Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Zurück aus der Vergangenheit

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Beim Besuch der lieben Familie im Ruhrpott gleichzeitig auch auf Spurensuche gewesen.

Die Gegend in Duisburg, in der ich aufgewachsen bin, wurde teilweise plattgemacht. Ein großes Gewerbegebiet ist heute dort angesiedelt. Die Straße, in der ich als Kind gewohnt habe, existiert nicht mehr. Ein Supermarkt steht da, wo sich unser Haus befand. Das "Flüchtlingshaus" wie es damals von den Einheimischen genannt wurde. Liebevoll wurden wir, selbst die später Geborenen, auch als Polacken bezeichnet.

Zu Anfang durften die Kinder der Alteingessenen mit uns nicht spielen. Das hat sich später gegeben. Stets aber waren wir bemüht uns anzupassen, teilweise bis zur Selbstverleumdung. Nur um zu beweisen, das wir auch etwas wert sind. Diese Einstellung hat mich später noch lange begleitet. Zu lange.

Vielleicht bin ich deswegen heute oft so zornig, wenn ich auf Ungerechtigkeiten und Diskriminierung Schwächerer stoße. Es gibt Dinge im Leben, die lassen sich nie ganz ablegen.

Auf Spurensuche. Ich stand orientierungslos vor dem Supermarkt, versuchte Straßenzüge auszumachen. Anhaltspunkte zu finden. Hoffte auf ein kleines Erkennen. Da, der alte Bunker steht noch. Wie immer. Bunker bleiben stehen. Man kann ja nie wissen. Ich hatte ihn viel größer in Erinnerung. Für Kinder ist alles sehr groß.

Traurigkeit, Verlorenheit. Kein Erkennen, nicht sagen zu können: "Schau, dort habe ich gespielt. Und da haben wir eingekauft, an der Ecke war die Kneipe, in die meine Eltern hin und wieder gingen. Wenn das Geld nicht zu knapp war. Aber eigentlich war das Geld immer knapp." Krampfhafte Erinnerungsversuche.

Nein, ich will diese Gegend nicht glorifizieren. Es war ein der dreckigsten in ganz Duisburg. Wenn wir aus der Haustür kamen, liefen wir geradewegs auf die Kupferhütte zu, deren Staub die Straßen rot färbte. Der Dreck ließ uns nur schwer atmen, und oft genug tränten morgens auf dem Schulweg die Augen, wenn des Nachts wieder einmal die Schornsteine freigeblasen wurden. Ohne Filter, versteht sich.

Ach hör auf, sentimental zu sein. Es ist gut, dass es die Hütte nicht mehr gibt und Kinder nicht mehr unter diesen Bedingungen aufwachsen müssen. Wenigstens hier nicht mehr.

Und doch macht sich Wehmut breit, vorübergehend zumindest. Ein Teil meiner Kindheit scheint unwiderruflich verlorengegangen zu sein.

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