Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Aus dem Logbuch des Segelschiffs “Hexe” letzter Teil

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Wir schreiben das Jahr 2006. Es ist Juni. Wie in jedem Jahr um diese Zeit. Die Besatzung des Seeschiffes „Hexe" ist am 09.06.2006 von Neustadt/Holstein aufgebrochen, um neue Welten, un- und auch bekannte Galaxien zu erobern.

An Bord:

1. Oberster Befehlshaber,

2. Schiffskoch:                                         Capitän "K"

Sein Wort ist ungeschriebenes Gesetz.

Niemand darf sich dem widersetzen.

Die Crew:

1.Erster Offizier und Steuermann:             D. Warslöper

2.Schiffsjunge und Vorschoter:                 Dau Ni

3.Spisack, Segelberger, Frühreffer,

4. Handschuhsegler, Hilfskoch:                 Dwarslöper himself

Was bisher geschah ist hier und dort nachzulesen und hier und da.


Allmählich ist der Dampf raus. Die Crew will heim ins Reich. Heimweh. Für den Skipper nur schwer zu verstehen. Trotzalledem wird  die Disziplin aufrechterhalten, und sobald das Schiff Norwegen verlassen hat,  wieder der Seewetterbericht gehört . Um 6.40. Wie, bis auf wenige Ausnahmen, jeden Morgen um diese Zeit. Dau Ni schimpft leise vor sich hin.

Die Zeit des Abschieds ist da. Ton und Loes, die beiden Fremden, die jetzt so vertraut sind, wollen nach Dänemark, zurück nach Skagen. Sämtliche Daumen der Hexenmannschaft werden gedrückt für eine gute Überfahrt.

Das Wetter ist umgeschlagen, es regnet, und auch Gewitter kündigt sich an. Per SMS kommt später die Nachricht, dass sie eine Scheißfahrt mit widerlichem Seegang und viel Wind mit Stärken von 5, 6 und 7 Bft aus West/Südwest hatten. Holland war in Not, Loes seekrank.

Wegen des schlechten Wetters bleibt die „Hexe" noch in Arendal. Der Wind bläst mit 6 Bft aus West.

12.07.2006-14.07.2006 . Wieder laut Wetterbericht 6 Bft angesagt. Im Hafen, der sehr geschützt liegt, ist davon nichts zu spüren. Höchstens 3-4 Windstärken. Daraus wird geschlossen, dass die Vorhersage daneben liegt. Eine trügerische Annahme. Nach verhältnismäßig friedlichem segeln im Innenfahrwasser Richtung Skagerrak bekommen Schiff und Mannschaft zu spüren, was es heißt, diese Warnungen zu ignorieren oder falsch einzuschätzen. Sobald die offene See erreicht wird, geht der Hexentanz los.  Der Hafen Risör wird erreicht mit Blessuren an Schiff und Skipper.

Noch mal mit einem blauen Auge davongekommen Später wird der Dwarslöper erfahren, dass vor Kragerö ein Segler an diesem Tag über Bord gegangen ist. Nur das Schiff wurde gefunden.

Risör ist wohl die schönste der weißen Städte Südnorwegens. Der Aufenthalt dort wird durch die gesundheitlichen Beeinträchtigungen (Bluterguss nach Patenhalse) verlängert. Während der Skipper seine Wunden leckt, erkundet die Crew, die sich aufopfernd um den Kranken gekümmert hat, die Stadt. Erfreut sich an Flohmarkt und Straßenmusik. An Sonne, die zurückgekehrt ist.  An allem.

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15.07.2006 -17.07.2006 Cäpt'n „K" ist wieder halbwegs fit. Der Rückweg wird angetreten. Die Entscheidung, nicht weiter nach Westen zu gehen, erweist sich auch im Nachhinein als richtig. Es gab mehr Aufenthalte als geplant. Nicht unbedingt zur Freude des Skippers. Segler wollen auf dem Wasser sein. Die Crew ist da etwas leidenschaftsloser.

Nächster Hafen: Nevlungham , ein kleiner Fischerort sehr beschaulich, nicht ganz so überlaufen.

Vor Heckanker wird an der Mole angelegt, auf der ein buntes Treiben herrscht. Kinder, die ihre Angeln und Fischkörbe auswerfen.Erwachsene, die ihnen zuschauen. Der Ort ist klein und hyggelig. Hafen und Mole sind Treffpunkt für die Einheimischen. Keine Hektik. Gelassenheit. Idyllisch.

Wegen Starkwindes wird, zur Freude der Dauni-Dwarslöper-Crew, wieder ein zusätzlicher Hafentag eingeschoben.

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18.07.2006. Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Als hätte jemand den Schalter umgelegt, hat der Starkwind von einer Minute zu anderen am abend zuvor plötzlich aufgehört. Die Pferde werden gesattelt, eh, die angeschlagen. Auf nach Sjandefjord, der alten Walfängerstadt. Der Besuch des Walfangmuseums steht auf dem Programm.

Die Stadt war ein zentraler Punkt des Walfanges in den vergangenen Jahrhunderten. Die Entwicklung des Walfanges von der einfachen Harpune zu den heutigen Walfangmethoden macht nachdenklich. Die Tiere haben keine Chance. Der Fang ist industrialisiert worden.

In Sandefjord scheinen die Menschen misstrauisch zu sein. Unter Ankerkette wurde bisher etwas anderes verstanden.

