Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, mich an dem Wombatzeigenen Google-Suchwort-Schreibwettbewerb *g* zu beteiligen.
Hier das Ergebnis.
Laurenz Meyer saß auf der Schneekoppe. Hier hatte er sich nach dem Desaster um seine Nebeneinkünfte hingerettet. Hoch droben, auf dem Berge. Es war zwar saukalt. Aber eisiger als die Stimmung in seiner Partei konnte es hier auch nicht sein.
Nach all' den Enttäuschungen ob der Reaktionen seiner Parteifreunde hatte er seine Wanderschuhe geschnürt, seinen Rucksack gepackt, neben warmen Pullovern und Socken auch seinen Aufblas-Sitzsack eingesteckt und war losgezogen. Er wusste nur zu gut, dass er diesen Sitzsack dort im Schnee gut brauchen würde. Genauso wie die handgeknüpfte Isoliermatte seiner Frau.
Der alte Petroleumkocher ermöglichte es ihm, sich ein kleines, schmackhaftes Mahl zuzubereiten. Er taute den Schnee in dem kleinen Topf, bis das Wasser heiß war. Dann riss er langsam und genüsslich die Papierlasche der Tütensuppe auf, und ließ das Suppenpulver hinrieseln. Ein köstlicher Duft stieg in seine Nase, und das Wasser lief ihm im Munde zusammen.
Alsbald entnahm er seinem Rucksack einen Löffel des alten Silberbestecks, das er von seiner verstorbenen Großmutter geerbt hatte. Um es vor dem Anlaufen zu schützen, war es in einen alten roten Socken gewickelt, der noch aus einer missglückten Kampagne aus seiner früheren Tätigkeit als Generalsekretär stammt. Sein Herz hing diesen alten Dingen. Erinnerten sie ihn doch an seine unbeschwerte Jugend. Seine Großmama war eine gütige Frau gewesen. Sie schimpfte nie mit ihm, auch nicht, als ihm das Jalousieband gerissen war, weil er zu ungestüm versuchte hatte, die Jalousie in die Höhe zu ziehen.
Beim Gedenken an seine Großmutter wurden ihm die Augen feucht, und ein dicker Kloß stieg im in die Kehle. Achja, mein Omchen, seufzte er. Du hättest sicherlich Verständnis für mich aufgebracht.
Gedankenverloren rührte er in seiner Suppe, als er plötzlich knirschende Schritte hinter sich vernahm. Abrupt dreht er sich um, und erschrak. Ein beharrtes Wesen näherte sich ihm. Sein Herz klopfte laut, vor Aufregung brach ihm der Schweiß aus.
Der Zottelige sah aus wie ein Mittelding zwischen Mensch, Affe und Bär. Von jedem etwas. Es rückte näher an ihn heran, wohl angelockt durch den Duft der Speise.
"Oh mein Gott" stöhnte Laurenz leise. "Lass den Krug an mir vorbeigehen." Vielleicht tut er mir ja nichts, wenn ich ihm etwas zu essen anbiete.
"Kannst du sprechen?" fragte er. " Verstehst du mich?" Das fremde Wesen musterte ihn. "Hast du Hunger?" fragte er weiter.
Eine Antwort blieb zunächst aus. Die Spannung stieg in unerträgliche.
"Hmpf." machte das Wesen. "Wirklich nett von euch, dass ihr mit mir euer Essen teilen wollt. Ich habe schon seit zwei Tagen nichts in den Magen bekommen. Da lass ich mich nicht länger bitten." Sprach's, nahm den Löffel an sich, und begann, die Suppe auszulöffeln. Laurenz staunte ein wenig über die verschrobene Sprechweise, lies sich aber nichts anmerken.
Bald war der Topf geleert. Der Fremde lehnte sich zurück, rülpste kurz, und klaubte sich die restlichen Nudeln aus den Haaren, die sein Gesicht bedeckten.
Er begann zu sprechen: "Weißt du, ich irre schon seit Jahren von Berg zu Berg. Immer auf der Suche nach mir selbst. Und nach den wichtigen Fragen, die die Menschheit schon seit Jahrtausenden beschäftigen. Fragen wie: Was passiert, wenn man Salz ins Feuer tut? Dies ist eins der ungelösten Rätsel hier auf Erden."
Laurenz nickte. Er freute sich, ein so feinsinniges Wesen getroffen zu haben. Jetzt fühlte er sich nicht mehr so einsam.
So begannen sie zu philosophieren über den Sinn des Lebens und den Lauf der Welt.
Über all' die wichtigen Dinge, wie Frauen, Fußball, Sex und Politik. Sie waren plötzlich so vertraut miteinander, als kennten sie sich schon ewig. Nichts Trennendes war mehr zwischen ihnen. Und so wunderte sich Laurenz auch nicht mehr, als sein Gegenüber ihm die intime Frage stellte. " Sagt mir, Gefährte, wann habt ihr den Stimmbruch bekommen?"
Laurent antwortete ihm frank und frei, auch den ersten Bartwuchs verschwieg er nicht, und auch nicht die erste Zigarette. Er gestand ihm auch, dass er mit Kostja Ullmann während seiner Studentenzeit eine WG gegründet hatte. Dort war es üblich, im Sommer nackt auf dem Balkon im Halbkreis zu sitzen und Gras zu rauchen. Eine schöne Zeit. Er erinnerte sich gerne daran.
"He, habt ihr Lust auf Gras?" fragte ihn der Unbekannte. "Ich dreh uns mal eben 'nen Joint." Wir können uns ja auch im Halbkreis hinsetzen. Genauso wie früher, mit Kostja." Laurenz war begeistert. Es dauerte nicht lange, da zog er genüsslich den Rauch in die Lungen. Langsam fühlte er sich sehr, sehr gut. Fast so damals. Nur das Nacktsein fehlte ein wenig, aber dazu war es wirklich zu kalt.
Die Wirkung des Joints machte sich auch bei seinem bärtigen Freund bemerkbar. Der war aufgestanden, wiegte sich zunächst sanft, fing leise zu singen: "Schni Schna Schnappi, schnappi, schnappi, schnappi." Allmählich wurde der Gesang lauter, der Tanz heftiger, um nicht zu sagen wild. Der Körper zuckte und wand sich. "Schnappi, schnappi, schnappi, schnappi, schnappi." tönte es. Das Fieber packte auch Laurenz. Das war nichts nur zum angucken. Die Ekstase griff auf ihn über.
Verzückt tanzten beide um das kleine Feuer des Petroleumkochers. Ein Weihnachtsgeschenk übrigens von RWE für treue Mitarbeiter.
"Schnappi, schnappi, " keuchte der Bärtige. “Übrigens, mein Name , " Schnappi, ist Messner. Schnappi, Reinhold Messner. Schni schna Schnappi."
Seine großen Füße hinterließen große Spuren im Schnee, als er sich wild tanzend und singend davon machte.

