Ja, ich gebe es zu. Ich habe ihn mir angesehen. Im Ersten. Den großen Zapfenstreich für Gerd. Schließlich habe ich den Mann gewählt. Damals.
Rolf Seelmann-Eggebrecht berichtete wie sonst nur aus Königshäusern. Mit leiser Stimme. Spannung aufbauend.
Die Türen des hannoverschen Rathauses öffnen sich. Heraus treten Schröder, neben ihm Peter Struck sowie einige Herren der Bundeswehr. In deren Diensträngen kenne ich mich nicht aus. Sind mir letztendlich auch wurscht. Ich stutzte. Struck macht Kaubewegungen. Hat er den letzten Bissen des letzten Abendmahles noch im Mund?
Die Herren gehen zum vorbereiteten Podest, posieren sich dort, und dann geht das Spektakel los. Fackelträger, Kommandos, Marschmusik. Zumindest klingt es so. Auch wenn es sich um Mackie Messer handelt. Bei uns klingt es immer wie Marschmusik.
Tschingdarassabum. Schröders mühsame Fassung verliert sich beim letzten Lied. "My Way"
Er kämpft mühsam gegen die Tränen an. Ja, Gerd. Das war's denn wohl. Ich empfinde keine Schadenfreude.
Nach Absingen der Nationalhymne wird der große Zapfenstreich für beendet erklärt. In die eintreten Stille höre ich das "nag, nag" einer Ente von den angrenzenden Maschteichen. Ich muss lachen. "Nag, nag".
Herr Seelmann-Egebrecht kommentiert, immer noch mit gedämpfter Stimme, die letzten Bilder. "Der Kanzler verabschiedet sich von den anwesenden Mitstreitern. Müntefering, Herbert Schmalstieg….. Wir können nur darüber spekulieren, was der Bundeskünstler, äh, -kanzler in der Zukunft machen wird…..
Bundespräsident Horst Köhler hat Schröder für seine Arbeit gedankt. Er habe sich bleibende Verdienste um unser Land erworben."
Warum muss ich bei diesen Worten an den Passus denken, den Arbeitgeber ihren scheidenden Arbeitnehmern gern ist Zeugnis schreiben:
"Herr Sch. war stets bemüht, die ihm übertragenen Arbeiten zu unserer Zufriedenheit auszuführen."


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