Der Dwarslöper

Am Anfang war die Flaschenpost. Skurrile Gedanken und Meinungen. Geschüttelt. Nicht gerührt.

Ein Fall für Münte

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Es ist an der Zeit, sich auch einmal über die einfachen Dinge des täglichen Lebens Gedanken zu machen.

Zum Beispiel das Sockenproblem. Immer wenn es nach dem Wäschewaschen an das Zusammenlegen der Strümpfe geht, fällt mir sofort ein niedliches Lied aus der Sesamstrasse ein:

"Zwei von diesen Dingen gehören nicht zusammen."

Selten ist es bisher gelungen, alle Einzelsocken zur Paarbildung zu bewegen. Einer bleibt immer allein. Auf die Frage: "He, du, wo hast du deinen Partner gelassen." antwortet er nicht. Stumm und traurig liegt er da.

Ich habe die Waschmaschine in Verdacht. Irgendwo in ihrem Innern muss es eine versteckte Öffnung geben, in der die Socken auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Kein Zeit-, sondern ein Sockenfenster.

Vermutlich besteht eine geheime Abmachung zwischen den Herstellern von Waschmaschinen und der Strumpfindustrie. Zwecks Umsatzsteigerung. Eine Hand wäscht die andere.

Erst verschwinden die Füßlinge. Da es auf Dauer peinlich ist, mit verschiedenfarbigen Strümpfen herumzulaufen und sich mitleidigen Blicken und anteilnehmenden Bemerkungen wie: " Ach, geht’s dir so schlecht. Hab ich gar nicht gewusst." auszusetzen, werden neue gekauft.

Dann gibt die Maschine, belastet mit den Fremdkörpern, den Geist auf. Nicht mehr fähig, sich zu bewegen, nicht mehr zu reparieren. Sozusagen total versockt. Nach umfangreichen Preis- und Testvergleichen steht irgendwann ein Nachfolgegerät im Bad.

Und dann beginnt das ganze Spiel von vorn.

Manchmal hat man aber auch Glück. Bei der nächsten Wäsche taucht ein verloren geglaubtes Gesocks wieder aus heiterem Himmel auf. Einfach so. "Hallo, da bin ich. War nur mal kurz weg. Brauchte ein bisschen Abwechslung." Aber du kannst darauf wetten. Jetzt hast du ein passendes Paar, dafür ist ein anderer auf und davon. Und kehret nicht mehr wieder.

Im Schrank lagern inzwischen eine Menge hinterbliebener Socken, eng an aneindergekuschelt, wissend, dass sie auf Dauer nicht zusammengehören können.

Man muss es sich mal vor Augen führen: jeden Tag werden alleine in der Bundesrepublik tausende von Strümpfen brutal auseinander gerissen. Einzig und allein des schnöden Mammons wegen.

Wollen und können wir es uns wirklich leisten, diesem Raubtierkapitalismus noch länger zuzusehen? Sind wir nicht schon aus humanitären Gründen gefordert, hier Einhalt zu gebieten?

Ich appelliere an die Politik. Das Sockenschicksal muss zur Chefsache erklärt werden.

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