Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Ent-rüstet

Im Augenblick lese ich Bücher, die schon eine ganze Weile in meinem Regal geschmort haben. Verdammt lange. Ich konnte mich nie dazu aufraffen, sie in die Hand zu nehmen. Gründe dafür fallen mir nicht einmal ein.

Eines davon: " – die programmierte Katastrophe " stammt bereits aus dem Jahr 1980. Verfasser: Abdol Hossein Behrawan. Obwohl schon vor so langer Zeit geschrieben, erscheint mir dieses Buch hochaktuell.

Im Iran ist es ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer nur um eins gegangen: um die Abhängigkeit von imperialistischen Mächten.

Zunächst England und das zaristische , die das Land ausbeuteten. Unter Mitwirkung der damals herrschenden Kadjaren- Dynastie. Ab 1917, nach der Revolution in Russland und dessen Rückzug aus dem Iran, baute England seine Machtposition in dem Land militärisch, ökonomisch und politisch als einzig starke ausländische Macht kontinuierlich aus. 1925 gelangt unter dem Einfluss der Engländer Reza Khan und damit die Pahlewi Dynastie an die Macht.

Nach der Invasion der alliierten Truppen in den Iran wegen dessen Annäherung an Hitlerdeutschland betreten auch die die iranische Bühne, bereit ihrerseits an der Verteilung des Kuchens, sprich der Rohstoffe, teilzunehmen. Ihr Einfluss, wirtschaftlich wie auch militärisch, nimmt nach dem zweiten Weltkrieg permanent zu.

1951 kommt es zur Verstaatlichung der Ölfelder. da sich die Engländer weigern, den Iran angemessen am Gewinn aus der Ölförderung zu beteiligen. 1953 wird die demokratisch gewählte Regierung Mossadegh unter Mithilfe des CIA gestürzt. Der zuvor abgesetzte und ins Exil gegangen Schah Reza Pahlewi, wird wieder auf den Thron gesetzt und zum treuen Verbündeten der Westmächte, allen voran der USA.

Das Land wird aufgerüstet und soll als Stabilitätsfaktor, nach den westlichen Vorstellungen, in der gesamten Golfsregion dienen. Die Lage der Bevölkerung im Iran, die Unterdrückung, die Bespitzelung durch den Geheimdienst SAVAK, die Folterungen spielen für die Westmächte keine Rolle.

Wenn ich dem Autor des Buches Glauben schenken darf, sollte in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts das Schah-Regime sogar in Lage versetzt werden. Ich zitiere:

durch Belieferung mit spezifischen Technologien und nach Abschluss bestimmter Verträge im eigenen Land über Atomwaffen zu verfügen.

Darüber hinaus erwarb der Iran eine Beteiligung an dem Projekt Eurodif, das unter der Federführung Frankreichs mit Beteiligung der Benelux-Länder, Spaniens und Italiens den Bau einer großen Urananreicherungsanlage nach dem Gaszentrifugenverfahren betreibt. Die iranische Beteiligung schließt das Anrecht auf Belieferung mit angereichertem Uran ein, so dass der Iran, sobald die Anlage von "Eurodif" voll ihren Betrieb aufgenommen hat, über das zum Bau von Nuklearwaffen benötigte Plutonium verfügen kann."

Die Vertreibung des Schahs 1979 durch die im Wesentlichen durch die iranische Bevölkerung betriebene Revolution und die Machtübernahme durch Chomeini verhinderten die Verwirklichung dieser Pläne.

Die Vorstellung, die Westmächte hätten ernsthaft darüber nachgedacht, dem Iran den Bau von Atomwaffen zu ermöglichen, solange ein ihnen genehmes Regime an der Regierung ist, bringt mich in Rage.

Dieselben Staaten, die jetzt mit erhobenem Finger und Drohgebärden das Land unter Druck setzen, mit militärischen Maßnahmen drohen, mit Zuckerbrot und Peitsche. Geht es wirklich um Menschenrechte, um eine Bedrohung, die vom Iran ausgeht oder nicht eher um Einflussnahme und Vormachtstellung, um Rohstoffe?

Nur noch zur Klarstellung: Ich bin kein Freund des jetzigen Regimes im Iran. In dem vorgenannten Buch wurde auch beschrieben, wie betrogen die Menschen dort sind von der "islamischen" Revolution. Wie die Pressefreiheit, die Menschenrechte, die ersehnten demokratischen Grundrechte kurz nach der Machtübernahme der Mullahs wieder eingestampft wurden.

Aber dass sich ausgerechnet die westlichen Staaten, die sich einen Dreck um diese Menschen gekümmert haben, solange der Schah herrschte, zu Freiheitsengeln und Weltenrettern aufschwingen, ist eine Farce. Schlicht und ergreifend.

Habe soeben diesen interessanten Link gefunden.

Kommentare

Alles absolut richtig!

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