Vor lauter Arbeit nur am Rande Nachrichten verfolgt. Beherrschendes Thema: Der Papst. Die Aufbahrung. Das Volk. Die Trauer.
Höre das Geschwafel eines Reporters oder das, was man heute dafür hält. Er spricht so hektisch, wahrscheinlich ist er wieder mal betroffen, dass er ins Stottern gerät. Höre ihn plötzlich von den Festspielen reden.
He, habe ich da was verpasst? Neues Musical angesagt? Auf der Freilichtbühne vor dem Petersdom? In den Hauptrollen: Ratzinger und seine lilalaune Brüder? Stiller Statist: Karol Wojtyla, besser bekannt unter seinem Bühnennahmen Johannes Paul II.
Höre Interviews mit Gläubigen oder solche, die dazu gemacht werden. Etwas ältliches Ehepaar, er beantwortet die Frage, wie er dann nach Rom gekommen sei, folgendermaßen:
"Also, wir auf der Autobahn zwischen München und Hamburg. Ham wer gehört, dat der Papst gestorben ist. Also, nix wie umgekehrt und ab nach Rom." Meldung des Verkehrsfunks: "Achtung, auf der Autobahn kommt ihnen auf ihrer Spur ein Geisterfahrer entgegen. " Spiritus sancti.
Eine trauernde Dame beklagt, dass sie nicht in Ruhe vor dem Papst knien und beten kann, weil da ja so viele Leute sind. Mädel, möchte ich schreien, Mädel, merkst du noch was? Wann soll der alte Mann denn beerdigt werden? Weihnachten?
Schmunzeln muss ich bei diesem Kommentar: " Warum hat der denn auf der Bahre neue Schuhe an?“ Vielleicht hat seine Mutter früher immer gesagt: "Karol, zieh dir frische Socken an, wenn dir was passiert und du ins Krankenhaus kommst, fällt das sonst auf mich zurück." Wäre 'ne Erklärung.
Sehe auch die vielen Menschen, die "trauernd " ihre Handys auf den toten Papst richten und schnell noch ein Erinnerungsfoto für Tante Elfriede in Castrop-Rauxel machen. Text: Vorm verwesen dabei gewesen.
Geschmacklos? Ja, in der Tat. Dieses ganze Medientheater war geschmacklos. Einschaltquoten in alle Ewigkeit amen.
Neue Mitteilung: Die Kardinäle treten zusammen.
Wen?

