Dank des BatzLogs ist Reinhold wieder an die Lebensader angeschlossen. Google-Suchwörter sichern weiterhin seine Existenz.
Was bisher geschah: Ein zufälliges Treffen von Laurenz M. und Reinhold M. auf der Schneekoppe löst bei letzterem eine schwere Lebenskrise aus. Er versucht bei seinem Ex-Freund, Robert R. aus Erfurt Hilfe zu finden, was jedoch nicht ganz gelingt. Robert händigt Reinhold zwei Umschläge aus. Irritiert verlässt dieser seinen Freund. In den Umschlägen befinden sich Zettel. Auf dem einen befindet sich eine geheimnisvolle Botschaft. Auf dem Weg zum Bahnhof von Erfurt rettet Reinhold die Chinesin Mei Lin vor wütenden Damen des horizontalen Gewerbes, die eine Konkurrenz befürchten. Sie besteigen beide den Zug in Richtung Berge, Schneekoppe. Durch dumme Umstände landen die beide in Hamburg, wo sie den nächsten ICE nach München nehmen. Zu ihnen ins Abteil steigen Peter L. und Edmund St., die von einem Seminarbesuch kommen. Nach längerer gemeinsamer Fahrt, mit vielen Irrungen und Wirrungen, erreichen alle vier München, wo sich Reinhold und Mei von den beiden verabschieden, um sich ein Zimmer zu suchen und landen in der Pension "Tokio Hotel" . Dort taucht plötzlich auch Stoiber auf und faselt unverständliche Dinge über Angela Merkel. Reinhold kann ihn nur mit Mühe aus dem Zimmer drängen. Er beschließt gemeinsam mit Mei, München am nächsten morgen so schnell wie möglich zu verlassen. Siehe auch „Der Berg groovt 1-6“
Die Sonne fiel durch den Spalt der Gardine und tauchte Reinholds Gesicht in goldenes Licht. Es kitzelte in seiner Nase. Er nieste und wurde wach. Sein Blick schweifte im Zimmer umher, er wusste zunächst nicht, wo er war. Allmählich kam die Erinnerung zurück. Tokio Hotel. So hieß diese Pension Schlagartig fielen ihm Stoiber und sein irres Verhalten am gestrigen Abend ein. Auch drängten sich die peinlichen Bilder von Bill Kaulitz in sein Gedächtnis, die Stoiber ihm gezeigt hatte. Und dessen Behauptung, hierbei handele es sich um Angela Merkel.
Es hatte ihn viel Mühe gekostet, Edi endlich aus dem Zimmer zu drängen. Ach, was soll's, dachte er. Ein neuer Tag beginnt. Think positive. Heute verlassen wir diese elendige Großstadt München und fahren weiter, Mei und ich. Plötzlich durchfuhr ihn ein schrecklicher Gedanke. Was ist, wenn Mei mich nicht länger begleiten will? Was ist, wenn sie hier blieben will, in der Stadt? Hier wo das Leben ist? Wo Stars wie Bill Kaulitz auftreten. Wer zum Teufel ist Bill Kaulitz, schoss es im nächsten Augenblick durch seinen Kopf. Erst diese Bilder und nun das. Wo hatter er diesen Namen denn plötzlich her? „Verdammte googelei.“ grummelte er.
Er strich sich mit einer Handbewegung über die Stirn, so als wolle er die trüben Hirngespinste verscheuchen. Mit einem Satz sprang er aus dem Bett und betrat das kleine, aber saubere Badezimmer. Aus dem Spiegel blickte ihn ein Gesicht an, das er fast nicht erkannt hätte.
" Ach, Reinhold, du bist's" sagte er zu sich und bemühte sich um ein Lächeln. Er betrachtete sich genau. Eigentlich wäre es an der der Zeit, sich zu rasieren. Sein Gesicht war fast zugewachsen, er sah dem Yeti schon sehr ähnlich. Ein Plakat fiel ihm ein, dass er auf einem Bahnhof bei einem Zwischenstopp gesehen hatte. Auf großen Lettern stand hatte dort gestanden: Schnauzbärte unmodern. Erkennen sie den Zug der Zeit. Ihre Bahn.
Er betrachtete sich erneut. Na ja, Schnauzbärte vielleicht, aber so ein richtiger Vollbart ist doch schon was anderes. Außerdem, er wollte ja niemandem gefallen. Er war ein Eigenbrödler auf der Suche nach sich selbst.
