Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Höhere Gewalt

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Im großen Weltengetriebe ist der Mensch nur ein kleines Rädchen. Machtlos gegenüber den Naturgesetzen und -gewalten, trotz seiner Technik, seiner Erfindungen, von denen er glaubt, sie machten ihn zu Krone der Schöpfung.

In bestimmten Augenblicken wird ihm dieses immer wieder schmerzhaft vor Augen geführt. Seine scheinbare Überlegenheit schrumpft auf ein Minimum. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die der Mensch nicht versteht. Sie überschreiten seinen Horizont. Bestimmter Ereignisse wird er nicht Herr.

Ein kleines Beispiel soll das vorgenannte verdeutlichen.

Jeder von uns kennt den Moment, in dem man sich umschaut in seiner Wohnung und denkt: Hm, hier müsste eigentlich wieder einmal Staub gewischt werden. Ein grauer Schleier liegt auf den Möbeln wie Nebel über den Wiesen an einem kalten Herbstmorgen.

Mehr oder weniger gut gelaunt ob dieser Erkenntnis greift der Homo sapiens zum Tuch, oder was auch immer zur Beseitigung der Staubschicht dienen soll. Gern werden hierfür auch ausrangierte Unterhosen genommen, aber das nur am Rande.

Mit wachem Blick und bedächtigen Bewegungen, um, wie der Volksmund es so treffend formuliert, nicht noch mehr Staub aufzuwirbeln, schreitet er zur Tat. Auf leisen Sohlen nähert er sich dem zu reinigenden Objekt, wie ein Jäger auf der Pirsch. Fixiert das Ziel, streicht vorsichtig über die Fläche, tut alles Menschenmögliche, den Staub im Putzlappen zu bändigen. Und dann geschieht es.

Um den Agierenden herum schweben in den durch die Fenster hereinfallenden Sonnenstrahlen Tausende, Millionen, Milliarden, Billionen kleiner und kleinster Staubpartikel. Husch, wie auf ein Kommando steigen sie in die Lüfte. Wirbelnd, tanzend. Ein grandioses Schauspiel.

Und der Mensch steht da. Mit ziemlich dämlichem Gesicht, den Lappen in der Hand. Sieht die kleinen, flirrenden Teilchen im hellen Licht. Glaubt, sie kichern zu hören. „He, Jungs, guckt doch mal. Guckt doch mal, wie der guckt. Prust. Er schafft es einfach nicht. Der fällt doch immer wieder darauf rein. „ Sie scheinen ihm eine lange Nase zu drehen. „Nä nä nä nä nä nääääääää! “

Die Stirn legt sich in steile Falten, der Blick verfinstert sich, der Ehrgeiz wird angestachelt. Mensch überlegt sich eine andere Taktik. Einen Sprühreiniger. Vernichtung mit feuchtem Tuch. Der Erfolg? Einige wenige Feinde erledigt. Der Rest tanzt. Im Sonnenlicht. Kichernd. Auf dem betreffenden Möbelstück ein grauer Schmierfilm. Nicht wirklich das gewünschte Ergebnis. Das Menschlein kämpft, will nicht aufgeben, sich nicht besiegen lassen, will seine Genialität unter Beweis stellen und wischt und wischt und wischt….

Irgendwann redet es sich ein: „So, das reicht für heute. Sieht ja schon viel besser aus.“ Erschöpft von der Jagd fällt es, verschwitzt, in den Sessel. Ein müder Krieger, den alsbald der Schlaf übermannt.

Derweil lassen sich die kleinen Teufel, des Tanzens überdrüssig, auf ihrem angestammten Platz nieder. Ein breites Grinsen im Gesicht. Lassen sich nieder, drängeln sich zusammen, kuscheln sich aneinander.

Unser „Held“ glaubt zu träumen, als er ein zufriedenes Schnurren vernimmt.

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