Es gibt eine Firma, die mit einem ganz tollen Slogan Werbung macht. Früher hat diese Firma auch noch damit geworben, dass sie so ausnehmend gutes, qualifiziertes, fachkundiges und kundenfreundliches Personal hat. Das war geil
Man achte darauf: die Betonung liegt auf früher. Nun gut, ich bin ja auch schon in einem Alter, in dem man hin und wieder sentimental wird und seufzt: ja, ja, damals. Damals war alles besser. Das Gras war grüner, der Schnee weißer, die Verkäufer netter und überhaupt. Nur die Politiker waren schon immer das, was sie auch heute sind. Aber das tut hier nichts zur Sache.
Besagte Firma wirbt in Zeitungen, im Fernsehen, im Internet mit ihrem Spruch und ihren tollen Preisen. Am 15.11. war auf der Webseite des Unternehmens ein Wäschereinigungsgerät für nur 269,00 Euro abgebildet mit dem merkwürdigen Namen Gorenje. Namen sind Schall und Rauch, wie wir alle wissen. Mich erinnerte dieser jedoch an einen holländischen Alleinunterhalter. Im Geiste sah ich ihn auf die Bühne tänzeln und mit einer Waschmaschine ein lustiges Lied singen. Uppps, das war ja Günther Jauch. Na ja, egal.
Zurück zu dem Angebot. Eingehend die technischen Daten geprüft, Preis-Leistungsverhältnis gecheckt, und da ich in Berlin war, beschlossen: det Ding gucken wa uns ma an. Vor Ort. Sozusagen von Angesicht zu Angesicht. Zumal man bei dieser Firma ohnehin nicht online bestellen kann. Merkwürdig zwar, aber es gibt noch ungeklärte Rätsel auf dieser Welt.
Jesacht, jetan. Wir also mit der U-Bahn zum Alex. Einladendes Viertel. Wirklich. Und alles so schön bunt hier. Im Laden in die entsprechende Abteilung begeben. Haushaltsgeräte. Mit großen, suchenden Augen umhergespäht. Keine Gorenje. Womöglich gerade ein Engagement? Im holländischen Fernsehen? Wir schauten uns fragend an.
Mitten in unsere Ratlosigkeit platzte eine Verkäuferin. Mit typisch "Berliner Charme", d.h. rau aber herzlich, fragte sie nach unserem Anliegen. "Ähm, wir haben da im Internet…" bei diesem Wort zuckte sie förmlich zusammen.“….wir haben im Internet auf ihrer Webseite ein Angebot für eine Waschmaschine gesehen. Für 269,00 Euro. Gorenje. Haben sie die da?"
"Wat, für sweihundertneunundsechzich? En Anjebot? Nee, ham' wa nich hier. Höchstens im Lager. Müsst ick ma nachfran. Also, ick würd ihn davon abraten, sone billje Maschine zu koofen. Die taugen doch nischte. Nehmse doch lieber wat teureres, wat jutes. Hamse länger Freude dran."
Ich merkte, wie meine Halsschlagadern leicht anschwollen. "Ach wissen sie, meine letzte teurere Maschine war auch sehr reparaturanfällig, und gehalten hat sie nicht mal 7 Jahre."
Die Verkäuferin warf mir einen Blick zu, als hätte ich ihr gerade einen unsittlichen Antrag gemacht, oder käme von einem anderen Stern. Mich traf Verachtung. "Wat denn. Mehr als sieben, acht Jahre solln die Dingers doch och nich halten, wa? Watten nu, soll ick nu kucken?" Ich nickte verhalten.
Mit mürrischem Gesichtsausdruck drehte sich die "Dame" um und ging zum Computer. Was heisst hier ging. Sie schlenderte. Eine Rennschnecke ist dagegen ein Ferrari. Wir warteten. Und warteten. Hörten angeregte Gespräche und Gelächter aus der Info-Ecke, in die sich unsere nette Bedienung begeben hatte. Nur ein Ergebnis erhielten wir nicht.
Als wir nach einer Weile nachschauten, ob ihr eventuell etwas zugestoßen sei, sah ich sie stehen. Gelangweilt, sich mit ihrer Kollegin unterhaltend, und es sah nicht so aus, als würde in den nächsten drei Stunden eine Nachricht zu uns dringen. Wir beschlossen, nicht länger in diesem gastlichen Hause zu verweilen, nicht ohne vorher der Verkäuferin mitzuteilen, dass wir auf eine Auskunft verzichteten. Ein abfälliges Augenverdrehn war die Reaktion. "Na, denn nich." war das letzte was wir hörten.
Liebes Unternehmen, ich hab da mal eine Frage. Wozu macht ihr denn überhaupt diese sagenhaften Angebote auf eurer Webseite, wenn diese Artikel dann im Laden nicht zu bekommenen sind und dann noch von dem Personal in Grund und Boden gepriesen werden.
Ich schlage vor, ihr ergänzt eure Werbeaussage um folgenden Passus:
"Unsere wahnsinnig billige Maschine ist ein solcher Schrott, dass wir ihnen anbieten, diese nach dem Kauf direkt für sie zu entsorgen. Allerdings müssen wir ihnen dafür eine kleine Gebühr von lediglich 50,00 Euro berechnen. Ist das nicht geil?"
Meine Antwort darauf: Ich bin doch nicht blöd."

