schon die letzten drei Jahre am Hungertuch nagen und ihre Frauen zu Aldi einkaufen schicken. Die sollen jetzt auch schon  Lachs im Angebot haben.

Wenn sie beklagen, dass der deutsche Proletarier nicht mehr das ist, was er einmal war, dann gehen sie doch bitte gleich einen Schritt weiter. Schauen sie sich  die Leute an, die diesem Tropf früher den Weg wiesen und an die er glaubte, die Gewerkschaftler und die lieben Genossen der SPD.

Verfressen, verbonzt, verhurt. In Designeranzügen und dicken Autos. Unglaubwürdig bis zum Erbrechen. Nix mehr mit geballter Faust und Arbeitermütze. Wenn die die Faust ballen, dann nur noch, um ihre Pfründe festzuhalten.

Der neue deutsche Prolet: der säuft, glotzt und poppt gern. Deswegen hat er auch soviele Kinder, kassiert das reichliche Kindergeld und sitzt den halben Tag vor dem Fernseher. Sie klagen über die geistige Verwahrlosung, zitieren die TV-Macher, die von dem Unterschichtenfernsehen sprechen. Verdammt nochmal, wer macht den dieses Unterschichtenfernsehen? Ebendiese TV Macher!

Ganze Wirtschaftszweige leben von dem "Pack", über das sie sich so arrogant erheben. Schon im Kinderprogramm werden die Gören mit Werbung verblödet. Wahrer Kinderschutz fängt damit an, dass Kinder vor diesen Einflüssen bewahrt werden. Aber dann fehlt der deutschen Wirtschaft  für die Zukunft der dumme Konsument, der nur noch glotzt, säuft und poppt. Und diesen Mist kauft.

Da beißt sich die Katze aber in den Schwanz, Herr Steingart.

Sie schreiben, es scheint so, als hätte der neue deutsche Prolet sich selbst abgeschrieben. Nein, ihr alle habt diese Menschen abgeschrieben, ihr in eurer Gesellschaftsschicht.

Seien sie froh, Herr Steingart, dass der deutsche Prolet so ist wie er ist. Wünschen sie sich nicht den Proleten der früheren Arbeiterklasse herbei. Der würde ihnen und vielen anderen heute vielleicht mal gerne mal die Fresse polieren.

Ist so ein Ausdruck aus dem Pott, verstehen sie. Ganz proletarisch.

Anmerkung: Die Stichwörter zu diesem Beitrag hatte ich bereits drei Tage auf dem Tisch. Spreeblick hat gestern einen lesenswerten Artikel zu diesem  Thema geschrieben. Ich habe lange gezögert, ob ich mich da noch dranhängen soll.

Aber wenn ich nicht schriebe, würde ich vor Zorn platzen.

Nur noch ein letztes Mal, entgegen meiner vorherigen Ankündigung, habe ich  auf verlinkt.

.

Verwandte Artikel

5 Kommentare

  1. Ach du Scheisse, heute ist wirklich der Tag der Desillusionierten…

    Beim Schwerdtfeger, der auch mächtig scheisse drauf ist/war, musste ich auch schon meinen Teil beitragen.

    Ist es wirklich wieder soweit?

    Muss sich ein Widerstand organisieren?

  2. habe vorhin auch schwerdfeger gelesen. hat mich sehr betrübt gemacht. und gleichzeitig zu wissen, das da so ein borniertes arschloch kluge artikel schreibt bringt das fass zum überlaufen.

  3. Genau das meinte ich ja, es passt alles ins Bild, Dein “White Trash” Vergleich und Schwerdtfegers zwischenzeiliger Weltschmerz (im besten aller möglichen Sinne).

  4. ich bin voller bewunderung für die menschen in Ungarn, die spontan auf die strasse gehen.
    ist es die eigene trägheit, die feigheit, das gefühl von hilfslosigkeit, das uns in deutschland still halten lässt? ich weiss darauf keine antwort.

  5. Ich behaupte einfach (darin bin ich ja gut) es ist die “Angst”, die dafür sorgt, dass Menschen nur noch an sich selbst und ihr eigenes, vermeintliches Wohl denken. Die Angst ihren Arbeitsplatz zu verlieren, oder wenn sie diesen bereits verloren haben, ihr Arbeitslosengeld weiter beschnitten zu bekommen. Die Angst etwas zu sagen, zu schreiben oder sonstwie zu kreieren wofür man verklagt wird, Angst eine Wahrheit zu “verkünden” die man sich finanziell nicht leisten kann.

    Und jetzt ganz neu, die Angst vor Anschlägen der islamistischen Untermenschen.

    Die Menschen in Ungarn oder Frankreich kennen diese Ängste scheinbar noch nicht, oder sie sind “stärker” als die Vaterländler, sie sind noch stark…

    noch…

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*


Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: