Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Körpersprache

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Seit einigen Tagen machten sich meine Bandscheiben bemerkbar. Nungut, ich gebe zu, ich habe meine Krankengymnastik vernachlässigt

Aber deswegen gleich dermaßen rumzuzicken. Nee, hätte ich nicht gedacht. Also begab ich mich auf meine Turnmatte, rief mir alle Entspannungs-, Dehn- und Streckübungen ins Gedächtnis und begann. Meine Bemühungen waren nicht groß von Erfolg gekrönt.

Sind die Sehnen zu kurz? Oder meine Arme? Ich keuchte förmlich vor Anstrengung. Erschöpft von den ersten Versuchen versetzte ich mich in einen Entspannungszustand. Irgendwann mal gelernt, autogenes Training.

Mit geschlossenen Augen machte ich mich auf den Weg durch meinen Körper, um mich bewusst zu erleben.

Plötzlich hatte ich das Gefühl, als wäre ich wirklich in meinem Innern. Ich war geradewegs im Verdauungstrakt gelandet. Mein Magen reagierte bei meinem Anblick leicht säuerlich. "Ach, du bist das. Schön, dass du mal vorbeischaust. Willst wohl mal sehen, was du anrichtest mit deinem hastigen Essen. Kannste nicht mal das Zeitungslesen beim Frühstück einstellen. Ich muss mich jeden Tag aufs Neue mit den Brocken rumschlagen, die du halbzerkaust nach unten schickst. Dann wunderst du dich auch noch über Völlegefühl und Sodbrennen." Zack, meine erste Standpauke hatte ich weg. Ich stotterte verlegen herum, beteuerte, in Zukunft mehr auf meine Essweise zu achten und wollte mich davonschleichen. Doch der Magen ließ nicht locker. "Ich kann dir nur raten, dich nicht bei der Leber sehen zu lassen. Die ist ziemlich bedient.“

Peinlich, das zu hören. Ich gelobte nochmal Besserung, versprach, mich gesünder zu ernähren, mehr Obst, und Quark, und Milch, und Salat, weniger Alkohol. Was man so alles verspricht, wenn man seine Ruhe haben will. Mit einem lauten Rülpser entließ mich der Magen.

Unter Umgehung der Leber und des Darms schlich ich mich davon. Auf verschlungenen Wegen erreichte ich den Rückenbereich. Die Wirbelsäule machte einen geknickten Eindruck. Ich versuchte sie anzulächeln, ohne Erfolg. Sie seufzte tief: „Ach ja, das hat man nun davon. Ständig bin ich bemüht, dich aufrecht zu halten. Und was machst du? Anstatt deine Muskulatur zu trainieren, damit ich ein wenig Unterstützung finde, lässt du dich hängen. Fletzt dich vom Fernseher rum, hockst Stunden vorm PC, immer schön mit rundem Rücken. Und dann muss ich mir auch noch dein Gejammer anhören. Die Ohren machen ja nicht dicht. Hier kommt alles im O-Ton an.“ Ich guckte verlegen, trat von einem Fuß auf den anderen. Aber das war wohl völlig daneben. „Mensch, stell dich gerade hin. Nimm die Schultern zurück und spann die Bauchmuskeln an“ brummte die Wirbelsäule. Ich versuchte die besagte Muskulatur anzuspannen, aber die verweigerte nun völlig ihren Dienst. „Das könnte dir so passen. Erst ignorierst du mich monatelang, und nun hier den Beflissenen machen. Nee, sie man zu, wie du klar kommst.

Von sehr viel tiefer unten, so aus der Oberschenkelgegend, kam jetzt auch ein Kommentar. „ Recht haste.“ Das waren die Hamstrings und der Quadrizeps. „Mit uns kannst du nicht mehr rechnen. Wir sind auch sauer. Versuch doch mal, dein Bein zu strecken. Na, tut’s schön weh’.

Meine ohnehin lädierten Lendenwirbel stöhnten auf. „Hört doch auf damit. Wir können die Bandscheiben kaum noch daran hindern, sich noch weiter nach draußen zu wölben.“ Ich rutschte völlig in mich zusammen, was zu folge hatte, dass die Wirbel deutlich krachten. „Mein Gott, noch mal," hörte ich sie schimpfen. "Mach, dass du hier wegkommst. Du richtest doch nur noch mehr Schaden an.“

Schlagartig wurde ich wach. Bei meiner Entspannungsübung war ich wohl eingeschlafen. Puh, alles nur geträumt.

Ich legte mich auf den Rücken und versuchte, mein rechtes Bein gerade nach oben zustrecken, als mich ein starker Schmerz durchfuhr.

Ein Stimme tönte: „Schöne Grüsse von uns. Vergiss uns nicht. „

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