Während er sich wusch vernahm er plötzlich die schrille Stimme einer Frau. Sie kreischte und heulte. Wortfetzen drangen an sein Ohr. Der Lärm schien von der Strasse zu kommen.
„Mama Fenster Schwester Bett Beule.“ Dann eine Männerstimme: „Na und? Ich hab ihnen alle beide eine geknallt, Manniac. Die Schlampen haben es nicht anders verdient.“ Das Kreischen der Frau war in jämmerliches Schluchzen übergegangen „ Reinhold stürzte ans Fenster, riss dieses auf und spähte hinunter. Dort war eine große Menschenmenge versammelt. Er befürchtete das Schlimmste. Erst auf den zweiten Blick sah er die Kameras. Offensichtlich wurde dort unten vor der Pension ein Film gedreht.
„Aus, Aus.“ Die Darsteller ließen voneinander ab. Die Frau, die geschrien hatte, drehte sich in diesem Moment um. Ihm stockte der Atem. Sonja Kraus, dachte er. Natürlich, das war Sonja Kraus. Er erkannte sie an ihrer Blondierung. Bei Robert Rankel im Wartezimmer hatte er ihre scharfen Bilder in einer Zeitschrift gesehen. Ganz heiß war ihm geworden. Zumal er sich sowieso gerade in einer Krise befand. Ausgelöst durch dieses blöde Schnappi Lied und der Suppe von Laurenz Meier. Sexphantasien beherrschten ihn seitdem. Sein Blut war in Wallungen geraten. Gebannt folgte er dem Geschehen auf der Straße.
Der Regisseur war außer sich und brüllte den Schauspieler, der den Manniac mimte, laut an: „Wat denn, wat denn. Detlev Buck, wa? Meinst wohl, du musst spielen wie Buck? Bis wohl größenwahnsinnig jeworden, Männecken? Wir drehen hier nen einen Streifen für RTL. Kein Hollywood. Vorabendsendung.“
„Also, noch mal det janze.“ Der Regisseur seinerseits hielt sich allerdings für den größten Künstler unter der Sonne. Seit er in einer Schülerzeitung einen Artikel von Edgar Allen Poe gelesen hatte, war er besessen von der Idee, Filme zu drehen. Er hatte seine Job bei der Beschwerde Hotline von DHL aufgegeben, ein letztes Mal die Nr. selbst gewählt und dann ins Telefon geschrieen: „Macht euren Dreck doch allene. Ihr Pfeifen.
Vergnügt ein Lied aus seinen Kindertagen singend begann er den Aufbruch zu neuen Ufern: „Matten matten Mähren…
Alles das konnte Reinhold nicht wissen. Es hätte ihn auch kaum interessiert. Dieser Berliner widerte ihn an. Er schloss das Fenster und streifte Hemd und Hose über. Ein letzter Blick glitt durch den Raum, dann öffnete er die Tür und begab sich zu dem Zimmer, in dem Mei wohnte. Sein Herz klopfte heftig. Als hätte sie ihn erwartet, trat sie auf den Flur. Sie sah verängstigt aus. „Ja mei, Mei. Was hast’ denn? „ Ihre Blicke trafen sich. Er merkte, wie er errötete. „Sprich doch, Mei.“ Mei schmiss sich ihm an die Brust. „Oh Reinhold, ich habe so furchtbar geträumt. Die ganze Nacht nur die schrecklichsten Bilder vom Teufel.“ Sie war verstört. „ Na, Mädel. Musst dich nicht fürchten. Träume sind Schäume, gell?“ Mei verstand das deutsche Sprichwort nicht. Reinhold umfasste sie fester. „Lass uns gehen, Mei. Weg aus dieser Stadt. Unser Weg weist in die Berge. Du weißt. Denk an Konfuse, Mei. Hilf mir, die Erleuchtung zu finden.“ Die junge Frau nickte, sie hatte sich beruhigt in Reinhold Armen. Gemeinsam gingen sie die Treppe hinab, auf die Straße hinaus. Nur kurz drehte sich Reinhold um und blickte noch einmal zu Sonja Kraus.
In seinen Augen war kurz ein wollüstiges Flackern. Er nahm Mei an die Hand und winkte einem Taxi.
Der Wagen hielt mit quietschenden Reifen. „ Richtung Berge, bitte.“ Reinhold lies sich neben Mei in die Polster fallen. Der Fahrer gab Gas…..

