Zurück aus dem kalten Norden. Norwegen. Küste entlang mit dem Postschiff von Bergen nach Kirkenes und retour. Beeindruckende Landschaft. Atemberaubend. Fühlst dich auf einmal ziemlich klein angesichts dieses Naturschauspiels. Da stellt sich die philosophische Frage: Was ist der Mensch mit seiner Technik dagegen? Keine Antwort. Schweigend können die Schönheiten des Augenblicks auch besser genossen werden. Seele baumeln lassen. Eindrücke aufsaugen. Fotografieren, festhalten.
Seekrank. Als Segler, peinlich. Aber es ist nun mal ein altes Schiff, kein schwimmendes Hotel mit Stabilisatoren. Da muss man schon was aushalten. Bei 7 – 8 Windstärken rollt der Dampfer von einer Seite auf die andere. Und nicht nur der Dampfer. Wenn du nicht gerade in der Koje liegst, hast du Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht. Im Speisesaal fliegt der sauteure (was in Norwegen ist nicht sauteuer) Rotwein über den Tisch. Salzfässer kreisen. Gläser scheppern. Selbst der Kaptein, der mit im Saal sitzt, guckt etwas verdutzt. Unangemeldeter Seegang? Ich melde mich ab in die Kabine. Was soll's.
Es ist wie beim segeln. In bestimmten Augenblicken fragst man sich: "Was tust du hier?" Warum liegst du nicht zuhause in deinem Bett oder sitzt gemütlich auf der Couch. Wenn dann die Turbulenzen abgeflaut sind, dein Magen sich beruhigt und dein Gesicht wieder eine gesunde Farbe angenommen hat, ist alles o.k. Um keinen Preis auf der Welt würdest du es anders haben wollen.
Rückflug. Flugangst ausgelebt. Versucht, nicht an alle Flugkatastrophen zu denken, die es irgendwann mal gab. Lieber an was lustiges. Gib mir den Vector, Victor. Alles roger, Roger. Gelingt nicht wirklich. Halte meine Augen geschlossen und tue so, als wäre ich einfach nicht da. Selbstbetrug. Hilft jedoch, nicht in Panikattacken auszubrechen. Ist da noch was zu retten, Herr Doktor? Ich werde es nie lieben.
Wenn der liebe Gott gewollt hätte, daß ich fliege, wäre ich Vogel geworden. Jetzt ist mir klar, warum der Papst immer den Boden küsste, wenn er wieder gelandet war.

