Angesichts des verregneten, grauen Herbsttages hier eine kleine Geschichte, die, unter Verwendung von Google-Suchwörtern, im letzten Jahr entstanden ist.
Der Himmel über Graubünden war grau und verregnet
Typisches Depressionswetter. Eigentlich wollte ich mit den Dreharbeiten zu meinem Film beginnen, eine dokumentarische Beschreibung des Lebensweges von Salvatore Dali, dem bedeutenden spanischen Maler. Ich interessierte mich seit meiner frühesten Kindheit für diesen Menschen, und bewunderte seine Werke. Im Stillen hoffte ich auf einen großen Erfolg meines Films, ich hätte mir doch auch so gern einmal ein Bild des Künstlers geleistet, und dazu brauchte ich Geld, viel Geld.
Was lag da näher, über das Objekt meiner Begierde einen Film zu drehen, der mir nun endlich den großen Durchbruch verschaffen sollte.
Meine bisherigen Arbeiten waren bei der Filmkritik samt und sonders durchgefallen.
Es handelte sich auch hierbei stets um Dokumentarfilme, dieser Sparte gehörte mein Herz. Doch beim Publikum kamen Berichte über chronisch unterfickte Delphine nicht so recht an. Niemand erkannte die Brisanz dieses Themas. Obwohl ich die Skizze der Bedrohung drastisch ausmalte, um aufzuzeigen, wie wichtig es war, hier Abhilfe zu schaffen, damit der Bestand dieser Tiere nicht noch weiter schrumpfte.
Die Leute waren für diese Problematik blind. Die Kritiker prügelten auf mich ein und das Sindelfinger OrtsBlatt SOB sprühte Gift und Galle in seinem Feuilleton.
Das schlimmste war, dass ich mein ganzes Geld in dieses Projekt gesteckt hatte und nun kurz vor dem finanziellen Aus stand. Eine Weile versuchte ich mich, mit dem Verkauf von Rezepten von Sauerbraten an Restaurants über Wasser zu halten. Aber auch damit hatte ich kein Glück. Immer mehr dieser Lokale waren von der Pleite bedroht, seitdem sie Sauerbraten nach meiner Anleitung zubereitet hatten. Und nun verfolgten mich die Gastwirte mit Schadensersatzforderungen. Meine Situation war aussichtslos. Nach und nach war ich gezwungen, Teile meiner Wohnungseinrichtung zu verscherbeln, darunter auch den alten Schirm meiner Nachttischlampe, den ich von meiner verstorbenen Großmutter geerbt hatte. Seitdem hüllte ich Seidenpapier zur Abdeckung des grellen Lichtes um die nackte Birne. So erhielt ich wenigstens noch einen kleinen Hauch von Gemütlichkeit in meiner sonst so kahl gewordenen Wohnung.
Mein Herz schlug höher, als ich der Zeitung, die ich meinem Nachbarn heimlich aus dem Briefkasten zog, eine Ankündigung las, das RTL eine neue Improvisationsshow ins Programm genommen hatte. Es waren 50000,– Euro zu gewinnen. Das war meine Chance. Ich besorgte mir aus Hamburg eine ausrangierte Katzenmaske am dortigen Theater. Seit dem Cats so erfolgreich lief, und die Darsteller gelernt hatten, sich selbst kunstvoll zu schminken, lagen diese Masken zuhauf in der Requisite. Man war froh, wenn das Gerümpel nach und nach verschwand. Meist wurden diese Masken jedoch aus der Unterwelt angefordert, wenn mal wieder ein Banküberfall anstand. Aber das nur am Rande.
Meine Bewerbung als Teilnehmer bei der Show war erfolgreich. Ich hatte mir etwas ganz Tolles ausgedacht. Angetan mit meiner Katzenmaske und einem alten Flokati als Katzenfell schlich geschmeidig ich über die Bühne und sang dabei das Lied „Ich hatte einen Kameraden“. Ich wollte damit die Einsamkeit der Katzen darstellen, die keine Rudeltiere sind wie die Hunde. Ich schnurrte, miaute und sang. Da ich nicht mit der Gabe der Musikalität gesegnet bin, kam mein Gesang dem Schreiben rolliger Katzen sehr nahe. Zunächst tobte das Publikum vor Begeisterung und ich fühlte mich schon wie Alice im Wunderland. Doch im Übermut überzog ich die Vorstellung ein wenig, als ich begann, das Revier zu markieren, wie es die Kater tun. Ich spritzte in den Zuschauerraum. Plötzlich flogen Gegenstände auf die Bühne, stürmten wütende Zuschauer auf mich zu. Der Showmaster sah sich gezwungen, die Show abzubrechen. Einen solchen Tumult hatte es im Fernsehen seit langem nicht mehr gegeben.
Jetzt hatte ich also auch noch RTL am Hals. Mir blieb nichts anderes übrig als die Flucht. Ich schnappte mir meine Super 8 Kamera, das letzte wertvolle Stück, das ich noch besaß, rannte zum Bahnhof und fuhr nach Graubünden."