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19.07.2005-21.07.2006. Gleich um die Ecke gewissermaßen liegt der Tjönsbergford. 8 sm entfernt. Ein Klacks, sozusagen. Tipp eines Amerikaners, den die Crew unterwegs kennen lernte, und der sich schon von 17 Jahren von Amerika verabschiedet hat Ein Mann von 75 Jahren, der mit seiner Frau seitdem auf dem Boot lebt und über die europäischen Gewässer schippert.Seine Begeisterung für die Stadt kann nicht so recht geteilt werden. Abgesehen von der Hafenpromenade ein trostloser Ort.   Mit einer  Ausnahmen. Rosa ist diesem Jahr absolute Modefarbe.

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Trotz der zwei Hafentage hier verbessert sich der Eindruck nicht. Allein die Fahrt durch den schönen Fjord war den Umweg wert. Umweg deswegen, weil dieser im Skagerrak beginnt und im Oslofjord endet.

Dau Ni hat mittlerweile Halluzinationen und glaubt, Reinhold auf einem Schiff entdeckt zu haben.

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Es wird  Zeit, dass der Heimweg angetreten wird.

22.07.2006. Über den Oslofjord und den Hankösund verlässt die „Hexe" Norwegen.

Eine faszinierendes Land mit freundlichen, knuffligen Menschen, die sich über den Besuch der Auswärtigen freuten und das auch zum Ausdruck brachten. Keine Ressentiments gegenüber den Deutschen, nicht einmal bei den Älteren, waren zu spüren. Obwohl aufgrund der Geschichte auch dieses verständlich wäre.  Und das binnen bestimmt genauso eindrucksvoll und grandios ist wie butten.

23.07.2006-23.08.2006An der schwedischen Küste entlang führt die Reise das Schiff und seine Besatzung, die noch einmal die Schärenland genießt,

wiederum nach Marstrand und von hier aus ins überfüllte  Skagen.

Die Fahrt unter Motor, weil Wind zu schwach, mit einer alten Dünung aus dem Skagerrak lässt mal wieder keine richtige Freude aufkommen. Mit diesem Gewässer kann sich D.Warslöper , der erste Offizier und Steuermann, wohl nie anfreunden.

Der Heimweg wird an der Küste Jütlands angetreten. Große Aufenthalte sind nicht mehr geplant. Nur das Wetter zwingt noch zur Pausen. So in Fredrikshaven, wo die Crew der Hexe auf Freunde trifft.

Die haben sogar ihr eigenes holländisches Ehepaar im Gepäck.  Das Zusammensein mit diesen vier netten Leuten entschädigt für das schlechte Wetter.Die Kattegatwelle macht allen noch einige Tage zu schaffen, da auch hier Wind und Seegang nicht zu einander passen, und die Schiffe mehr nach Süden eiern und geigen als segeln. Dann, ab dem Einlaufen in den kleinen Belt, wird die Welle wieder angenehmer und auch die Sonne lässt sich wieder blicken. Irgendwann trennen sich die Wege der Schiffe und ihrer Besatzungen.

Jeder  trudelt  seinem  Heimathäfen entgegen. Und gibt dort an wie 'ne Molle Mett. Gefahrene sm Neustadt-Südnorwegen-Neustadt: 1150.

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 Das war die Tour in Südnorwegen:
 

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Und dann waren da noch:

Ein dänischer Segelmacher, der in seinem ersten Leben als Ringer an Olympiaden teilgenommen hat, und das so ganz beiläufig, ohne anzugeben,  erzählt.

Ein junges deutsches Paar, das eine Radtour durch Norwegen bis zum Nordkap gemacht hat. Mal eben so. Andern tut der Hintern schon nach 3 km weh. (schäm)

Und überhaupt: sehr viele nette aufgeschlossene Menschen. Dänen, Norweger, Engländer, Niederländer, Finnen, sogar Deutsche…… und hin und wieder auch Schweden.

Briefkästen der besonderen Art.

PICT4925.jpgPICT4790.jpgPICT4471a.JPGPICT4471.jpgBriefkästen.jpg



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7 Kommentare

  1. Schöner Bericht. Ich sollte unbedingt auch einmal wieder Reisen…

    Habe ich schon erwähnt wie sehr ich pink/rosa verabscheue? ;-)

  2. @pulmoll: gern geschehen :-)
    und
    @toby: freut mich, wenn es gefällt. Wollte zum einem mit dem Bericht die Eindrücke selbst nochmal verarbeiten, zum anderen auch die Leser an dem Erlebten teilhaben lassen. Drücke die Daumen für eigene Reisen.

  3. Hallo. Da habt Ihr ja eine schöne Reise gehabt. Herzlichen Glückwunsch.
    Ich bin auch wieder gelandet. Das Wetter war bescheiden. 2 Tage hatte ich Sonne und dafür keinen Wind. Die restlichen Tage waren Latzhose und Seestiefel angesagt. Fürn gehörigen Sonnenbrand im Gesicht hats trotzdem gereicht.
    Nun ist der Urlaub rum und das Wetter wird zusehens besser.
    Ich glaube das alles nicht.

  4. @einhandsegler: das sind die freuden der segler. das richtige wetter und der richtige wind sind oft woanders, nur nicht da, wo man selbst ist. ich weisse garnicht was besser ist: flaute und sonne oder wind und schietwetter.

  5. Hallo liebe Leute,

    Viele Grüssen vom Höllandisches Ehepaar aus dem Gepäck in Frederikshafen.
    Wir sind inzwischen wieder in der Heimat gelandet und befinden uns auf unseren 125qm…….

  6. @jan und trees: :-) melde mich per mail

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