Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Ein Herz für Afrika

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Nichts ist so alt wie die Nachrichten von gestern. Oder die Lottozahlen. Und wer erinnert sich noch an abgehalfterte Politiker.

Wie Heide zum Beispiel. Vor einigen Wochen berichtetete die HAZ in einem Artikel über den Jahrestag des "Sturzes" von Heide.

Nach dem Motto: auch aus dem kalten Kaffee von gestern lässt sich noch ein heißes Getränk machen, wurde in epischen Breiten über den "Verrat" und ihre Leidenszeit danach berichtet. Ich war zu Tränen gerührt.

"Ein halbes Jahr habe ich richtig durchgehangen" so Heide Simonis. Obwohl ihr Ehegatte sie aufgefangen hat nach der Pleite der Wahl. Drei Wochen Urlaub in der Toskana, Kulturprogramm mit Konzerten, Kino- und Museumsbesuchen. Heide besucht Computerkurse, macht Handarbeit, geht ins Fitness-Studio. Alles, um den Verlust des Arbeitsplatzes verschmerzen zu können.

Liebe Heide Simonis, das ist wirklich alles sehr tragisch. Aber worüber jammerst du eigentlich? Gut, du hast die Macht verloren. Lange genug dran geklebt hast du ja. Fällst du nicht auf ein verdammt gutes Polster? Finanziell abgesichert. Keine Existenzsorgen. Mal eben zur Abwechslung in die Toskana.

Kannst du annähernd nachempfinden, was ein normaler Bürger fühlt, der seinen Arbeitsplatz verliert, keine Arbeit mehr bekommt und nach einem Jahr Hartz IV beantragen darf? Hast du einen blassen Schimmer davon, was es heisst, sich auf Ämtern von schlechtmotivierten Sachbearbeitern behandeln zu lassen wie der letzte Arsch. Auf die Bewilligung des Antrages und damit auf Geld mehr als 10 Monate warten zu müssen, hast du eine Ahnung davon? Kennst du das Gefühl, aussortiert zu sein aus dieser Gesellschaft, als Sozialschmarotzer abgestempelt. Kinobesuche? Wovon? Das Geld reicht gerade mal zum überleben. Weißt du, wovon ich rede?

Nein. Du jammerst auf hohem Niveau.

Aber du bist einsichtig. "Ich bin da jetzt durch" Klar, kannst du ja auch. Schließlich darfst du wieder in die Öffentlichkeit, als Deutschland-Vorsitzende des UN-Kinderhilfswerks. Wie edel. Wie edel.

Zitat aus der HAZ:

"In dieser Funktion wirbt sie um , lässt Schulen in bauen (?), kämpft gegen die Beschneidung von Mädchen und tourt durch die Elendsgebiete dieser Welt."

Ja, die Wortwahl passt. Tourt durch die Welt. Macht sich immer gut, mit einem kleinen, verhungerten Negerkind im Arm fotografiert zu werden. Machen die Touries auch. Für's Fotoalbum zu Hause. "Kumma, Omma, da warn wer in Okowongo bei die Schwatten. Kumma, da die Elsbeth, mit dat Negerkind. Isset nich süß?"

Öffentlichkeit muss sein, ist klar. Nur für wen? Geht es dir wirklich um die Armen dieser Welt, Heide. Oder ist es einfach die Gier, selbst im Blickpunkt zu stehen. Sei ehrlich, sag einfach ja.

Und nun tanzt du auch noch für einen guten Zweck. Am 3. April auf RTL. Einen Großteil deiner Gage willst du UNICEF spenden. So stand's geschrieben.

Tja, und schon wieder bin ich bei den Arbeitslosen. Die dürfen auch tanzen. Antanzen. Bei den Ämtern. Und nach der Pfeife der Sesselfurzer, die da sitzen. Gegen ihre Beschneidung, die ihrer Würde, kämpft hier keiner.

Ach, eine Frage hätte ich noch, liebe Heide. Was machst du mit dem Rest deiner Gage? Urlaub, mit den Kumpels von der Toskanafraktion?

Und abends, am Lagerfeuer, schwelgen in Erinnerungen an die gute alte Zeit, und dann diskutiert ihr über das Thema: Links reden, rechts leben.

Gut, dass wir ein stückweit darüber geredet haben.

Kommentare

Ja ist denn die Frau schon wieder aus der Klapse? http://grotesk.blogg.de/eintrag.php?id=27
Ist wohl jetzt als IchAG auf Tour.

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